Infineon

04.04.19
CFO

CFO des Monats: Sven Schneider

Vom Berufsanfänger bis zum Group CFO: Sven Schneider hat bei Linde eine steile Karriere hingelegt und sich vor allem bei der Fusion mit Praxair einen Namen gemacht. Mit dem neuen CFO-Job bei Infineon begibt er sich nun auf schwieriges Terrain.

Alles neu macht der Mai – das gilt auch für Sven Schneider, den Noch-Finanzchef bei dem Gasekonzern Linde. Denn zum 1. Mai tritt er seinen neuen Job als CFO bei dem Halbleiterunternehmen Infineon an und wechselt damit nach 24 Jahren das erste Mal überhaupt in seiner Karriere den Arbeitgeber. Schneider löst den bisherigen Infineon-CFO Dominik Asam ab, der seit Anfang April Airbus-Finanzchef ist. In der Übergangszeit verantwortet Infineon-CEO Reinhard Ploss die Finanzen.

Ausgestattet mit einem Vertrag über drei Jahre, bleibt Schneider der Stadt München treu, denn auch sein neuer Arbeitgeber befindet sich in der bayerischen Landeshauptstadt. Und auch das Börsensegment ist Schneider bestens bekannt: Beide Konzerne notieren im Dax. Davon abgesehen, erwarten das Linde-Eigengewächs bei Infineon aber viele Neuerungen.

Vom Berufsanfänger zum Group Treasurer

Der 52-Jährige blickt auf einen langen und erfolgreichen Karriereweg bei Linde zurück. Schneider stieg nach seiner Banklehre und dem BWL-Studium 1995 bei dem Gasehersteller ein. Zunächst als Referent im Finanzbereich, arbeitete er sich über Stationen im Cash Management und im Treasury-Controlling bis zum Leiter Corporate Finance im Jahr 2005 hoch. Sechs Jahre später wurde er schließlich zum Group Treasurer des Milliardenkonzerns ernannt.

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Dr. Sven Schneider, Infineon Technologies AG

Nach einer Banklehre und dem Studium der BWL beginnt Sven Schneider 1995 seine Karriere bei dem Industriegasekonzern Linde als Referent im Finanzbereich. Nach Stationen als Abteilungsleiter Bankverkehr Beteiligungen, Finanzberichterstattung und Cash Management wird der gebürtige Berliner im Jahr 2000 Hauptabteilungsleiter Cash Management und Treasury-Controlling. 2005 wird Schneider Leiter des Bereichs Corporate Finance bei Linde. Sechs Jahre später erfolgt dann die Ernennung zum Group Treasurer.

Im September 2016 übernimmt Schneider nach dem Weggang von Linde-CFO Georg Denoke zunächst interimistisch die Verantwortung für den gesamten Finanzbereich der Linde Group. Im März 2017 ernennt der Dax-Konzern Schneider zum Finanzvorstand, im Dezember 2018 übernimmt er zudem auch noch das Amt des Vorstandssprechers. Seit Mai 2019 ist Schneider Finanzchef des Chipherstellers Infineon.

zum Profil

Und wer weiß, wie seine Karriere weiter verlaufen wäre, wäre nicht die aufsehenerregende, 65 Milliarden Euro schwere Fusion mit dem US-Konkurrenten Praxair gekommen, bei der sich Schneider beweisen musste. Der Zusammenschluss zum weltweit größten Industriegasekonzern gestaltete sich am Ende als jahrelange Tortur. Es begann im September 2016, als die ersten Verhandlungen über die Megafusion scheiterten.

Einen Tag danach verließ der damalige CFO Georg Denoke den Konzern. Im Gegensatz zum damaligen CEO Wolfgang Büchele galt Denoke als Gegner der Fusion – zwischen den beiden soll es einen Machtkampf gegeben haben. Wenig später verließ auch Büchele den Gasehersteller.

Für Sven Schneider war das eine große Chance und Herausforderung zugleich: Ab September 2016 übernahm er zunächst interimistisch den CFO-Posten von Georg Denoke und musste den schwierigen Deal weiter voranbringen. Die Verhandlungen wurden wieder aufgenommen, und Ende 2016 wurden sich die beiden Konzerne doch noch einig. Schneider wurde daraufhin dauerhaft zum neuen CFO berufen.

Sven Schneider führte Praxair-Fusion über die Ziellinie

Die Arbeit war für ihn mit der grundsätzlichen Einigung aber keinesfalls getan: Erst mussten Linde und Praxair noch die US-Kartellbehörde Federal Trade Commission (FTC) und den US-Sicherheitsausschuss CFIUS überzeugen. Dafür musste der Dax-Konzern einen Großteil des US-Geschäfts an den deutschen Konkurrenten Messer und ein Konsortium um den Private-Equity-Investor CVC für 2,8 Milliarden Euro verkaufen. Und auch die letzte Auflage zur Freigabe, den Verkauf von drei weiteren Sparten, erfüllte Linde.

Anschließend wurde die Integration des alten Konzern in das neue fusionierte Unternehmen zur wichtigsten Aufgabe von Schneider, der in der Zwischenzeit zum Sprecher des Vorstands, Finanzvorstand und Arbeitsdirektor bei Linde ernannt worden war. Seit März ist die Fusion nun offiziell abgeschlossen.

Bewährungsprobe für den neuen Infineon-CFO Schneider

Ab Mai muss Schneider nun erstmals auch in einer ganz anderen Branche beweisen, dass er die Finanzen im Griff hat. Dabei tritt er in große Fußstapfen: Dominik Asam, der seit 2011 CFO bei Infineon war und ein erfahrener Insider der Chipbranche ist, hat unter anderem die milliardenschwere Übernahme des US-Chipherstellers Rectifier eingefädelt.

Auch in Zukunft dürften größere Übernahmen – vor allem von Technologieunternehmen in den USA – eine wichtige Rolle für das Wachstum des Chipherstellers spielen. Hier dürften Schneider seine gesammelten Erfahrungen mit US-Unternehmen und US-Behörden zugute kommen. Dies ist für Infineon ein wichtiges Pfund, hat der Chipkonzern doch selbst auch schon negative Erfahrungen mit dem CFIUS-Ausschuss gemacht, der 2017 die Übernahme des Chipherstellers Wolfspeed verhinderte. CFIUS sah den Deal als Risiko für die nationale Sicherheit der USA an.

Infineon schraubte zwei Mal die Prognose runter

Auch die derzeitige Konjunkturlage macht Infineon zu einem schwierigen Pflaster. Das Geschäft ist hoch konjunktursensibel, Ende März musste Infineon seinen Umsatz und Ausblick für das laufende Geschäftsjahr bereits zum zweiten Mal herunterschrauben. Wegen „fortbestehender weltwirtschaftlicher Unsicherheiten und schwächerer Nachfragedynamik in den Endmärkten“ senkte Infineon die erwartete Rate des Umsatzwachstums deutlich und rechnet nun nur noch mit Erlösen von 8 Milliarden Euro (Vorjahr: 7,6 Milliarden Euro). Auch die Gewinnmarge wird niedriger ausfallen als geplant.

Besonders der Absatz in China steht unter Druck, weil die Händler dort größere Lagerbestände aufgebaut haben. Schneider darf sich nach seinem Start nicht verkalkulieren, sodass es nicht noch zu einer dritten Gewinnwarnung kommt.

sarah.backhaus[at]finance-magazin.de

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