Die 50Hertz-Mutter Eurogrid hat inmitten der Coronakrise ihr Debüt am Green-Bond-Markt gegeben.

50Hertz

08.05.20
Finanzierungen

Green Bonds trotzen der Coronakrise

Green Bonds haben sich in den turbulenten Corona-Zeiten gut geschlagen – sogar ein Quäntchen besser als klassische Anleihen. Einige mögliche Debüt-Emittenten könnten dem Markt dennoch fernbleiben.

Knapp 14 Milliarden Euro haben Unternehmen in diesem Jahr bislang am Euro-Markt mit Green Bonds eingesammelt. Das sind über 30 Prozent mehr als noch im Vorjahr in dieser Zeitspanne, wie aus einer aktuellen Analyse der BNP Paribas hervorgeht. Die Zahlen zeigen deutlich, dass der Trend zu Green Finance auch durch die Coronavirus-Pandemie nicht zu stoppen ist.

„Nachdem sich der Markt nach dem Corona-bedingten Stillstand wieder geöffnet hat, wurden auch neue Green Bonds platziert“, kommentiert Delf Egge, Managing Director im Bereich Debt Markets bei BNP Paribas. Der Energiekonzern E.on platzierte beispielsweise Ende März eine grüne Anleihe über 750 Millionen Euro. Anfang Mai folgten jüngst zwei Debüt-Transaktionen von der 50Hertz-Mutter Eurogrid (750 Millionen Euro) und dem Telekommunikationsunternehmen Swisscom (500 Millionen Euro). Der Automobilzulieferer Schaeffler gab zudem mit einem teilweise grünen Schuldschein sein Debüt.

Green Bonds performen am Sekundärmarkt besser

Auch am Sekundärmarkt kann der Markt für grüne Anleihen ein positives Zwischenfazit verzeichnen. Die Spreads haben sich im Schnitt etwas besser entwickelt als die der klassischen Anleihen. „Es handelt sich dabei allerdings um einen eher geringen Unterschied“, erklärt BNP-Experte Egge. „Green Bonds profitieren davon, dass die Investorenschaft zu größeren Teilen aus Buy-and-Hold-Investoren besteht.“ Daher seien die Verwerfungen an diesem Markt durch die Verkaufswelle der Investoren weniger stark ausgefallen.

Wie auch bei klassischen Investmentgrade-Bonds sind die Spreads, die im März zeitweise extrem nach oben geschnellt waren, wieder deutlich gefallen – auf dem Niveau vor der Krise liegen sie aber weiterhin nicht.

Insgesamt spiegele die bessere Performance in der Krise die Vorteile wider, die es bei einer Emission von Green Bonds grundsätzlich gebe: „Die Platzierung einer grünen Anleihe läuft in der Regel etwas besser ab, die Orderbücher sind qualitativ hochwertiger“, berichtet er. Das liegt an der nach wie vor begrenzten Auswahl von Titeln in dem grünen Universum, was sich auch an den Konditionen zeigt: „Wir sprechen meist über einen Preisvorteil im Primärmarkt zwischen null und fünf Basispunkten.“

Debüt-Emittenten könnten zurückhaltender werden

Dennoch geht Kapitalmarktbanker Egge davon aus, dass einige Debüt-Emittenten in den nächsten Monaten eher davon Abstand nehmen könnten, Green Bonds zu emittieren. „Diejenigen Unternehmen, die schon die Vorarbeit geleistet haben, werden sicher an den Markt kommen“, betont er. „Aber bei den Unternehmen, bei denen es bislang nur erste Überlegungen dazu gab, kann es gut sein, dass nun erst einmal andere Dinge Priorität haben. Finanzchefs wollen schnell die offenen Fenster am Markt nutzen, um sich Liquidität zu sichern“, betont er.

Deshalb könne es sein, dass der proportionale Anteil der grünen Anleihen am Gesamtvolumen in diesem Jahr sinken werde. Auch, weil insgesamt mehr Emittenten den Markt anzapfen. Bislang wurden in diesem Jahr Euro-Corporate-Bonds über 165 Milliarden Euro begeben – das sind 38 Prozent mehr als im selben Zeitraum im Vorjahr. Bei Green Bonds lag das Wachstum wie bereits erwähnt bei 33 Prozent.

Dem langfristigen Trend hin zu Green Finance wird diese Entwicklung aber keinen Abbruch tun, auch wenn das Wachstum relativ zum Markt in diesem Jahr auf niedrigerem Niveau liegen dürfte. Egge erwartet in diesem Jahr im Euro-Raum Corporate Green Bonds insgesamt über 40 Milliarden Euro – 2019 wurden insgesamt 37 Milliarden Euro platziert.

antonia.koegler[at]finance-magazin.de

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