M&A-Deals: Bayer ist mit einem Übernahmeangebot für Monsanto bislang erfolglos.

Bayer CropScience

22.07.16
Deals

M&A-Deals: Bayer, Lufthansa, Unister

Bayer kämpft um den Monsanto-Deal, Lufthansa könnte Teile von Air Berlin kaufen und der insolvente Reisekonzern Unister sucht einen Käufer. Diese und andere M&A-Deals finden Sie in unserem FINANCE-Wochenrückblick.

Monsanto verschmäht neues Bayer-Angebot

Der US-amerikanische Saatgutkonzern Monsanto findet auch Bayers auf 125 US-Dollar je Aktie erhöhtes Angebot „finanziell unangemessen“, wie die Nachrichtenagentur Reuters berichtete. Allerdings ist der Konzern gesprächsbereit – gegenüber Bayer sowie anderen Interessenten.

Offenbar scheint eine Einigung von Seiten Monsantos also möglich, sofern die Konzerne sich über die Unternehmensbewertung verständigen können. Beobachtern und Investoren zufolge könnte Monsanto sich mit einem Preis von 130 bis 135 US-Dollar je Aktie zufrieden geben, was einem Kaufpreis von 60 bis 62 Milliarden Euro entspräche.

Bayer hingegen könnte offenbar schwerere Geschütze auffahren, wie die Nachrichtenagentur Dow Jones berichtete. Demnach denke Bayer über ein unerbetenes, also feindliches, Angebot an die Monsanto-Aktionäre nach. Damit könnte Bayer Druck auf das Management des US-Konzerns ausüben, um Einsicht in die Bücher zu erlangen.

Der Bayer-Aktionär Henderson Global Investors macht sich währenddessen gegen die geplante Übernahme stark, schreibt Dow Jones. Demnach fordere die Fondsgesellschaft ein Mitspracherecht und eine Abstimmung der Aktionäre über die M&A-Pläne.

Lufthansa erwägt offenbar Investition in Air Berlin

Die Lufthansa will offenbar Teile der angeschlagenen Fluglinie Air Berlin übernehmen, wie das Handelsblatt berichtete. Entsprechende Verhandlungen führe Lufthansa mit Air-Berlin-Großaktionär Etihad. Eine Einigung sei sehr wahrscheinlich, wie die dpa unter Berufung auf das Umfeld von Etihad schrieb.

Konkret will Lufthansa offenbar die Air-Berlin-Strecken übernehmen, die nicht über Düsseldorf oder Berlin führen. Zudem soll der M&A-Deal rund 40 Flugzeuge samt Besatzung umfassen. Air Berlin blieben dann noch etwa 100 Flugzeuge auf den Hauptstrecken über die beiden Drehkreuze Düsseldorf und Berlin.

Insolvenzverwalter will Unister komplett verkaufen

Die insolvente Internetholding Unister, die Reiseportale wie ab-in-den-Urlaub.de und Fluege.de betreibt, sucht einen Investor. Insolvenzverwalter Lucas Flöther habe Interessenbekundungen von einer hohen zweistelligen Zahl möglicher Investoren erhalten, schreibt die „Wirtschaftswoche“. Sein Ziel ist dabei ein Komplettverkauf des Unternehmens, allerdings seien andere Lösungen nicht ausgeschlossen.

Unister hatte nach dem Tod von Gründer Thomas Wagner Insolvenz angemeldet. Auch das Tochterunternehmen Urlaubstours folgte kurz darauf.

Hapag-Lloyd kommt bei Zusammenschluss mit UASC voran

Die Reederei Hapag-Lloyd und der Wettbewerber United Arab Shipping Company (UASC) haben den Vertrag über ihre Fusion unterzeichnet. Durch den Zusammenschluss wird das Unternehmen zur fünftgrößten Container-Reederei der Welt. Bei dem Deal wird die chilenische Compañia Sud Americana de Vapores als Hauptaktionärin von Hapag-Lloyd durch die Kanzlei Linklaters unter Federführung von Wolfgang Sturm beraten. Hapag-Lloyd hatte die Wirtschaftskanzlei Freshfields Bruckhaus Deringer als Berater mandatiert, während UASC durch White & Case unter Leitung von Roger Kiem und Michiel Visser begleitet wurde.

Überschattet wird der M&A-Deal von einer Gewinnwarnung des Konzerns. Hapag-Lloyd hat einen „deutlich sinkenden“ Gewinn vor Zinsen und Steuern angekündigt. Grund seien schlechte Frachtraten.

Aixtron hat M&A-Angebot aus China

Der Chipanlagenbauer Aixtron hat ein offizielles Übernahmeangebot von dem chinesischen Investmentfonds Fujian Grand Chip Investment (FGC) erhalten. Die Chinesen bieten über die Tochter Grand Chip Investment (GCI) rund 676 Millionen Euro. Nun muss die Bafin den M&A-Deal genehmigen, bevor die Aixtron-Aktionäre über die Offerte entscheiden. Der Deal könnte für Aixtron einen Weg aus dem Defizit bieten, indem das Unternehmen in den chinesischen Markt einsteigen kann und frisches Kapital erhält.

Chinesen halten knapp 86 Prozent an Kuka

Der chinesische Hausgerätehersteller Midea war mit der Kuka-Übernahme erfolgreich. Die Aktionäre haben Midea 85,69 Prozent der Anteile angedient. Dafür hatte Midea 115 Euro je Aktie gezahlt. Der Konzern hat allerdings zugesagt, Kuka nicht von der Börse zu nehmen. Zumindest bis Ende 2023 soll der Roboterbauer als unabhängiges Unternehmen agieren können. Die übrigen Aktionäre können ihre Anteile noch bis zum 3. August andienen.

M&A-Personalien

Berthold Fürst ist neuer Co-Chef des Corporate-Finance-Geschäfts der Deutschen Bank in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Er wird den Bereich gemeinsam mit Patrick Frowein leiten. Fürst ist seit über zwanzig Jahren bei der Deutschen Bank. Der 50-Jährige war zuletzt Co-Leiter für den M&A-Bereich in der Region EMEA. Davor war er für das M&A-Geschäft in der DACH-Region verantwortlich. Thomas Piquemal wird seine aktuelle Position als Leiter M&A global behalten und zusätzlich die Verantwortung für das europäische M&A-Geschäft der Deutschen Bank übernehmen. James Arculus wird Leiter M&A in Großbritannien und Carsten Laux wird Leiter des deutschen M&A-Teams.

Baker & McKenzie holt mit Thomas Dörmer und Tim Heitling zum 1. August zwei neue Partner in die Berliner Niederlassung. Beide wechseln von Taylor Wessing und bringen ihr Team mit. Sie sollen die Energiewirtschaftspraxis von Baker & McKenzie verstärken. 

Weitere M&A-Deals

Die M&A-Beratung Clairfield will sich von einem Verbund mit 23 Ländergesellschaften zu einer international tätigen Einheit entwickeln. Zunächst will der Verbund unter einer einheitlichen Marke auftreten. Langfristig will Clairfield seine Mitglieder voll integrieren. Dies soll in den nächsten zwei bis drei Jahren geschehen. Die genaue Struktur des Unternehmens steht jedoch noch nicht fest.

Die katarische Herrscherfamilie Al-Thani hat ihre Beteiligung an der Deutschen Bank über zwei Investmentvehikel auf knapp 10 Prozent ausgebaut. Die Familie ist seit rund zwei Jahren an dem Geldhaus beteiligt. In diesem Zuge soll nun auch Wirtschaftsanwalt Stefan Simon Mitglied des Aufsichtsrats der Bank werden.

Der Versicherungskonzern Allianz zieht M&A-Deals mit einem Gesamtvolumen von 2,5 bis 3 Milliarden Euro in Betracht. Die Allianz wolle hauptsächlich in Spanien und Frankreich zukaufen, sagte Finanzchef Dieter Wemmer gegenüber der „Börsen-Zeitung“. Allerdings fehlen ihm zufolge geeignete M&A-Targets auf dem Markt. Sollten sich keinen Gelegenheiten ergeben, will die Allianz mit dem Geld Aktien zurückkaufen.

Patrizia Immobilien kauft ein Immobilienportfolio mit neun Büro- und Geschäftseinheiten für rund 400 Millionen Euro. Verkauft werden die Immobilien von Allianz Real Estate Germany. Patrizia tätigt den Erwerb über seinen Fonds Patrizia Gewerbeinvest Deutschland II. Der Fonds, der 800 Millionen Euro schwer ist, ist damit ausinvestiert. Bei der Transaktion wurde Patrizia durch die Immobilienberatung CBRE begleitet.

Der Dachbaustoffhersteller Braas Monier übernimmt das niederländische Unternehmen Ontop, das Edelstahlprodukte für Schornsteine herstellt. Der Unternehmenswert von Ontop liegt bei 15,2 Millionen Euro einschließlich einer Nettoverschuldung von 3,6 Millionen Euro. Die Bewertung berücksichtigt auch Kosten von rund 1 Million Euro im Zusammenhang mit dem M&A-Deal. Die Transaktion soll in den kommenden Wochen abgeschlossen werden.

Langsam aber sicher kommt die Deutsche Börse der ersehnten Fusion mit der London Stock Exchange (LSE) näher. Wie Reuters berichtete, hatten bis Mitte der Woche 55,5 Prozent der Deutsche-Börse-Aktionäre dem Zusammenschluss zugestimmt. Eine Woche zuvor lag die Annahmequote bei 53 Prozent. Damit die Fusion über die Bühne gehen kann, muss die Schwelle von 60 Prozent erreicht werden. Diese Annahmeschwelle hatte die Börse extra gesenkt, um sicherzugehen, dass auch große Indexfonds ihre Aktien andienen.

Der Medienkonzern ProSieben will größere M&A-Targets ins Visier nehmen, wie „finanzen.ch“ unter Berufung auf die „Süddeutsche Zeitung“ berichtete. Für Investitionen in Digitalunternehmen will der Konzern bis zu einer halben Milliarde Euro investieren. Dabei legt ProSieben Wert auf profitable Unternehmen, um Synergien zu nutzen. Es gebe jedoch nicht viele passende deutsche Übernahmekandidaten.

Der österreichische Öl- und Gaskonzern OMV will 49 Prozent der Anteile an dem Gasnetzbetreiber Gas Connect Austria veräußern. Dies berichtete das „Wirtschaftsblatt.at“, demzufolge es inzwischen noch zwei namhafte Bieter gibt: Den australischen Infrastrukturfonds Macquarie und den slowakischen Gasleitungsbetreiber EU Stream, die zusammen bieten, sowie ein Konsortium aus dem Versicherer Allianz und dem italienischen Netzbetreiber Snam. Dem Bericht zufolge soll der angestrebte Kaufpreis bei etwa 600 Millionen Euro liegen.

Das Molkereiunternehmen Emmi kauft die übrigen Anteile an der Schweizer Mittelland Molkerei. Bislang hielt Emmi 60 Prozent an dem Unternehmen, die restlichen Anteile gehörten der AZM Verwaltungs AG (vormals Aargauer Milchverband). Die Umsätze des Unternehmens belaufen sich auf rund 500 Millionen Schweizer Franken. Die Höhe des Kaufpreises ist nicht bekannt. Einen Anteil von 34 Millionen Schweizer Franken begleicht Emmi jedoch in Aktien.

Der Softwarekonzern SAP hat das norwegische Unternehmen Fedem Technology übernommen. Das Internet-of-Things-Unternehmen wurde von den Gründern und dem Management veräußert. Als Berater hatte SAP Ashurst unter Federführung von Thomas Sacher sowie die norwegische Kanzlei Schjodt unter Leitung von Knut-Smith-Erichsen mandatiert.

Das Immobilienunternehmen Ado Properties kauft für 218 Millionen Euro insgesamt 1.905 Immobilieneinheiten in Berlin, wobei es sich hauptsächlich um Wohnungen handelt. Im Rahmen eines Share Deals übernimmt Ado Properties dabei rund 95 Prozent der Anteile an mehreren deutschen und luxemburgischen Unternehmen. Der M&A-Deal soll Ende August abgeschlossen werden.

Singulus Technologies hat den Preis für die nicht bezogenen neuen Aktien und Schuldverschreibungen festgelegt. Der Preis für die Aktien wurde auf 3,25 Euro festgelegt, die Schuldverschreibungen werden zu 71,25 Prozent des Nominalwerts öffentlich angeboten.

Der PE-Investor Gilde Buyout Partners hat die Losberger Gruppe vom Private-Equity-Haus H.I.G. Capital übernommen. Der Kaufpreis ist nicht bekannt. Die Finanzierung des Deals haben die Raiffeisen Bank International und SEB syndiziert, die dabei durch die Wirtschaftskanzlei Clifford Chance unter Federführung von Thomas Weitkamp beraten wurden. Die Wettbewerbsbehörden müssen der Transaktion noch zustimmen.

Der PE-Investor H.I.G. Capital verkauft die Zmarta Gruppe, einen Anbieter von Finanzdienstleistungen, an die Bauer Media Group. Vor dem Abschluss der Transaktion müssen noch bestimmte Bedingungen erfüllt werden. Unter anderem muss die schwedische Finanzaufsicht zustimmen. Das Closing wird für September oder Oktober erwartet. Beraten wurde die Verkäuferseite durch William Blair International.

Das Immobilienunternehmen Adler Real Estate hat sich über sein Tochterunternehmen MountainPeak Trading eine Call-Option auf bis zu 6 Millionen weitere Aktien von Conwert Immobilien Invest gesichert. Darüber kann Adler in den kommenden zwei Monaten Anteile zum aktuellen Börsenkurs erwerben. So könnte Adler seine Beteiligung auf 27,7 bis 28,7 Prozent ausbauen.
 
Der Handels- und Dienstleistungskonzern BayWa hat die verbliebenen 51 Prozent an dem niederländischen Landtechnikunternehmen Agrimec erworben und ist somit Alleineigentümer. Der Deal umfasst auch das Tochterunternehmen Abemec. Verkäufer der Anteile ist die Royal Agrifirm Group. Als Berater war die Kanzlei Linklaters unter Leitung von Florian Harder für BayWa tätig.

Der Kranhersteller Konecranes will sein deutsches Tochterunternehmen Stahl Cranesystems veräußern. Mit dem Verkauf will der finnische Konzern die EU-Kartellbehörden zufriedenstellen. Diese hatten Bedenken gegen die Übernahme von Teilen des US-Kranherstellers Terex durch Konecranes geäußert. Der geplante Deal mit Terex ist 1,13 Milliarden Euro schwer.

Der PE-Fonds Lindsay Goldberg kauft über das Tochterunternehmen Lindsay Goldberg Vogel die österreichische Schur Flexibles Group, einen Hersteller flexibler Verpackungen. Verkäufer ist das PE-Haus Capiton. Der Umsatz des Unternehmens belief sich im vergangenen Geschäftsjahr auf rund 370 Millionen Euro. Als Berater war MP Corporate Finance für Capiton tätig.

Chorus Clean Energy, ein Betreiber von Solar- und Windenergieanlagen, hat Prime Renewables erworben. Mit dem M&A-Deal baut Chorus Clean Energy sein Portfolio an Energieanlagen um mehr als 86 Megawatt auf über 485 Megawatt aus. Der Kaufpreis ist nicht bekannt.

Der Steadfast Capital Fund II hat sich an Stanz- und Lasertechnik Jessen beteiligt. Bislang gehörte das Unternehmen Fonds, die von Orlando Management beraten werden. Die Transaktion erfolgte im Rahmen eines Management Buy-Outs. Der französische Finanzinvestor Idinvest Partners hat Steadfast eine Unitranche-Finanzierung bereitgestellt. Die Verkäuferseite wurde durch ein Team von Imap unter Leitung von Karl Fresenmeyer beraten. Für Steadfast Capital war Rödl & Partner unter Federführung von Jochen Reis tätig. Idinvest Partners hatte die Kanzlei Luther unter Leitung von Christoph Schauenburg als Berater mandatiert.

Der PE-Investor Aurelius übernimmt The Hospital Group, einen britischen Anbieter von chirurgischen und nicht-chirurgischen Eingriffen. Das Unternehmen erzielte im vergangenen Geschäftsjahr Umsätze in Höhe von rund 40 Millionen Euro.

julia.schmitt[at]finance-magazin.de

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