FINANCE-Interview mit Schalke 04-CFO Peter Peters.

Schalke 04

23.09.14
CFO

Schalke-CFO Peter Peters: „Investoren kommen, Investoren gehen“

Durch die Bundesliga rollt eine Investorenwelle, nur ein einziger Top-Klub weigert sich standhaft, Anteile zu verkaufen: Schalke 04. CFO Peter Peters setzt lieber auf Fremdkapital – und begründet das auch mit der Unfreiheit von Bayern München.

Borussia Dortmund, Bayern München, Hertha BSC: Viele Bundesligaklubs haben in diesem Jahr externe Investoren an Bord geholt. 13 von 18 Bundesligaklubs haben ihre Profiabteilungen schon in Kapitalgesellschaften ausgelagert – Ihr Klub nicht. Gerät Schalke ins Hintertreffen?
Gegenfrage: Was bringt einem Klub ein einmaliger Finanzierungsschub durch die Hereinnahme eines Investors? Ich glaube, langfristig nicht viel. Zumal man dafür auch keine Anteile verkaufen müsste. Unser Spieler Julian Draxler hat eine festgeschriebene Ablösesumme von 45,5 Millionen Euro. Würden wir diesen Transfer machen, hätten wir finanziell gesehen Ähnliches erreicht wie Hertha oder Borussia Dortmund, aber ohne Dritten Entscheidungsrechte in unserem Verein einzuräumen.

Ein Finanzierungsschub kann helfen, die finanzielle Substanz zu stärken.
Das ist uns auch mit Fremdkapital gelungen. Wir haben in den vergangenen Jahren mit dessen Hilfe enorm in unsere Infrastruktur investiert, was uns ein nachhaltig hohes Umsatzniveau von über 200 Millionen Euro im Jahr sichert. Ich bin überzeugt davon, dass langfristig als wichtiger Faktor die Ertragskraft darüber entscheidet, welcher Verein sportlich und wirtschaftlich vorne mit dabei ist. Schalke 04 besitzt als einer der letzten Klubs alle Catering- und Vermarktungsrechte, hat ein eigenes Stadion, eine gute Mannschaft, eine hervorragende Jugendarbeit. Das hat uns auch eine erfolgreiche Platzierung der Mittelstandsanleihe ermöglicht, die wir vor zwei Jahren begeben haben.

Die Mittelstandsanleihe kostet Zinsen, und Sie müssen sie 2019 zurückzahlen.
Auch Eigenkapital kostet Geld, denken Sie an die Dividenden! Manchmal werden auch Nebenabsprachen getroffen, die Geld kosten. Außerdem reduziert der Verkauf von Anteilen die Unabhängigkeit, wodurch man sich künftige Marktchancen entgehen lässt. Die Partner, die zum Beispiel bei Borussia Dortmund und Bayern München eingestiegen sind, machen das ja nicht aus Liebe zum Ball. Sie wollen Geld verdienen. Oder glauben Sie, dass Bayern München irgendwann noch einmal den Ausrüster wechseln kann, solange Adidas als Anteilseigner beteiligt ist?

Schalke-CFO Peter Peters: „In keine Zwangsehe ketten“

Böse Zungen behaupten, dass es genau darum bei Schalke geht: Jeder externe Investor würde die starke Machtposition infrage stellen, die sich Ihr Klubchef Clemens Tönnies aufgebaut hat.
Das sind tatsächlich böse Zungen, die das behaupten. Clemens Tönnies muss sich regelmäßig dem Votum der Mitglieder stellen. Das gilt nicht für alle Führungspersonen in von Kapital bestimmten Bundesligaklubs.

Mit starken strategischen Partnern an Ihrer Seite ließe sich die Marke Schalke 04 vielleicht besser entwickeln.
Wir haben doch starke Partner. Gazprom, Adidas und Veltins zum Beispiel sind seit vielen, vielen Jahren wichtige Sponsoren von  Schalke 04 – und das ohne Kapitalbeteiligung. Ich bin nicht davon überzeugt, dass man sich in eine Zwangsehe ketten muss, wenn man eine langfristige Partnerschaft will.

Wir hätten erwartet, dass Sie Zeter und Mordio schreien und in der Investorenflut eine Wettbewerbsverzerrung sehen.
Ich glaube, in fünf Jahren werden bis auf ganz wenige Ausnahmen immer noch die gleichen sechs, sieben Klubs die Bundesliga dominieren wie jetzt. Manche werden bis dahin weitere Anteilseigner aufgenommen haben, andere nicht. Wir sind auch deshalb so entspannt, weil wir das Thema ja auch aus Europa kennen, wo es seit Jahren tatsächlich  eine Wettbewerbsverzerrung gibt. Aber obwohl so viele ausländische Klubs Investorengelder bekommen haben, hat sich Schalke 04 europäisch durchgesetzt und gehört zu den besten 14 Klubs der aktuellen UEFA-Rangliste. Investoren kommen, Investoren gehen – der Verein wird immer bleiben. Fußball ist auch ein Geschäft der Eitelkeiten, und die muss man zurückdrängen. Das geht am besten mit einem guten Management. Ob das in einem Verein oder einer AG agiert, ist nicht spielentscheidend.

michael.hedtstueck[at]finance-magazin.de

Wie es um die Finanzen auf Schalke bestellt ist, lesen Sie auf unserer Themenseite zu Schalke 04 und in unserem Fußball-Finanz-Blog 3. Halbzeit. Alles Wissenswerte zu der wirtschaftlichen Verfassung der Schalke-Rivalen inklusive ausführlicher Interviews mit den Finanzchefs dieser Klubs finden Sie ebenfalls auf den Themenseiten zu Bayern München und Borussia Dortmund.

Warum gerade die Investorenflut über die Bundesligaklubs hereinbricht und wie das den deutschen Fußball für immer verändern könnte, erfahren Sie in der Titelgeschichte der aktuellen Ausgabe der FINANCE.

 

Alles zur Karriere des Schalke-Finanzchefs finden Sie im CFO-Almanach FINANCE-Köpfe auf der Seite zu Peter Peters.