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Bertelsmann-CFO Hirsch fädelt Mega-Deal ein

Bertelsmann übernimmt den US-Verlag Simon & Schuster für über 2 Milliarden US-Dollar.
Bertelsmann

Bertelsmann ist ein M&A-Coup gelungen: Wie der Gütersloher Buchverlag mitteilte, übernimmt er den US-Verlag Simon & Schuster für knapp 2,2 Milliarden US-Dollar (umgerechnet rund 1,8 Milliarden Euro). Verkäufer ist die US-Mediengruppe Viacom CBS.

Der Verlag mit Sitz in New York beschäftigt weltweit rund 1.500 Mitarbeiter und erwirtschaftete im vergangenen Jahr einen Umsatz von 814 Millionen Dollar mit Werken von weltbekannten Autoren wie Stephen King oder John Irving. Der Transaktion müssen noch die zuständigen Behörden zustimmen. Mit dem Closing des Deals rechnet Bertelsmann im Laufe des nächsten Jahres.

Nach der Übernahme soll Simon & Schuster als eigene Verlagseinheit unter dem Dach von Penguin Random House agieren. Bertelsmann hatte Penguin Random House im April komplett übernommen, nachdem die Gütersloher bereits seit 1998 an dem US-Verlag beteiligt gewesen waren. Die Buchverlagsgeschäfte Random House und Penguin Group hatten die Verlage dann im Jahr 2003 zusammengeführt.

Bertelsmann finanziert Deal aus eigener Kasse

Die Milliardenübernahme stemmt CFOBernd Hirsch komplett in bar aus vorhandenen liquiden Finanzmitteln. Diese beliefen sich laut Halbjahresfinanzbericht zum 30. Juni dieses Jahres auf knapp 4,8 Milliarden Euro – ein angenehmes Polster, um die Akquisition zu finanzieren.

„Eine externe Mittelaufnahme ist nicht erforderlich, auch dank der insgesamt erfreulichen Geschäftsentwicklung seit dem Sommer und dem bereits abgeschlossenen Verkauf von diversen Geschäften, Beteiligungen und Immobilien“, lässt sich Vorstandschef Thomas Rabe zitieren.

Dennoch hat die Coronavirus-Krise auch ihre Spuren bei dem Verlag hinterlassen: Der Konzernumsatz fiel im ersten Halbjahr 2020 im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um fast 10 Prozent auf 7,8 Milliarden Euro. Der Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) in Höhe von rund 1 Milliarde Euro fiel im Vorjahresvergleich um 28 Prozent. Den Rückgang des Gewinns begründet Bertelsmann mit den Auswirkungen der Coronakrise insbesondere auf die RTL Group sowie Gruner + Jahr.

Das Geschäft mit Büchern hingegen hat in der Coronakrise stark angezogen, besonders in den USA. Stärker nachgefragt wurden sowohl gedruckte Bücher als auch E-Books oder Hörbücher. Zudem setzte die Bertelsmann-Tochter Penguin Random House während der Krise auf virtuelle Events und Online-Buchempfehlungen. Ihr Umsatz legte im ersten Halbjahr 2020 im Vergleich zum Vorjahr leicht auf 1,6 Milliarden Euro zu, der Gewinn stieg im gleichen Zeitraum um knapp 9 Prozent auf 227 Millionen Euro.

CFO Hirsch fädelte Bertelsmanns Milliardendeal ein

Mit dem Deal fädelt Bernd Hirsch seine letzte große Transaktion als CFO des Medienkonzerns ein. Hirsch wird Bertelsmann zum Jahresende verlassen und zur Cofra Holding wechseln. In seiner Amtszeit verantwortete der Finanzchef unter anderem auch die Komplett-Übernahme von Random House. Neuer CFO der Gütersloher wird ab Januar das Bertelsmann-Eigengewächs Rolf Hellermann.

Während Hirsch den Milliardendeal noch eingetütet hat, wird Hellermann voraussichtlich die Post-Merger-Integration begleiten müssen – angesichts der Größe von Simon & Schuster eine herausfordernde Aufgabe direkt zum Start.

Durch die Übernahme stärkt Bertelsmann seine eigene Position als größter Buchverlag auf der Welt. Die US-Tochter Penguin Random House ist bereits jetzt der mit Abstand größte Buchverlag der Welt. Mit der Übernahme von Simon & Schuster schnappen sich die Gütersloher die Nummer fünf am US-Buchmarkt.

FINANCE-Köpfe

Bernd Hirsch, COFRA Holding AG

Nach Abschluss seines Studiums startet Hirsch 1998 seine Karriere als Audit Manager bei Arthur Andersen. 2001 wechselt er als Leiter M&A zur Carl Zeiss-Gruppe, im darauffolgenden Jahr wird er als Finanzchef in den Vorstand des Medizintechnikherstellers Carl Zeiss Meditec berufen. In dieser Funktion verantwortet er die Bereiche Finanzen, Controlling, Investor Relations, Recht sowie Steuern. Hirsch wird 2009 Finanzvorstand des Duftstoffherstellers Symrise. Im April 2016 wird er CFO bei Bertelsmann. Anfang 2021 wechselt er als CFO zu Cofra, der Investment-Holding der Unternehmerfamilie Brenninkmeijer.

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Bertelsmann setzte sich gegen Wettbewerber durch

Bertelsmann setzte sich dabei gegen mehrere Interessenten durch. Nachdem Viacom CBS Simon & Schuster im Sommer ins Schaufenster gestellt hatte, zeigten sich offenbar gleich mehrere Käufer interessiert, darunter der US-Wettbewerber Harper Collins sowie die französische Mediengruppe Vivendi, wie Medien damals berichteten.

Zu einem offiziellen Interesse bekannte sich wenig später auch Bertelsmann: CEO Rabe sagte Anfang September, er würde ein Angebot abgeben, sollte der Mutterkonzern den geplanten, aber Corona-bedingt gestoppten Verkauf wieder vorantreiben.

olivia.harder[at]finance-magazin.de

Olivia Harder ist Redakteurin bei FINANCE und verfolgt schwerpunktmäßig die aktuellen Entwicklungen im Private-Equity- und M&A-Geschäft. Sie hat Philosophie, Politikwissenschaften, Soziologie und Geographie an der Justus-Liebig-Universität in Gießen studiert, wo sie auch einen Lehrauftrag innehatte. Vor FINANCE arbeitete Olivia Harder in den Redaktionen mehrerer Wochen- und Tageszeitungen, unter anderem beim Gießener Anzeiger.

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