Leoni leidet unter der Coronakrise. Das hat auch Folgen für den M&A-Prozess der Kabelsparte.

Leoni AG

12.08.20
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Leoni will Kabelsparte zerschlagen

Leoni ist es nicht gelungen, seine Kabelsparte als Ganzes zu verkaufen. Jetzt will der angeschlagene Automobilzulieferer die Sparte in sechs Teilen aus dem Konzern herausschälen.

Der Automobilzulieferer Leoni zieht im M&A-Prozess für die Kabelsparte die Reißleine: Wie das Unternehmen im Rahmen der heutigen Vorlage der Quartalszahlen mitteilte, bereitet Leoni nun den Verkauf von Einzelteilen der Einheit vor. „Die Gespräche haben gezeigt, dass es unterschiedliche Interessenten für die unterschiedlichen Teile der Sparte gibt“, erklärte Leoni-CEO Aldo Kamper im Pressecall. Daher schaffe man nun die Voraussetzungen für den Carve-out von Teilbereichen. Dieser soll Anfang 2021 abgeschlossen sein.

Damit dürfte sich der Verkauf der Sparte Wire Cable & Solutions (WCS), die mit 1,8 Milliarden Euro zuletzt für rund 40 Prozent des Konzernumsatzes von Leoni stand, weiter verzögern. Die Nürnberger hatten im Juli 2019 angekündigt, die Sparte verkaufen oder an die Börse bringen zu wollen. Nach dem Ausbruch der Corona-Pandemie legte der Konzern die Abspaltung allerdings zunächst auf Eis. Man könne den strategischen Wert der Vermögenswerte kurzfristig womöglich nicht realisieren, hieß es damals.

Leoni teilt WCS in sechs Teile auf

Nun greift Leoni den Ball wieder auf. Der Plan: WCS soll in sechs Teile aufgestellt werden, die theoretisch separat verkauft werden könnten, wie CEO Kamper erklärte. Leoni ist mit seiner Kabelsparte vor allem im Automotive- und im Industrie-Geschäft tätigt. Diese beiden Businesses würden wohl jeweils ein Teil umfassen, hinzu kämen vier weitere. Die Sparte ist auch im Healthcare-Business sowie in den Bereichen Energie und Infrastruktur aktiv.

Für welche Teilbereiche es bereits Kaufinteressenten gibt, wollte Kamper nicht verraten: „Wir sind in unterschiedlichen Stadien der Gespräche.“ Bisher habe der Fokus auf einem Gesamtverkauf gelegen. Denkbar sei allerdings auch, dass man für einige Teile keinen Käufer finden werden.

So seien „spezifische Lösungen“ für Teile der Portfolios geplant, die etwa 500 Millionen Euro Umsatz ausmachten – das entspräche gut einem Viertel des Spartenumsatzes von 2019. Das Wort der „Abwicklung“ wollte Kamper nicht in den Mund nehmen, er sprach von Restrukturierung.

Umsatz von Leoni bricht wegen Coronakrise ein

Wie sehr Leoni die Coronavirus-Krise zusetzt, zeigen die heute veröffentlichten Quartalszahlen: Der Konzernumsatz hat sich im zweiten Quartal gegenüber dem vergleichbaren Vorjahreszeitraum nahezu halbiert auf 673 Millionen Euro. Der Einbruch fällt dabei in der Bordnetzsparte WSD – die künftig das Kerngeschäft von Leoni sein soll – noch etwas heftiger aus als in der Kabelsparte. Auf die ersten sechs Monate gerechnet, betrug das Minus 28 Prozent.

Noch düsterer sieht es beim Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) aus: Das um Sondereffekte wie die Kosten für das Sparprogramm Value 21 aber auch um Corona-bezogene Maßnahmen zum Mitarbeiterschutz bereinigte Ebit lag mit minus 112 Millionen Euro im ersten Halbjahr deutlich im negativen Bereich. Im ersten Halbjahr 2019 war das Minus mit 35 Millionen Euro noch geringer ausgefallen.

„Die Covid-19-Pandemie hat die weltweite Automobilindustrie und damit auch deren Zulieferer hart getroffen“, erklärte CEO Kamper. Man gehe aber davon aus, „den Tiefpunkt der Belastungen in der aktuellen Phase der Pandemie“ im April erreicht zu haben und beobachte seitdem eine schrittweise Erholung der Produktion der Kunden. Seit Ende Juni liefen zwei Drittel der Werke mit weitgehend normalisierter Produktion, das Geschäft in China befinde sich bereits wieder annähernd auf Vorkrisenniveau. „Dennoch bleibt der weitere Jahresverlauf extrem herausfordernd“, so der CEO.

FINANCE-Köpfe

Ingrid Jägering, Leoni AG

Ihre Karriere startet Ingrid Jägering 1998 bei Siemens und hat dort mehrere Führungspositionen im In- und Ausland inne, unter anderem als CFO der Windenergiesparte Siemens Wind Power in Dänemark. Nach vierzehn Jahren bei Siemens geht Jägering zu dem Großmotorenbauer Man Diesel & Turbo, wo sie zwischen 2012 und 2016 als Geschäftsführerin und CFO verschiedener Geschäftsbereiche tätig ist. Anschließend übernimmt sie verschiedene Führungspositionen bei Osram Opto Semiconductors. Seit August 2019 ist Jägering Finanzchefin bei dem Autozulieferer Leoni.

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CFO Jägering: Stand jetzt bis Ende 2022 durchfinanziert

Nicht nur die Coronakrise setzt Leoni zu – der kriselnde Automobilzulieferer hat schon seit längerem mit einem Cash-Drain zu kämpfen. Bereits Ende 2019 hatten die Nürnberger deshalb ein Sanierungsgutachten nach IDW S6 erstellen lassen, um zusätzliche Liquidität von den finanzierenden Banken zu erhalten. Mit einem neuen Finanzierungspaket der Banken gelang es schließlich, einen fälligen Schuldschein planmäßig zurückzuzahlen.

Mit dem Ausbruch der Corona-Pandemie spitzte sich die Lage allerdings wieder zu. Im April erhielt Leoni deshalb eine zusätzliche Kreditlinie über 330 Millionen Euro, die zu 90 Prozent vom Staat abgesichert ist.

Mit dieser Linie sieht sich Leoni weiterhin gut aufgestellt: „Momentan sehen wir keinen Rekapitalisierungsbedarf“, erklärte Finanzchefin Ingrid Jägering. Die frei verfügbaren liquiden Mittel gibt sie – Stand Ende Juni – mit 401 Millionen Euro an. Aus heutiger Sicht sei man bis Ende 2022 durchfinanziert. Die Voraussetzung dafür sei allerdings, dass das Sanierungskonzept weiterhin konsequent umgesetzt und dass sich das Marktumfeld im Jahresverlauf wie erwartet erholen werde, so Leoni.

Dass der geplante Verkauf von WCS der Liquiditätsbeschaffung diene, hatte Leoni dagegen stets bestritten. Auch jetzt erklärte der Konzern, eine Trennung werde nur erfolgen, „sofern ein fairer Wert erzielbar ist und Käufer ein zukunftsfähiges Konzept vorlegen.“

desiree.buchholz[at]finance-magazin.de

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