Telefónica Deutschland schließt sich dem Trend an und setzt bei einem Konsortialkredit auf den Faktor Nachhaltigkeit.

Telefónica Deutschland

19.12.19
Finanzierungen

Durchbruch für ESG-linked Loans

2019 war das Jahr für Kredite mit Nachhaltigkeitskomponente. Nach dem Auftakt von Henkel hat sich die neue Finanzierungsform geradezu in Windeseile etabliert.

Jetzt auch Telefónica Deutschland: Der Telekommunikationskonzern hat einen Kredit mit Nachhaltigkeitskomponente abgeschlossen. Der ESG-linked Loan über 750 Millionen Euro wurde über eine Tochtergesellschaft aufgenommen und läuft inklusive möglicher Verlängerungen bis 2026. Der Konzern löst mit dem neuen Darlehen einen Kredit ab, der noch bis 2023 gelaufen wäre.

Die Zinsmarge des Kredits hat Telefónica an das Nachhaltigkeitsrating gekoppelt, das die Agentur Sustainalytics erstellt. Verbessert sich das Rating, sinken die Zinsen und umgekehrt. „Durch die Verknüpfung von Finanzierungskosten an unser ESG-Rating unterstreichen wir unsere Bekenntnis, nachhaltiges Wirtschaften zu einem zentralen Kriterium aller unserer Unternehmensentscheidungen zu machen“, kommentiert CFO Markus Rolle die Transaktion.

Henkel schloss ersten deutschen ESG-linked Loan ab

Mit dem Abschluss dieses Kredits schließt sich Telefónica einem der größten Finanzierungstrends dieses Jahres an: Die Kredite, die sowohl unter ESG-linked Loans, Positive Incentive Loans als auch Sustainability-linked Loans bekannt sind, haben erst vor einem Jahr Einzug in die deutsche Finanzierungslandschaft gehalten.

In anderen Ländern hatte es bereits früher solche Transaktionen gegeben, Ende 2018 sorgte dann der Konsumgüterkonzern Henkel für die deutsche Premiere. Das Unternehmen begab damals einen Kredit über 1,5 Milliarden Euro. CFO Carsten Knobel sprach in der FINANCE-Printausgabe Januar/Februar 2019 über die Transaktion.

Voith, Deutsche Börse und Dürr zogen nach

Eine Reihe von Unternehmen folgte Henkel nach. Darunter war etwa der Technologiekonzern Voith, allerdings mit einer bilateralen Kreditlinie. Ebenfalls schlossen die Deutsche Börse und die Stadtwerke München solche nachhaltigen Kredite ab.

Gerade die Transaktionen des Maschinenbauers Dürr sorgten dieses Jahr für Schlagzeilen. Zum einen, da das Unternehmen die Koppelung der Finanzierungskosten an die Nachhaltigkeitsperfomance gleich zweimal kurz hintereinander einsetzte. Zum anderen, weil Dürr als erstes Unternehmen die Zinsmarge eines Schuldscheins mit diesem Mechanismus verband.

ESG-linked-Welle im Dezember

Zum Jahresende platzte der Knoten dann völlig. Mit Continental ging im Dezember der nächste Dax-Konzern mit einem ESG-linked Loan über 4 Milliarden Euro an der Markt. Die Komponente entwickelt sich zum New Normal bei der Refinanzierung von Konsortialkrediten. Am gleichen Tag meldete auch Lanxess einen solchen Kredit über 1 Milliarde Euro.

Beide Transaktionen sind an eigens dafür ausgewählte Nachhaltigkeitskennzahlen gekoppelt. Das ist ungewöhnlich: Bislang haben die meisten Unternehmen ein ESG-Rating einer Nachhaltigkeitsagentur als Messlatte gewählt.

Ebenfalls im Dezember gab der Verbindungstechnikkonzern Norma den Abschluss eines solchen Kredits bekannt, gefolgt von der bereits erwähnten Transaktion von Telefónica Deutschland.

Enel legt Pionierstück am Bondmarkt vor

Eine besonders spektakuläre Transaktion fand in diesem Herbst allerdings außerhalb Deutschlands statt. Der italienische Energieversorger Enel, bislang ein großer Emittent von klassischen Green Bonds, hat die Koppelung der Verzinsung an die Nachhaltigkeitsperformance aus dem Kreditsegment an den Anleihemarkt getragen.

Der Konzern platzierte erst einen US-Dollar-Bond und später einen Euro-Bond, die mit einem Zins-Step-up versehen sind, wenn Enel bestimmte Nachhaltigkeitsziele nicht erreicht. Eine Verringerung der Zinsmarge, wie bei den Konsortialkrediten möglich ist, gibt es allerdings nicht.

Damit gibt es nun auch eine Modelltransaktion für die Einbeziehung einer Nachhaltigkeitskomponente am Bondmarkt. Ob sich das Modell durchsetzen wird, bleibt allerdings noch abzuwarten.

antonia.koegler[at]finance-magazin.de

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