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FSN Capital schließt sechsten Mittelstandsfonds

Neuer Fonds, neues Glück: Der Private-Equity-Investor FSN Capital hat für seinen jüngsten Fonds 1,8 Milliarden Euro eingesammelt.
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Neuer Rekord für FSN Capital: Der norwegische Private-Equity-Investor hat Kapitalzusagen über 1,8 Milliarden Euro für seinen sechsten Mittelstandsfonds eingeworben. Damit ist der neue Fonds fast doppelt so groß wie sein Vorgänger, der im Jahr 2016 aufgelegt wurde und 985 Millionen Euro schwer ist. Aus diesem Fonds hat FSN Capital in Deutschland vier Plattform-Deals und acht Add-ons getätigt.

Nach Aussage von FSN war der neue Fonds überzeichnet, der „hard cap“ – die obere Schwelle der erwarteten Kapitalzusagen – lag bei 1,6 Milliarden Euro. Mehr als die Hälfte der Investoren investiert zum ersten Mal in einen FSN-Fonds, der Rest sind Bestandsinvestoren. Die UBS Private Funds Group agierte als Sole Global Placement Agent des neuen Fonds, die Kanzlei Kirkland & Ellis beriet FSN Capital in rechtlichen Fragen.

FSN Capital koppelt Revolver an ESG-Kriterien

Das Besondere an dem neuen Fonds von FSN Capital: Die Marge des revolvierenden Kredits, den FSN ziehen kann, um Schwankungen im Cashflow der Investoren auszugleichen, ist an ESG-Kriterien geknüpft. Erfüllt der Fonds die Kriterien, sinkt der Zinssatz um 10 bis 15 Basispunkte, andernfalls steigt er um diesen Satz.

Das Fundraising hat FSN Capital komplett virtuell durchgeführt, berichtet Partner Robin Mürer. Einfach war das nicht: „Wir haben im vergangenen Jahr mit dem Fundraising begonnen und bis April 2020 schon eine knappe Milliarde an Zusagen eingeholt“, erinnert sich der Investmentmanager. Dann stockte der Prozess Corona-bedingt. „Vor allem neue, interessierte Investoren befanden sich erstmal in einer Schockstarre“, so Mürer.

Zu Beginn dieses Jahres habe die Geschwindigkeit des Fundraisings aber wieder deutlich angezogen. Das hatte vor allem zwei Gründe, sagt Mürer: „Unsere LPs sind flexibler geworden und haben nicht auf physische Meetings bestanden, um sich von uns ein Bild zu machen. Außerdem hatten wir im Portfolio keine Ausfälle. Das hat ihnen Sicherheit gegeben.“

FSN will ein Drittel des Fonds in Deutschland investieren

Auch für den neuen Fonds schaut sich FSN Capital Unternehmen in Nordeuropa mit einem Unternehmenswert zwischen 50 und 500 Millionen Euro an, der „Sweet Spot“ liegt bei einem Enterprise Value zwischen 100 und 200 Millionen Euro. Der deutsche M&A-Markt spielt für FSN Capital eine entscheidende Rolle: „Aufgrund der Größe und der M&A-Aktivität in Deutschland gehen wir davon aus, dass wir rund ein Drittel der Gelder des neuen Fonds in deutsche Firmen investieren“, kündigt der Partner an.

Im Idealfall will das neunköpfige Münchener Investmentteam einen deutschen Deal pro Quartal machen. „Das ist natürlich ein ambitioniertes Ziel. Aber ich schließe nicht aus, dass wir das hinkriegen“, meint Mürer. Dealsourcing betreibt der Finanzinvestor zudem in den nordischen Ländern sowie in der Schweiz und in Österreich. Der Investmentmanager erwartet aber, dass zusammengerechnet maximal 10 Prozent der Deals aus der Schweiz und Österreich kommen werden.

„Ich gehe davon aus, dass wir rund ein Drittel der Gelder des neuen Fonds in deutsche Firmen investieren.“

Robin Mürer, Partner bei FSN Capital

Im Blick hat der Finanzinvestor Unternehmen aus den Bereichen Technologie und IT, Industrials, Business Services, Consumer und Healthcare. „Wir haben gute Erfahrung mit gründergeführten Unternehmen gemacht, interessieren uns aber auch für Carve-outs und Secondaries“, sagt Mürer. Das Ziel jedes Investments sei es, das operative Ergebnis (Ebitda) während der Haltedauer zu verdoppeln.

Private-Equity-Markt spielte kurzzeitig verrückt

Mit dem dänischen Solarunternehmen Obton sowie der schwedischen IT-Security-Firma Omega Point hat FSN Capital schon die ersten zwei Investments aus dem neuen Fonds getätigt, schon bald soll der erste deutsche Deal folgen. „In Deutschland schauen wir uns gerade vier Unternehmen an“, berichtet Mürer. Derzeit gebe es viel Dealflow, vor allem, weil sich die Lage am Private-Equity-Markt nach Mürers Dafürhalten gerade wieder etwas entspannt.

„In den vergangenen Monaten haben wir zum Teil irrationales Verhalten gesehen: Due Diligences, die nur zwei, drei Tage gedauert haben, und Investoren, die sich Assets zu schwer nachvollziehbaren Preisen vorab gesichert hatten, um dem Wettbewerb auf einer Auktion zu entgehen“, so Mürer. Vor allem auf Fonds, die während Corona nicht investiert hatten, lastete zwischenzeitlich ein besonders hoher Investitionsdruck, versucht Mürer dieses Verhalten zu erklären. Diese Phase sei nun aber wieder vorbei.

FSN-Vorgängerfonds erreicht Money Multiple von 3x

Hierzulande ist FSN Capital an vier Unternehmen beteiligt. Den ersten Deutschland-Deal machte der Finanzinvestor Ende 2018 mit dem Autozubehörhändler Rameder, den er für 115 Millionen Euro übernahm. Ende 2019 kauften die Norweger die Impreg Group, einen Schlauchliner-Hersteller mit Sitz im baden-württembergischen Ammerbuch. Ende vergangenen Jahres hat FSN Capital mit den beiden Softwareunternehmen MHP Solution Group und Tasking zwei weitere Plattform-Investments eingefädelt.

FSN Capital zählt zu den neueren Finanzinvestoren im deutschen Midmarket. Die Vorgängerfonds haben nach Angaben von Mürer ein Money Multiple von 3,2x und eine jährliche Rendite (Internal Rate of Return, IRR) von 34 Prozent erzielt. Der fünfte Fonds ist zu rund 85 Prozent ausinvestiert, die übrigen Gelder will FSN für weitere Add-on-Akquisitionen verwenden.

Robin Mürer, der das Deutschlandbüro gemeinsam mit Justin Kent leitet, ist zufrieden mit der Performance der vergangenen Jahre: „Drei der vier Deals sind proprietär, das zeigt, dass wir trotz unseres Newcomer-Images auf unser Netzwerk bauen können. Am meisten stolz macht mich aber unser hochkarätiges Team, das wir hier in München aufgebaut haben.“

olivia.harder[at]finance-magazin.de

Info

Noch mehr Hintergrundinformationen zu Finanzinvestoren finden Sie auf der FINANCE-Themenseite Private Equity.

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Olivia Harder ist Redakteurin bei FINANCE und verfolgt schwerpunktmäßig die aktuellen Entwicklungen im M&A-Geschäft. Sie hat Philosophie, Politikwissenschaften, Soziologie und Geographie an der Justus-Liebig-Universität in Gießen studiert, wo sie auch einen Lehrauftrag innehatte. Vor FINANCE arbeitete Olivia Harder in den Redaktionen mehrerer Wochen- und Tageszeitungen, unter anderem beim Gießener Anzeiger.

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