Die Grammer-Verantwortlichen suchen weiter das Gespräch mit der Familie Hastor. Der unliebsame Großaktionär wird weiter an Bord bleiben.

Grammer

26.04.17
CFO

Weißer Ritter ist bei Grammer wieder im Spiel

Wichtiger Etappensieg für Grammer im Abwehrkampf gegen die Investorenfamilie Hastor: Der Autozulieferer darf nach einer Gerichtsentscheidung nun doch neue Aktien an den weißen Ritter Ningbo Jifeng ausgeben. Jetzt beginnt ein Wettlauf gegen die Zeit.

Nach mehreren heftigen Rückschlägen hat der Automobilzulieferer Grammer im Abwehrkampf gegen die aktivistischen Investoren aus der Unternehmerfamilie Hastor nun einen wichtigen Etappensieg errungen. Eine einstweilige Verfügung, mit der die Hastor-Seite die Ausgabe neuer Aktien vorerst unterbunden hatte, wird nicht mehr vollstreckt. Damit ist es Grammer nun möglich, neue Aktien an den weißen Ritter Ningbo Jifeng auszugeben.

Die Chinesen haben über eine Pflichtwandelanleihe 9,2 Prozent des Grundkapitals gezeichnet.
Mit dem Aussetzen der einstweiligen Verfügung ist es nun möglich, die Wandlung in Aktien zu vollziehen. Das Bundeskartellamt bestätigte zudem, dass der Erwerb der Aktien über die Wandelschuldverschreibung nicht anmeldepflichtig war.

Zwar bleibt es nach wie vor bei einem weiteren Gerichtstermin am 16. Mai, unmittelbar vor der Grammer-Hauptversammlung am 24. Mai. Einem Grammer-Sprecher zufolge ist es jedoch nicht möglich, dass bei diesem Termin mögliche bis dahin ausgegebene Aktien wieder einkassiert werden. Aktien, die vor dem Registrierungsstichtag an Ningbo Jifeng ausgegeben würden, seien auf der Hauptversammlung auch stimmberechtigt, sagte der Sprecher gegenüber FINANCE. Vor Gericht wären dann andere Fragen, beispielsweise nach der Kostenübernahme für das Verfahren, zu klären.

Ningbo Jifeng müsste bis Mittwoch im Besitz der Grammer-Aktien sein

Grammer teilte mit, im Falle einer Wandlung der Anleihe durch Ningbo Jifeng stehe nun „einer zügigen Ausgabe der neuen Aktien an den strategischen Partner“ nichts mehr im Wege. Die Zeit drängt allerdings: Aktionäre, die auf der Hauptversammlung abstimmen wollen, müssen am 3. Mai, dem Mittwoch der kommenden Woche, bereits im Besitz der Aktien sein. Die Ausgabe der neuen Aktien müsste Grammer nun also mit Hochdruck verfolgen, zumal vor dem Registrierungsstichtag auch noch ein durch einen Feiertag verlängertes Wochenende liegt.

Mit 9,2 Prozent der Anteile könnte Ningbo Jifeng zumindest ein Gegengewicht gegen das Lager der Investorenfamilie Hastor stellen, die bei Grammer gegen den Willen von Management und Mitarbeitern tiefgreifende Veränderungen in Aufsichtsrat und Vorstand durchsetzen will. Investoren aus der Hastor-Familie halten insgesamt mindestens 20 Prozent der Anteile. Da Hastor über zwei getrennt gewertete Vehikel beteiligt ist, könnte allerdings jedes der Vehikel auf 14,9 Prozent aufstocken, ohne eine Stimmrechtsmitteilung abgeben zu müssen. Gemeinsam könnten die Vehikel also bereits knapp 30 Prozent der Anteile halten.

sabine.reifenberger[at]finance-magazin.de

Update: 27. April, 11:19 Uhr: Grammer gibt bekannt, dass infolge der Wandlung der Pflichtwandelschuldverschreibung 1.062.447neue Stückaktien entstanden sind, die in der Hauptversammlung der Gesellschaft am 24. Mai 2017 stimmberechtigt sind.

Wer sich noch mit ungewünschten Forderungen der Aktionärsseite befassen muss, lesen Sie auf der FINANCE-Themenseite über aktivistische Investoren.