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Brockhaus schafft ersten Deal seit IPO

Brockhaus übernimmt Bikeleasing, einen Anbieter von Dienstfahrrädern.
Rattanasak - adobe.stock.com

Brockhaus Capital Management (BCM) hat ein Jahr nach dem Börsengang das erste Investment unterschrieben: Für 300 Millionen Euro übernimmt das Private-Equity-Haus Bikeleasing, einen Spezialisten für das automatisierte Management von Leasingverträgen. Im Fokus des M&A-Targets stehen Dienstfahrräder. Bikeleasing-Kunden sind Unternehmen, die ihren Mitarbeitern Dienstfahrrad-Leasing anbieten. Deren Zahl beziffert BCM mit 25.000.

Brockhaus bezeichnet Bikeleasing als stark wachsend und hochprofitabel, nannte aber zunächst keine Geschäftszahlen. Da der Portfolio-Neuzugang im Leasing-Geschäft tätig ist, muss die Übernahme unter anderem auch das Plazet der Finanzaufsicht Bafin erhalten. BCM plant, das Leasinggeschäft der neuen Tochter auf weitere Bereiche jenseits von Dienstfahrrädern auszudehnen.

Brockhaus plant Kapitalerhöhung

Da sich die geschäftsführenden Gesellschafter von Bikeleasing nach dem Verkauf in hohem Maße an dem Unternehmen rückbeteiligen wollen, wird BCM nach der Transaktion nur etwa 60 Prozent der Anteile halten. Zudem erwägen die Frankfurter, noch Co-Investoren hinzuzuholen. Dadurch könnte ihr Anteil noch auf bis zu 50,1 Prozent abschmelzen.  

Als direkt zu bezahlenden Kaufpreis muss Brockhaus 167 Millionen Euro aufbringen. Der Betrag liegt deutlich über den 115 Millionen Euro, die das PE-Haus beim Börsengang einsammeln konnte, und auch höher als die konsolidierte Cash-Position von 123 Millionen Euro zum Ende des ersten Quartals. Deshalb plant BCM eine größere Kapitalerhöhung mit Bezugsrecht für die bestehenden Aktionäre, die im zweiten Halbjahr umgesetzt werden soll. 

Größter Aktionär ist mit 22 Prozent zurzeit der Gründer Marco Brockhaus. Zudem sind eine Reihe von Vermögensverwaltern mit Anteilen zwischen 3 und 10 Prozent an dem Investmenthaus beteiligt, darunter die DWS und Janus Henderson. Die beiden Bikeleasing-Gründer Bastian Krause und Paul Sinizin haben angekündigt, sich an der Kapitalerhöhung bei BCM beteiligen zu wollen.

Bikeleasing gesellt sich zu Ihse und Palas

Bikeleasing wird der dritte Pfeiler des BCM-Portfolios. Darin befinden sich schon die beiden Mittelständler Palas und Ihse. Beide Unternehmen haben sich in der Coronakrise sehr unterschiedlich entwickelt. Während Ihse, ein Spezialist für sichere und schnelle Datenübertragung, im vergangenen Jahr einen Umsatzrückgang von 17 Prozent und einen ähnlichen Gewinneinbruch verkraften musste, verlieh die Corona-Pandemie Palas, einem Spezialisten für Aerosoltechnologie, Rückenwind: Dessen Umsatz sprang um 31 Prozent in die Höhe. 

In Summe bilanzierte BCM für 2020 ein Umsatzminus von 5 Prozent und einen Rückgang der operativen Gewinnmarge (Ebitda) von 29,8 auf 23,8 Prozent. Weil sich die Geschäfte von Ihse inzwischen wieder erholt haben, rechnete BCM vor der heutigen Deal-Ankündigung für das laufende Jahr mit einem Umsatzanstieg von 20 Prozent und einer leicht höheren Marge von 24 Prozent. 

Die Einbeziehung von Bikeleasing soll dazu führen, dass beide Zielgrößen nun deutlich höher als erwartet ausfallen dürften. Daraus lässt sich ableiten, dass Bikeleasing eine Ebitda-Marge zwischen 25 und 30 Prozent erwirtschaftet. Der Aktienkurs von BCM reagierte am Mittwochvormittag zunächst kaum auf die Akquisition von Bikeleasing. Mit 24 Euro notiert er derzeit deutlich unter dem Ausgabekurs von 32 Euro. 

Private Equity entdeckt die Fahrradbranche

Mit seinem Investment in Zweiräder steht Brockhaus nicht allein da: Die Fahrradbranche hat sich zuletzt zu einer heißen Zielbranche für Private Equity entwickelt. Der PE-Investor Riverside ist gerade dabei, den Online-Fahrradteilehändler Bike24 an die Börse zu bringen. Dem Finanzinvestor Finatem gelang kürzlich der Börsengang des Fahrradgetriebeherstellers Hgears.

Einen aufsehenerregenden Deal tätigte die belgische Investmentgesellschaft Groupe Bruxelles Lambert (GBL) Ende des vergangenen Jahres: Für 800 Millionen Euro kaufte die Beteiligungsgesellschaft den Koblenzer Fahrradproduzenten Canyon von dem US-PE-Investor TSG Consumer Partners.

michael.hedtstueck[at]finance-magazin.de

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Michael Hedtstück ist Chefredakteur von FINANCE-Online und FINANCE-TV und verantwortet die Online-Aktivitäten des FINANCE-Magazins. Er ist zweifacher Träger des Deutschen Journalistenpreises.

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