Alno

15.12.17
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Finanzinvestor River Rock bietet überraschend für Alno

Der insolvente Küchenbauer Alno bereitet sich auf die Liquidation vor, da legt River Rock doch noch verspätet ein Kaufangebot vor. Der Finanzinvestor ist für Alno kein Unbekannter.

Der Finanzinvestor River Rock hat überraschend ein Angebot für den insolventen Küchenbauer Alno abgegeben. Das teilte das Unternehmen aus Pfullendorf via Ad-hoc-Nachricht mit. River Rock interessiert sich demnach für „die wesentlichen Vermögensgegenstände“ von Alno und will den bereits eingestellten Geschäftsbetrieb wieder aufnehmen, sofern das Angebot angenommen wird.

Ein Sprecher des Insolvenzverwalters Martin Hörmann bestätigte auf Nachfrage, dass sich das Angebot auf das Werk in Pfullendorf beschränkt. Die ebenfalls insolvente Alno-Tochter Gustav Wellmann sei dagegen nicht Teil des Angebots.

River Rock war beim Alno-Investorenprozess nicht dabei

Der Vorstoß von River Rock kommt überraschend, da Insolvenzverwalter Hörmann bereits dabei war, Alnos Liquidation einzuleiten. Während des regulären Investorenprozesses im September hatte sich kein Käufer für die Alno-Reste gefunden. Der deutsche Branchenführer Nobilia hatte sich zwar die Alno-Tochter Pino gesichert, bei den restlichen Assets jedoch abgewunken, genauso wie ein chinesischer Interessent. 

Ein Sprecher des Insolvenzverwalters sagte gegenüber FINANCE, dass River Rock bei dem Investorenprozess damals nicht dabei gewesen ist. Dennoch ist der Finanzinvestor kein gänzlich Fremder für Alno. Nach FINANCE-Informationen hatte River Rock dem Küchenbauer bereits vor der Insolvenz ein Darlehen über rund 7 Millionen Euro gegeben, das zudem in Pfullendorf grundrechtlich besichert sein soll. Die Frankfurter Allgemeine Zeitung hatte später von einem Massedarlehen über 6 Millionen Euro berichtet.

Laut Sprecher nehme man das nun vorgelegte Angebot zwar ernst. An die nun anstehenden Verhandlungen gehe man jedoch mit einer vorsichtigen Erwartungshaltung heran.

River Rock beschäftigt sich schon länger mit Alno

River Rock, hinter dem der Gründer und Namensgeber der deutschen Unternehmensberatung Roland Berger steht, hat sich schon länger intensiv mit Alno beschäftigt. Der Finanzinvestor war nach FINANCE-Informationen bereits im August bei einem Treffen mehrerer Alno-Gläubiger in München anwesend, bei dem erörtert wurde, wie Alno dem harten Griff der bosnischen Unternehmerfamilie Hastor entwunden und anschließend saniert werden könnte. 

Unter der Führung der ehemaligen Alno-Finanzchefin Ipek Demirtas wurde mit dem Gedanken gespielt, über einen Tausch von Fremd- in Eigenkapital (Debt-to-Equity-Swap) die Kontrolle bei Alno zurückzuerlangen. Die Hastors wollten Alno ursprünglich in Eigenverwaltung sanieren.

Demirtas war von den Hastors zuvor aus dem Unternehmen gedrängt worden. Wenig später ereilte CEO Max Müller das gleiche Schicksal. Die Hastors waren Ende Juli über die Fremdkapitalseite bei dem angeschlagenen Küchenbauer Alno eingestiegen und hatten sich anschließend, ohne jemals die Mehrheit im Eigenkapital gehabt zu haben, über Posten im Aufsichtsrat und Vorstand die Macht bei Alno gesichert. 

Verfolgen Sie den schleichenden Niedergang des Pfullendorfer Küchenbauers auf der FINANCE-Themenseite zu Alno.