Das Private-Equity-Haus Brockhaus geht nächste Woche an die Börse. Die Kapitalerhöhung im Vorfeld wurde voll platziert.

Deutsche Börse

10.07.20
Finanzierungen

IPO: Marco Brockhaus findet genug Investoren

Über eine Privatplatzierung hat der Private-Equity-Investor Brockhaus vor seinem IPO 115 Millionen Euro eingesammelt. Etwa ein Drittel des Unternehmens liegt nun bei den neuen Geldgebern.

Der bekannte Private-Equity-Investor Marco Brockhaus kann sein Investmentunternehmen schon in der kommenden Woche an die Börse bringen: Für seine Beteiligungs-Holding Brockhaus Capital Management (BCM) haben sich genügend Investoren gefunden. Wie geplant hat BCM im Vorfeld der geplanten Börsennotiz über eine Kapitalerhöhung insgesamt 115 Millionen Euro eingesammelt, die künftig in neue Investments fließen können. Insgesamt wurden über Privatplatzierungen gut 3,5 Millionen BCM-Aktien zu je 32 Euro ausgegeben, davon entfallen knapp 470.000 Aktien auf die Greenshoe-Option.

Wird die Mehrzuteilung vollständig genutzt, so kommt das PE-Haus auf eine Marktkapitalisierung von insgesamt 332 Millionen Euro. Die Investoren der jetzt abgeschlossenen Kapitalerhöhung halten dann künftig etwa 35 Prozent des Gesamtunternehmens. Brockhaus hat damit sein Ziel erreicht: Im Vorfeld hatte der PE-Investor die Marschroute ausgegeben, dass das Volumen der Kapitalerhöhung mindestens ein Viertel der Marktkapitalisierung betragen solle.

Bereits am kommenden Dienstag soll die BCM-Aktie erstmals im Prime Standard der Frankfurter Börse notiert sein – damit schließt das Private-Equity-Haus seinen IPO wie erwartet noch vor der Sommerpause ab.

Brockhaus-Management beteiligt sich

Die von Citi und Jefferies als Joint Global Coordinators und Joint Bookrunners sowie der Commerzbank als Joint Bookrunner begleitete Transaktion war dem Unternehmen zufolge „signifikant überzeichnet“, mit „langfristigen Anker-Investoren aus Deutschland, den USA und Großbritannien“. 

Im Vorfeld hatte Brockhaus bereits angekündigt, es werde „keinen Abverkauf durch bestehende Aktionäre geben“. Vor der Kapitalerhöhung stellte das BCM-Managementteam mit rund einem Drittel des vorbörslichen Grundkapitals die größte Aktionärsgruppe. Der Aufsichtsrat und die Geschäftsführung der BCM-Tochtergesellschaften hielten zu Beginn dieser Woche weitere 8,7 Prozent beziehungswiese 5,5 Prozent der Anteile.

Im Zuge der Kapitalerhöhung haben sich diese Gruppen zwar erneut beteiligt, allerdings nur mit einem vergleichsweise geringen Volumen, so dass sich ihr Anteil insgesamt deutlich verwässern wird. Vorstands- und Aufsichtsratsmitglieder sowie Mitarbeiter von BCM und die Geschäftsführer der BCM-Tochtergesellschaften investieren insgesamt 1 Million Euro in die Kapitalerhöhung. Vorsitzender des BCM-Aufsichtsrats ist der frühere CFO von Norma, Othmar Belker.

Für die bestehenden Aktionäre gilt eine Lock-up-Frist von 180 Tagen, das BCM-Team und die Geschäftsführer der Töchter Palas und IHSE haben den Lock-up freiwillig auf zwei Jahre verlängert. Marco Brockhaus selbst wird nach dem Börsengang noch rund 20 Prozent an BCM halten.

Brockhaus will Erlöse in Neu-Investments stecken

Die frischen Mittel aus der Kapitalerhöhung im Vorfeld des IPOs will Brockhaus in neue Zukäufe stecken. Das Haus ist spezialisiert auf Technologie-Unternehmen und hat in einer frühen Phase auch einmal in eine Vorgängergesellschaft der inzwischen insolventen Wirecard sowie in den Treasury-Anbieter 360T investiert, der inzwischen zur Deutschen Börse gehört.

BCM-Gründer und CEO Marco Brockhaus sieht den Börsengang als einen Schritt hin zu dem von ihm beabsichtigten „Compounding-Modus“: In diesem sollen künftige BCM-Akquisitionen „durch den starken organischen Cashflow unserer Tochtergesellschaften finanziert werden können“, erklärte er.

Der Brockhaus-Börsengang ist einer der wenigen Lichtblicke am deutschen IPO-Markt, der nach der Coronavirus-Krise bislang kaum Transaktionen gesehen hat. Zu den wenigen Ausnahmen gehören der Datenbankentwickler Exasol sowie der Arzneimittelhersteller PharmaSGP, der jedoch Abstriche beim Umfang seines Börsengangs machen musste.

sabine.reifenberger[at]finance-magazin.de