Alno/Volker Waldorf

24.11.17
Finanzierungen

Verkaufsprozess für insolvente Alno gescheitert

Alno steht endgültig vor dem Aus: Niemand will den insolventen Küchenhersteller kaufen. Es ist das bittere Ende eines langen Machtkampfs zwischen dem Alno-Management und dem Investor Tahoe.

Alno stellt den Betrieb endgültig ein. Auch der letzte Interessent habe kein Angebot für den Geschäftsbetrieb des insolventen Küchenbauers abgegeben, sagte der Insolvenzverwalter Martin Hörmann in einer Pressemitteilung. Damit blieben alle Gespräche und Verkaufsverhandlungen ohne Abschluss. Die verbliebenen Vermögenswerte sollen nun in den kommenden Monaten im Rahmen einer Einzelverwertung verkauft werden, heißt es weiter.

„Ohne einen Investor, der auch bereit gewesen wäre, entschlossen den Investitionsstau zu beseitigen und zudem erhebliche Mittel für die Fortführung des Geschäftsbetriebs investiert hätte, gibt es leider keine Zukunft für Alno“, lässt sich Hörmann zitieren.

Für die Mitarbeiter und Gläubiger des Küchenbauers aus Pfullendorf ist dies das bittere Ende eines langen Niedergangs. Bereits seit Jahren kämpfte Alno um den Turnaround. Die ehemalige Finanzchefin Ipek Demirtas hatte vergeblich versucht, das chronisch defizitäre Unternehmen mit Sanierungsmaßnahmen zurück in die schwarzen Zahlen zu führen.

Hastor entmachtete Ex-CFO Ipek Demirtas

Im Juli 2016 stieg die bosnische Unternehmerfamilie Hastor über ihr Investmentvehikel Tahoe bei Alno ein und stellte dem Küchenbauer ein Darlehen von 20 Millionen Euro. Hastor baute seine Macht bei Alno anschließend weiter aus, bis der Investor vor rund einem Jahr CFO Demirtas absetzte und eigene Vertreter in Vorstand und Aufsichtsrat installierte.

Im Juli meldetet Alno schließlich Insolvenz an. Zunächst war eine Insolvenz in Eigenverwaltung geplant. Währenddessen formierte sich um die ehemalige Finanzchefin Demirtas eine Gruppe, die eine Entmachtung der Hastors über einen Debt-to-Equity-Swap plante. Der Machtkampf endete damit, dass die Hastors die Insolvenz in Eigenverwaltung aufgeben mussten. Seitdem führte der Rechtsanwalt Martin Hörmann das Insolvenzverfahren und versuchte, einen Käufer zu finden.

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Ipek Demirtas, Alno AG

Nach Ihrem Studium zur Diplom-Betriebswirtin beginnt Ipek Demirtas ihre kaufmännische Karriere zunächst bei dem Mischkonzern Stinnes. Anschließend arbeitet sie zehn Jahre lang bei PriceWaterhouseCoopers und ist danach sieben Jahre als Geschäftsführerin der Petroplus Mineralölprodukte Deutschland und der Marimpex Mineralöl-Handelsgesellschaft tätig. Danach wird sie Chief Financial Officer der Environmental Solutions Europe (Otto Konzern) in Maastricht sowie Geschäftsführerin mehrerer Tochtergesellschaften des Otto-Konzerns. Im Januar 2010 kommt Ipek Demirtas zum Küchenbauer Alno und übernimmt dort zunächst die Leitung der konzernweiten Finanzen. Im Juli 2011 zieht Ipek Demirtas in den Vorstand ein und verantwortet dort die Ressorts Finanzen/Rechnungswesen, Controlling, Personal/Organisation, IT sowie Kapitalmarkt/Sonderprojekte. Bei Alno führt Ipek Demirtas mehrere Restrukturierungen durch und holt im Juli 2016 die bosnische Unternehmerfamilie Hastor über deren Finanzvehikel Tahoe Investors an Bord. Im Dezember 2016 scheidet die Finanzchef bei Alno aus und übernimmt im September 2017 zusammen mit dem früheren Alno-Chef Max Müller und einem weiteren Partner die Forster Swiss Home AG. Seitdem ist Sie CEO des Küchenbauers.

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Möglicher Interessent aus China machte Hoffnungen

Zwar war es ihm gelungen, für einige Auslandsgesellschaften Investoren zu finden. Dies gelang auch für die Alno-Tochter Pino mit 230 Mitarbeitern, die an ein Investoren-Konsortium um den Premiumküchen-Hersteller Nobilia ging.

Auch für Alno wurde von Kaufinteresse berichtet, zuletzt war Medienberichten zufolge ein Käufer aus China im Gespräch. Laut einem Alno-Sprecher seien sowohl strategische Interessenten als auch Finanzinvestoren unter den möglichen Käufern gewesen. Unklar ist, ob auch die Hastors im Rahmen des Insolvenzverfahrens Interesse an Alno hatten. Der Insolvenzverwalter wollte sich zu Namen nicht äußern.

Alno-Insolvenzverwalter will den Fall aufarbeiten

Für das ehemalige Management um Ex-CFO Demirtas und Ex-CEO Max Müller, aber auch für Tahoe dürfte der Fall Alno trotzdem noch nicht abgeschlossen sein. Denkbar ist ein Verfahren, in dem der Insolvenzverwalter Geld von den Verantwortlichen zurückfordert, um die Quote für die Gläubiger erhöhen zu können.

„Wir sind verpflichtet aufzuarbeiten, was in den vergangenen Jahren stattgefunden hat. Der Blick in den Rückspiegel steht noch an, auch wenn das heute nicht das Thema ist“, sagte ein Sprecher des Insolvenzverwalters. Den Gläubigern der 45 Millionen Euro schweren Mittelstandsanleihe droht aber trotzdem der Totalverlust.

julia.schmitt[at]finance-magazin.de

Alno steht vor dem Aus – wie konnte es soweit kommen? Lesen Sie alles zu diesem Fall auf unserer Themenseite zu Alno. Informationen über die ehemalige Finanzchefin Ipek Demirtas können Sie in Ihrem Profil bei FINANCE-Köpfe finden.