Gerry Weber muss sich von der einstigen Vorzeigetochter Hallhuber verabschieden. Die Mehrheit an dem Unternehmen geht an Robus Capital.
08.07.19
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Gerry Weber verkauft Hallhuber an Robus

Der Finanzinvestor Robus hat seine Kaufoption für Hallhuber gezogen: Gerry Weber bleibt mit lediglich 12 Prozent beteiligt. Dafür erhalten die Westfalen eine Barauszahlung.

Die Zukunft der Modemarke Hallhuber wird außerhalb des Gerry-Weber-Konzerns gestaltet: Die Westfalen, die zurzeit eine Insolvenz in Eigenverwaltung durchlaufen, haben die Mehrheit der Tochter an den Finanzinvestor Robus Capital Management abgegeben. Robus hatte Hallhuber im Februar kurzfristig mit einer dringend benötigten Finanzspritze über Wasser gehalten. Hallhuber bekam damals eine Brückenfinanzierung über 10 Millionen Euro, im Gegenzug sicherte Robus sich die nun ausgeübte Kaufoption.

Hallhuber baut Zentralfunktionen aus

Unter Robus soll Hallhuber künftig im „Bridge-to-Premium“-Segment des Modemarktes positioniert werden, also etwas unterhalb der Premium-Marken. Zudem soll eine Omnichannel-Strategie verankert werden, durch die die Distributionskanäle Online und Filiale eng verzahnt werden. Dafür seien „weitreichende Investitionen in E-Commerce und IT-Technologien geplant“, heißt es bei dem Unternehmen.

Auch wenn die genauen Summen nicht bekannt sind, setzt Hallhuber bei seiner Strategie auf die Finanzkraft von Robus Capital: „Hier können wir auf die finanzielle Unterstützung durch unseren neuen Mehrheitsgesellschafter bauen“, versichert Hallhuber-Geschäftsführer Rouven Angermann. Operativ will das Unternehmen künftig die Zentralfunktionen stärken, etwa Logistik und Beschaffung.

Gerry Weber behält 12 Prozent an Hallhuber

Die Brückenfinanzierung bei Hallhuber sei inzwischen durch eine langfristige Finanzierung abgelöst worden, heißt es in einer Unternehmensmitteilung der einstigen Mutter Gerry Weber. Details zu dieser neuen Finanzierung nannte der Modekonzern nicht.

Ihren Finanzierungs- und Geschäftspartnern eine langfristige Perspektive zu vermitteln, ist für Modekonzerne in der aktuellen Phase kritisch, da deren Großhandelskunden in diesen Wochen üblicherweise in die langfristige Planung für die Aufträge 2020 gehen. Wenn die Finanzlage eines Modeherstellers unklar ist, schreckt dies potentielle Auftraggeber ab. Gleichzeitig bindet die Produktion der anstehenden Kollektionen bei Modeunternehmen aber viel Kapital.

Die frühere Hallhuber-Mutter Gerry Weber ist trotz der Insolvenz nach eigenen Angaben aber bis in das Jahr 2020 durchfinanziert – dies liegt in erster Linie an Einkünften, die durch den Verkauf von Showrooms erzielt wurden.

Gerry Weber ist im Investorenprozess

Gerry Weber wird künftig nur noch mit 12 Prozent an Hallhuber beteiligt bleiben, die Tochter wird als „nicht-strategische Beteiligung“ weitergeführt. Dadurch sicherte sich Gerry Weber eine zusätzliche Barauszahlung: Der Konzern hatte früheren Angaben zufolge bei Ausübung der Kaufoption durch Robus die Wahl, entweder mit 14 Prozent an Hallhuber beteiligt zu bleiben, oder die Beteiligung auf 12 Prozent zu reduzieren und im Gegenzug eine halbe Million in bar von Robus zu erhalten. Das Gerry-Weber-Management um den auch für Finanzfrage zuständigen CRO Florian Frank entschied sich nun für die Cash-Komponente.

FINANCE-Köpfe

Florian Frank, Gerry Weber International AG

Florian Frank beginnt seinen beruflichen Werdegang im Jahr 2000 als Assistant Manager Corporate Restructuring bei KPMG in Düsseldorf und Hamburg. Zu seinen Aufgaben gehören Audits insbesondere im Einzelhandelssektor. 2006 wechselt er zu Hanse Management Consulting in Hamburg und ist dort vier Jahre als Projektleiter Restrukturierung und Ertragssteigerung mit Schwerpunkt auf den Handels- und Bausektor tätig. Ab Juli 2010 ist er bei Dr. Wieselhuber & Partner in Hamburg verantwortlich für Restrukturierung und Performance Improvement.

Im Rahmen seiner betreuten Mandate wird Florian Frank mehrfach als CFO und Chief Restructuring Officer (CRO) eingesetzt. Seit Oktober 2018 ist er als CRO und Mitglied des Vorstands bei dem insolventen Modekonzern Gerry Weber in Halle/Westfalen tätig. Dort ist er für die Entwicklung und Umsetzung aller operativen Maßnahmen der Restrukturierung und der Performance-Verbesserung im Unternehmen verantwortlich.

zum Profil

Für Gerry Weber läuft zurzeit ein Investorenprozess, der sich ebenfalls in den finalen Zügen befinden soll. FINANCE-Informationen zufolge waren insbesondere Private-Equity-Investoren mit Branchenexpertise an Gerry Weber interessiert. Der Branchenzeitschrift „Textilwirtschaft“ zufolge sollen zuletzt noch drei Investoren im Rennen gewesen sein. Eine Entscheidung könnte schon in dieser Woche fallen. Zu dem Modekonzern gehören nach dem Hallhuber-Verkauf noch die Marken Gerry Weber, Taifun und Samoon.

sabine.reifenberger[at]finance-magazin.de

Lesen Sie mehr über die aktuellen Entwicklungen bei dem Modeunternehmen auf unserer Themenseite zu Gerry Weber.