Die Bayer-Sparte Animal Health entwickelt Tiermedizin. Nun gehört sie zum Portfolio des US-Wettbewerbers Elanco.

Bayer AG

23.08.19
Deals

M&A-Deals: Bayer, Osram, RWE

Bayer sammelt 7,6 Milliarden Dollar ein, die Finanzinvestoren Bain und Carlyle geraten im Osram-Übernahmepoker in Zugzwang, und RWE nimmt die nächste Hürde für den geplanten E.on-Innogy-Deal: Die spannendsten M&A-Deals der Woche in unserem FINANCE-Rückblick.

Bayer sammelt 7,6 Milliarden für Tiermedizin-Sparte ein

Bayer verkauft seine Tierarzneisparte für 7,6 Milliarden Dollar (umgerechnet 6,9 Milliarden Euro) an den US-Wettbewerber Elanco. Mit der Transaktion, die noch der Zustimmung der Kartellbehörden bedarf, kann der Agrarchemie- und Pharmakonzern seinen umfangreichen Portfolioumbau abschließen. Mit den Einnahmen aus den im November angekündigten Teilverkäufen können die Leverkusener einen Teil ihres Schuldenbergs abbauen, der auch durch die Übernahme des US-Saatgutherstellers Monsanto entstanden ist.

Gemessen am operativen Gewinn (Ebitda) der Bayer-Tierarzneisparte bewerten die Amerikaner die Sparte mit dem 18,8-fachen Ebitda. Bayer Animal Health erwirtschaftete im abgelaufenen Geschäftsjahr 358 Millionen Euro. Wie die Leverkusener mitteilten, bezahlt Elanco 5,3 Milliarden Dollar des Kaufpreises in bar und weitere 2,3 Milliarden Dollar in eigenen Aktien. Diese will Bayer dann „zu gegebener Zeit“ verkaufen – erwischt der Dax-Konzern daher einen günstigen Verkaufszeitpunkt, könnte er noch mehr Geld einsammeln. Zusammen mit den Erlösen aus dem Verkauf des 60-prozentigen Anteils am Chemieparkbetreiber Currenta, der Sonnenschutzmarke Coppertone sowie der Fußpflegemarke Dr. Scholl’s erhält Bayer etwa 9 Milliarden Euro.

Die Leverkusener wurden bei der Transaktion von der Bank of America Merrill Lynch und der Credit Suisse in finanziellen Fragen beraten. Rechtlich wurde Bayer von Sullivan & Cromwell, PwC Legal (Federführung: Frederic Mirza Khanian und Simon Dürr) und Linklaters unterstützt. Elanco wurde von Hengeler Mueller (Federführung: Christian Möller und Maximilian Schiessl) sowie von Paul, Weiss, Rifkind, Wharton & Garrison (Federführung: Tarun Stewart) begleitet.

Osram-Übernahme geht in den nächsten Akt

Es geht weiter im Osram-Übernahmeduell: Nachdem es zu Beginn der Woche hieß, die Finanzinvestoren Bain und Carlyle könnten ihr Übernahmeangebot von 35 Euro je Osram-Aktie erhöhen, hob Osram nur wenig später das Stillhalteabkommen mit AMS auf. Damit ist der Weg für die Österreicher frei: Sie können mit ihrem Angebot von 38,50 Euro pro Anteilsschein des Lichtkonzerns in den formalen Bieterwettstreit treten.

Die Mindestannahmeschwelle hat AMS bei 70 Prozent festgelegt – wie auch die beiden Private-Equity-Häuser. Ihre Offerte liegt allerdings 300 Millionen Euro niedriger als das Gebot des österreichischen Halbleiterunternehmens. Nun liegt ordentlich Druck auf Bain und Carlyle: Sollte AMS die Freigabe des Angebots vor dem 4. September erhalten, könnten alle Aktionäre, die ihre Papiere schon den Finanzinvestoren angedient haben, ins Lager der Österreicher wechseln. Dann würde sich aber auch die Annahmefrist für das PE-Angebot automatisch zum Ende der AMS-Offerte verlängern. Diese Frist endet aller Voraussicht nach Ende September oder Anfang Oktober.

RWE übernimmt Innogy-Anteil an slowakischer VSE

RWE nimmt die nächste Hürde beim geplanten E.on-Innogy-Deal: Der Energiekonzern übernimmt von Innogy den 49-prozentigen Anteil an der slowakischen Holding VSE. Die Tochtergesellschaften der Holding mit Sitz in Kosice vertreiben und versorgen mit Strom. Geplant sei, dass E.on die VSE-Beteiligung im kommenden Jahr von RWE übernimmt. Zum Kaufpreis haben die Unternehmen Stillschweigen vereinbart.

Im Zuge der Transaktion gab Innogy zudem bekannt, die Prognose für das laufende Geschäftsjahr nach unten anpassen zu müssen: Die Essener erwarten nunmehr einen operativen Gewinn (Ebit) von 2,2 Milliarden Euro, zuvor rechnete das Unternehmen mit 2,3 Milliarden Euro.

Innogy wurde bei der Transaktion von der Kanzlei Hengeler Mueller (Federführung: Thomas Meurer, Martin Ulbrich und Andreas Austmann) beraten.

Weitere Meldungen

ThyssenKrupp befindet sich offenbar in Übernahmegesprächen mit Klöckner & Co: Dem „Handelsblatt“ zufolge würde ein Zusammenschluss beider Unternehmen den größten Werkstoffhändler in Europa und Nordamerika schaffen, mit jährlichen Synergien in Höhe von mehr als 100 Millionen Euro. Allerdings fände ein möglicher Deal in einem herausfordernden Umfeld statt: Die Übernahme, die mindestens 1,5 Milliarden Euro kosten könnte, könnte ThyssenKrupp voraussichtlich nicht alleine finanzieren. Ein Verkauf der Aufzugssparte könnte allerdings die benötigten Mittel heranziehen. Zudem ist offen, ob Klöckners Großaktionär, der Unternehmer Friedhelm Loh, einem Verkauf zustimmen würde.

Die DBAG übernimmt die Mehrheit der Anteile an Cartonplast von Stirling Square. Wie hoch der Anteil ist, den die Private-Equity-Gesellschaft von dem Londoner Finanzinvestor kauft, gab die DBAG nicht bekannt. Mit der Transaktion hält die DBAG aber nunmehr 17 Prozent der Anteile an Cartonplast. Im Rahmen des Management-Buy-outs investiert die DBAG 26 Millionen Euro in den Hersteller von wiederverwendbaren Kunststoffprodukten. Das Cartonplast-Management bleibt bei dem Deal rückbeteiligt. Den Abschluss der Transaktion, die noch unter dem Vorbehalt der kartellrechtlichen Zustimmung steht, erwartet die DBAG „nicht vor Oktober 2019“. Über den Kaufpreis haben die Unternehmen Stillschweigen vereinbart.

Miba und Zollern dürfen fusionieren: Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier erlaubt den Zusammenschluss des österreichischen Autoteileproduzenten mit dem baden-württembergischen Metallverarbeiter. Im Januar hatte das Bundeskartellamt die Fusion der beiden Mittelständler verboten. Eine solche Ministererlaubnis sei eine Ausnahme, jedoch „bedeutsam zur Erreichung der Energiewende und damit verbunden zur Erreichung umweltpolitischer Ziele“, begründete Altmaier den Schritt. Die Erlaubnis ist allerdings an weitere Nebenbestimmungen – wie an eine Investitionsauflage – geknüpft.

Flixbus kauft in der Türkei zu: Das Fernbusunternehmen übernimmt den größten türkischen Buslinienanbieter Kamil Koc von der türkischen Private-Equity-Gesellschaft Actera. Wie die Münchener mitteilten, wird die Vereinbarung nach der Genehmigung durch die zuständigen Behörden voraussichtlich in den nächsten Wochen in Kraft treten. Kamil Koc soll dann schrittweise in das bestehende Flixbus-Netzwerk integriert werden. Finanzielle Transaktionsdetails wurden nicht genannt. Um die weitere Expansion voranzutreiben, hat Flixbus in einer Finanzierungsrunde jüngst rund 500 Millionen Euro eingesammelt.

Encavis übernimmt 30 Prozent an der italienischen Stern Energy: Der im SDax notierte Solar- und Windparkbetreiber will mit der Minderheitsbeteiligung an dem langjährigen Geschäftspartner das Europa-Geschäft mit technischen Solardienstleistungen stärken. Stern Energy war bereits für den technischen Betrieb eines Großteils des italienischen und britischen Encavis-Portfolios zuständig. Nun sollen die Aktivitäten in den Bereichen Operation und Management (O&M) auf das gesamte Encavis-Portfolio ausgedehnt werden. Mit dem Deal wollen die Hamburger Skaleneffekte heben, neue Kunden gewinnen und von einem Wissenstransfer profitieren.

Elliott hat die 5-Prozent-Schwelle bei Scout24 überschritten: Wie aus einer Kapitalmarktmitteilung hervor geht, hält der Hedgefonds des aktivistischen Investors Paul Singer nun 5,07 Prozent an der Online-Plattform. Erst kürzlich hatte Elliott den Druck auf Scout24 erhöht und eine Abspaltung der Autoplattform Autoscout24 gefordert.

Emeram beteiligt sich an Init, einem Berliner Projektdienstleister im Bereich digitale Transformation. Über den Kaufpreis und die Höhe des Anteils wurden keine Angaben gemacht. Init-Gründer und CEO Dirk Stocksmeier bleibt weiterhin als „wesentlicher Anteilseigner“ am Unternehmen beteiligt. Der Debt Fonds Permira fungiert bei der Transaktion als Emerams Kreditgeber. Emeram wurde von Noerr (Legal & Tax, Federführung: Christoph Thiermann und Georg Schneider), PwC (Financial), Strategy& (Commercial), Quarton (Debt Advisory) und Willis (Insurance) beraten. Die Berliner wurden von Drake Star Partners (Exclusive Financial Advisor) und Taylor Wessing (Legal, Federführung: Norman Röchert) unterstützt.

Die Private-Equity-Gesellschaft Triton investiert in den Hamburger Etikettenhersteller All4labels. Die Höhe der Beteiligung, die Triton von der Beteiligungsgesellschaft Genui übernimmt, ist nicht bekannt. Das Management und die Eigentümerfamilien des Hamburger Unternehmens bleiben bei dem Buy-out rückbeteiligt. Bei der Transaktion wurden das All4labels-Management sowie die Gesellschafter von der Wirtschaftskanzlei Hogan Lovells (Federführung: Matthias Jaletzke) rechtlich beraten. Triton wurde bei dem Kauf von der Wirtschaftskanzlei Latham & Watkins (Federführung: Oliver Felsenstein und Leif Schrader) unterstützt.

VR Equitypartner steigt bei Megabad ein: Die Frankfurter Beteiligungsgesellschaft beteiligt sich an dem Sanitärhändler, der Teil der Kölner Gottfried-Stiller-Gruppe ist. Die Transaktion soll nach der behördlichen Genehmigung voraussichtlich noch im dritten Quartal 2019 abgeschlossen werden. Zu den finanziellen Details machen die Unternehmen keine Angaben. Die Gesellschafter der Gottfried-Stiller-Gruppe wurden bei der Transaktion von der Corporate Finance Mittelstandsberatung unterstützt und in steuerlichen und rechtlichen Angelegenheiten von der Anwaltskanzlei Baker McKenzie (Federführung: Heiko Gotsche) beraten.

Die Aachener Beteiligungsgesellschaft S-UBG steigt bei Cyrus Technology ein, einem Aachener Entwickler und Hersteller von Outdoor-Telefonen. Zur Höhe der Beteiligung sowie dem Kaufpreis wurden keine Angaben gemacht. Cyrus Technology wurde 2013 gegründet und hat einen Produktionsstandort in China sowie Geschäftssitze in den USA und Südamerika.

Bree kann aufatmen: Wie Insolvenzverwalter Stefan Denkhaus mitteilte, steigt ein anonymer strategischer Investor als Gesellschafter bei dem insolventen Taschenhersteller ein. Der Insolvenzplan sieht vor, dass nicht alle Filialen und Arbeitsplätze erhalten werden können, so der Sanierer Denkhaus. Der Insolvenzplan bedürfe aber noch der Zustimmung der Gläubigerversammlung, und auch die Kartellbehörden müssten grünes Licht geben.

IT-Informatik bekommt einen neuen Eigentümer: Das insolvente Ulmer IT-Unternehmen wird rückwirkend zum 1. August von seinem Wettbewerber Datagroup übernommen. Der Deal umfasst dabei auch die Übernahme der beiden Tochterunternehmen Mercoline in Berlin und IT-Informatik Digitalización Industrial 4.0 in Barcelona. Über den Kaufpreis haben die Parteien Stillschweigen vereinbart. Insgesamt konnten mit Unterstützung des Sanierungsexperten Martin Mucha von der Stuttgarter Kanzlei Grub Brugger und Pluta Rechtsanwälte drei Viertel der Arbeitsplätze gesichert werden. IT-Informatik hatte vor drei Monaten den Antrag auf Eröffnung eines Sanierungsverfahrens in Eigenverwaltung gestellt. Die darauffolgende Investorensuche und den Verkauf begleitete Ebner Stolz.

Das Londoner Cannabisunternehmen Wundr erwirbt Iuvo Therapeutics, ein deutsches Vertriebsunternehmen für medizinisches Cannabis. Der Kaufpreis ist nicht bekannt. Iuvo Therapeutics wurde 2017 gegründet und hat seinen Sitz in Neuss. Die Rechtsanwaltskanzlei DLA Piper (Federführung: Gerald Schumann und Christoph Dachner) hat Wundr bei der Transaktion unterstützt.

olivia.harder[at]finance-magazin.de

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