Die Grammer-Verantwortlichen suchen weiter das Gespräch mit der Familie Hastor. Der unliebsame Großaktionär wird weiter an Bord bleiben.

Grammer

26.05.17
CFO

Grammer wird die Hastor-Familie nicht los

Nach einer langen und hitzigen Debatte hat sich das Grammer-Management auf der Hauptversammlung mit seinen Vorschlägen durchgesetzt. Die unterlegene Hastor-Familie denkt dennoch nicht an einen Rückzug.

Das Werben von Grammer-Vorständen, Politikern und Aktionärsvertretern hat geholfen: Unerwartet hohe 67 Prozent des Grundkapitals waren auf der diesjährigen Grammer-Hauptversammlung vertreten – in den Vorjahren hatte die Teilnahme nur zwischen 40 und 50 Prozent gelegen.

Dank der hohen Präsenz gelang es Grammer auch, die Anträge der unliebsamen Aktionäre aus dem Hastor-Lager abzuschmettern. Die bosnische Unternehmerfamilie Hastor ist mit zwei Vehikeln an Grammer beteiligt und wollte mehrere Positionen in Aufsichtsrat und Vorstand neu besetzen. Die beiden Hastor-Vehikel halten Grammer-Angaben zufolge derzeit rund 23 Prozent am Unternehmen.

Dass die Hastors ihre Ziele verfehlten, ist für das Grammer-Management ein wichtiger Zwischensieg. Ein endgültiger Erfolg ist es aber nicht. Im Anschluss an die Hauptversammlung verkündete Hastor , weiter als „bedeutender Investor“ beteiligt bleiben zu wollen. Für Grammer ist dies heikel, schließlich müssten die beiden Hastor-Vehikel ihre Anteile nur noch geringfügig aufstocken, um gemeinsam auf 25,1 Prozent der Grammer-Anteile zu kommen. Entscheidungen, die eine Dreiviertelmehrheit erfordern, könnte das Hastor-Lager dann gemeinsam blockieren.

Grammer-Aktienkurs erholt sich nicht

Der Grammer-Vorstand wird sich daher auf weitere Auseinandersetzungen mit dem unliebsamen Großaktionär einstellen müssen. Da verwundert es nicht, dass die Verantwortlichen sich betont offen zeigen: Vorstand und Aufsichtsrat seien zu ernsthaften Gespräche mit dem Großaktionär bereit, teilte Grammer mit.

Der Aktienkurs des Automobilzulieferers konnte von den Abstimmungsergebnissen auf der Hauptversammlung nur kurzzeitig profitieren: Zwar stieg der Aktienkurs am späten Mittwochnachmittag zunächst von 50,80 Euro auf 51,80 Euro an, inzwischen hat das Papier die Gewinne jedoch wieder abgegeben und notierte am Freitagvormittag nur noch knapp über 50 Euro.

Die langfristige Perspektive Grammers bleibt weiterhin ungewiss. Große Automobilkonzerne haben sich aus Furcht vor einer Kontrollübernahme der Hastors bei Grammer mit neuen Aufträgen zuletzt zurückgehalten. Im Vergleich zum Vorjahreszeitraum seien Grammers Auftragseingänge im ersten Quartal 2017 um 50 Prozent eingebrochen, heißt es in einer aktuellen Analyse des Bankhauses Lampe. Die Unternehmenskennzahlen und auch das Grammer-Rating sind dadurch unter Druck geraten

Chinesen halten inzwischen 15 Prozent der Grammer-Anteile

Doch nicht nur die Hastors untermauern ihr Engagement bei Grammer, auch der „weiße Ritter“ Ningbo Jifeng weitet seine Unterstützung für die Grammer-Führung aus. Der chinesische Industriekonzern Ningbo Jifeng war Mitte Februar als Gegengewicht zu den Hastors an Bord geholt worden. Die Bosnier hatten danach über Wochen versucht, den Einstieg der Chinesen über eine Wandelanleihe gerichtlich zu verzögern.

Über eine Pflichtwandelanleihe erhielt Ningbo Jifeng zunächst rund 9,2 Prozent der Anteile
, laut einer Meldung vom Montag haben die Chinesen seitdem auf 15,07 Prozent der Anteile aufgestockt. Die Chinesen sind damit der größte Einzelaktionär, haben aber deutlich weniger Anteile als die beiden Hastor-Vehikel zusammen. 

Setzt Hastor auf Zerschlagung von Grammer?

Welche Strategie die öffentlich kaum in Erscheinung tretenden Bosnier bei Grammer verfolgen, ist nach wie vor unklar. Analysten des Bankhauses Lampe mutmaßen, die Hastor-Familie könnte es bei Grammer darauf abgesehen haben, den Autozulieferer im Falle einer Kontrollübernahme zu zerschlagen und die einzelnen Bereiche zu verkaufen.

Grammer habe seinerseits aber auch M&A-Pläne, schreiben die Analysten weiter. Das Unternehmen habe nach eigenen Angaben vier Unternehmen auf seiner M&A-Shortlist, präferiertes Ziel sei ein nordamerikanischer Zulieferer für Auto- Innenraumausstattungen. Die Targets sollen zwischen 70 und 380 Millionen Euro Umsatz erzielen. Für das größte Target könnte ein Kaufpreis von 200 bis 250 Millionen Euro anfallen. Grammer wird alles daran setzen müssen, seine übrigen Aktionäre bei Laune zu halten, wenn es die Hastor-Familie weiterhin auf Abstand halten will.

sabine.reifenberger[at]finance-magazin.de

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