Bayer ächzt zwar unter dem nächsten Glyphosat-Urteil, kommt aber auch bei seiner Portfoliobereinigung voran.

Bayer

17.05.19
Deals

M&A-Deals: Bayer, Scout24, Fresenius

Bayer kommt bei der Portfoliobereinigung voran, die milliardenschwere Übernahme von Scout24 ist gescheitert und Fresenius will seine Bluttransfusionssparte verkaufen – diese und andere M&A-Deals finden Sie in unserem FINANCE-Wochenrückblick.

Bayer treibt Teilverkäufe voran

Bayer macht Fortschritte bei der Portfoliobereinigung: Der Dax-Konzern verkauft seine Sonnenschutzmarke Coppertone für 550 Millionen US-Dollar an den Nivea-Hersteller Beiersdorf. Wie die Unternehmen bekannt gaben, soll die Transaktion im dritten Quartal dieses Jahres abgeschlossen werden. Beraten wurde Bayer von den beiden US-Investmentbanken Sawaya und Citi (Finanzen) sowie Covington & Burling (Recht). Beiersdorf wurde sowohl von der Credit Suisse und Perella Weinberg (Finanzen) als auch von Freshfields Bruckhaus Deringer (Recht) unterstützt.

Auch bei der Bayer-Beteiligung Currenta gibt es Neuigkeiten: Einem Bericht des „Handelsblatts“ zufolge könnte der Chemieparkbetreiber schon in den nächsten Wochen den Besitzer wechseln. Die Private-Equity-Investoren EQT und Macquarie würden sich ein Kopf-an-Kopf-Rennen um den 60-prozentigen Anteil der Leverkusener liefern. Der Deal soll dem Bericht zufolge ein Volumen von mehr als 1 Milliarde Euro haben.

Zudem trifft Bayer eine Entscheidung für sein Tiermedizingeschäft: Dem Bericht des „Handelsblatts“ zufolge wollen sich die Leverkusener von ihrer Sparte Animal Health trennen. Als mögliche Interessenten würden die Finanzinvestoren CVC, KKR, Blackstone, EQT, Bain und Cinven gehandelt. Der Verkauf könnte dem Bericht zufolge zwischen 6 und 7 Milliarden Euro in Bayers Kassen spülen.

Scout24-Übernahme durch PE-Häuser geplatzt

Die beiden Private-Equity-Investoren Hellman & Friedman und Blackstone sind bei der Übernahme von Scout24 gescheitert. Wie der Internetportalbetreiber am vergangenen Dienstag mitteilte, wurde die entscheidende Voraussetzung für den Deal nicht erfüllt: Für die Mindestannahmeschwelle von 50 Prozent plus einer Aktie fehlten den Finanzinvestoren am Ende 7,2 Prozent.

Die Annahmefrist für das Angebot war bereits am vergangenen Donnerstag abgelaufen. Anfang des Jahres wurde bekannt, dass Hellman & Friedman und Blackstone erneut bei Scout24 einsteigen wollen. Nur wenig später stockten die Private-Equity-Häuser ihre Offerte auf 5,7 Milliarden Euro auf.

Fresenius will Transfusionsgeschäft verkaufen

Der Medizinkonzern Fresenius will sich von seinem Transfusions- und Zelltherapiegeschäft trennen. Wie die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ (F.A.Z.) berichtete, hat der Dax-Konzern die US-Investmentbank Goldman Sachs für einen möglichen Verkauf seiner Bluttransfusionssparte beauftragt. Als mögliche Käufer kämen nicht nur Strategen in Frage, sondern auch Private-Equity-Investoren.

Fresenius hatte sein Transfusionsgeschäft im Jahr 2012 um den amerikanischen Transfusionstechniker Fenwal erweitert. Verkäufer waren damals die beiden US-Finanzinvestoren Texas Pacific Group und Maverick, die dafür rund 1,1 Milliarden Dollar einstrichen. Nun soll die gesamte Sparte, in der Fenwal aufgegangen ist, wieder veräußert werden. Welchen Anteil Fenwal an dem Transfusionsgeschäft von Fresenius hat, gab das Unternehmen nicht bekannt.

Nestlé plant Verkauf seiner Hautgesundheitssparte

Nestlé bastelt an seinem nächsten Milliardendeal: Der Lebensmittelriese teilte mit, dass er exklusive Verhandlungen mit dem schwedischen Private-Equity-Investor EQT und dem Staatsfonds von Abu Dhabi (Adia) über den Verkauf seiner Hausgesundheitssparte „Skin Health“ führe.

Die Sparte steht seit über einem halben Jahr zum Verkauf und wird von Nestlé mit rund 10,2 Milliarden Franken bewertet (mehr als 9 Milliarden Euro). Nestlé kündigte an, die Transaktion solle in der zweiten Jahreshälfte abgeschlossen werden.

Emeram verkauft Xovis an Capvis

Der Private-Equity-Investor Emeram verkauft den 3D-Sensor-Hersteller Xovis an den Finanzinvestor Capvis. Das gaben beide Häuser bekannt, ohne Details zu der Transaktion zu nennen. Die Technologie von Xovis wird vor allem an Flughäfen und Bahnhöfen im Bereich der Durchlassoptimierung eingesetzt und ist beim Umsatz unter der Emeram-Führung seit dessen Einstieg im August 2016 um 40 Prozent gewachsen, wie Emeram-Gründer Christian Näther vor rund einem Monat im Interview mit FINANCE verriet. Emeram wurde bei dem Verkauf von GCA Altium beraten. 

Emeram hatte zuletzt seinen 350 Millionen Euro schweren Debüt-Fonds um 50 Millionen Euro aufgestockt. Vor dem nächsten Fundraising kündigte Näther man, man wolle davor noch zwei bis drei Exits realisieren. Neben Xovis wurden im Markt vor allem das Software-Unternehmen Matrix42 und die Agentur Diva-e als mögliche Verkaufskandidaten gehandelt. 

Weitere Meldungen

Die Start-up-Schmiede Rocket Internet steigt komplett bei dem Kochboxen-Lieferdienst Hello Fresh aus und hat seine verbliebene Beteiligung von knapp 29 Prozent bei institutionellen Investoren platziert. Bei 43,7 Millionen Aktien, die zu je 8 Euro gehandelt wurden, entspricht dies einem Gesamterlös von knapp 350 Millionen Euro. Schon im Januar verringerte der Investor seinen Hello-Fresh-Anteil von 48 Prozent auf unter 30 Prozent. Die Privatbank Berenberg begleitete die aktuelle Transaktion.

Die Wirtschaftsprüfungs- und Steuerberatungsgesellschaft BDO übernimmt die Mehrheit der Anteile an Dr. Daibler & Partner. Die mittelständische Beratungsgesellschaft wird ab dem 1. Juli Teil von BDO. Bislang gehörte das auf Wirtschaftsprüfung, betriebswirtschaftliche Beratung und Steuerberatung fokussierte Haus zur HLB-Gruppe, einem internationalen WP-Netzwerk. Wie viel DBO für die Gesellschaft bezahlt hat, ist nicht bekannt.

Der Private-Equity-Investor Ardian hat sich im Bieterverfahren um die auf Private Equity-Buyouts spezialisierte Investmentgesellschaft SwanCap durchgesetzt. Verkäufer der Anteile sind die Unicredit sowie die Beteiligungsgesellschaft des SwanCap-Managements. Wie hoch die Beteiligung ist, ist nicht bekannt. Die Beteiligungsgesellschaft des SwanCap-Managements behält allerdings einen Minderheitsanteil und die Kontrollfunktion über SwanCap. Transaktionsdetails wurden nicht genannt. Die Kanzlei P+P Pöllath + Partners (Federführung: Dr. Eva Nase) hat SwanCap in transaktionalen und fondsrechtlichen Fragen beraten.

ZF Friedrichshafen übernimmt 90 Prozent des Softwareentwicklers Simi Reality Motion Systems. Transaktionsdetails sind nicht bekannt. Rechtlich beraten wurde ZF bei der Transaktion von der Kanzlei Gütt Olk Feldhaus (Federführung: Dr. Sebastian Olk). Simi Reality Motion Systems wurde von der Kanzlei GvW Graf von Westphalen (Federführung: Titus Walek) beraten.

Das Wohnungsunternehmen Vonovia übt seine Kaufoptionen an Victoria Park aus und erhöht damit seinen Anteil am schwedischen Wettbewerber um 10 Prozent. Damit hält der Konzern nun 91,4 Prozent der Anteile an den Schweden. Vonovia teilte mit, im Anschluss die übrigen Aktionäre mittels eines Squeeze-outs herauskaufen und Victoria Park von der Börse zu nehmen zu wollen. Der Kaufpreis ist nicht bekannt, Schätzungen des „Handelsblatts“ zufolge könnte er bei 90 Millionen Euro liegen.

Der chinesische Mischkonzern HNA trennt sich von der Investmentgesellschaft C-Quadrat: Mehrheitseigner werden C-Quadrat-Gründer Alexander Schütz und Vorstandsmitglied Cristobal Mendez de Vigo, die mit ihren Anteilen wieder die Kontrolle über den Asset Manager haben. Das in Hong Kong ansässige Investmenthaus Jebsen Group erwirbt einen Minderheitsanteil. Transaktionsdetails nannten die Unternehmen nicht.

Der Softwareanbieter CMH Group übernimmt die beiden französischen Wettbewerber Safelogy und MLSA. Die bisherigen Eigentümer der Franzosen, Emmanuel Gaucher und Cyril Portalez, bringen ihre Anteile in die CMH Group ein und werden Minderheitsgesellschafter. Über den Kaufpreis wurde Stillschweigen vereinbart. Hinter CMH steht der Private-Equity-Investor Silver Investment.

Das Pflegemittelversandhaus Commitmed kauft den Senioren-E-Commerce-Anbieter Prosenio. Transaktionsdetails wurden nicht genannt. Commitmed wurde bei der Transaktion von der Kanzlei P+P Pöllath + Partners (Federführung: Christian Tönies) beraten.

Die RWE-Tochter Innogy baut ihre Beteiligung am Bielefelder Energiedienstleister Greenergetic aus: Der Energiekonzern übernimmt die restlichen Anteile der Finanzinvestoren eCapital, Gründerfonds Bielefeld Ostwestfalen und Howaldt Energies sowie vom Greenergetic-Gründer Florian Meyer-Delpho. Über den Kaufpreis wurde Stillschweigen vereinbart.

Der Baustoffkonzern Heidelberg Cement verkauft seinen 51-prozentigen Anteil der Baustoffwerke Dresden an den dänischen Wandbaustoffhersteller H+H International. Transaktionsdetails sind nicht bekannt. Bereits im vergangenen Jahr hatte H+H International das deutsche und schweizerische Kalksandsteingeschäft von Heidelberg Cement übernommen. Bei der Transaktion wurden die Dänen von der Wirtschaftskanzlei Noerr (Federführung: Holger Ebersberger, Barbara Kusak) unterstützt.

Die 4,3 Milliarden Euro schwere Übernahme des US-Gentherapieunternehmens Spark Therapeutics durch den Schweizer Pharmakonzern Roche verzögert sich zum dritten Mal: Wie die Baseler mitteilten, können die Spark-Anleger nun bis zum 14. Juni die Offerte annehmen. Der Grund hierfür sei, dass die US-Behörden noch mehr Zeit für die Prüfung der Transaktion benötigten. Zuletzt war die Angebotsfrist auf den 3. Juni festgelegt. Bislang haben die Schweizer Zusagen für 21 Prozent der Spark-Aktien erhalten.

Die Beteiligungsgesellschaft Marondo steigt bei dem Freiburger Online-Shop Oxid eSales ein: Die Münchener kaufen die Anteile von den LBBW-Töchtern LBBW Venture Capital und Süd Beteiligungen (SüdBG), der Mittelständischen Beteiligungsgesellschaft Baden-Württemberg (MBG) und der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW). Zudem baut Oxid-Mitgründer und CEO Roland Fesenmayr seine bestehende Beteiligung aus. Damit wird er nach Marondo zum zweitgrößten Oxid-Aktionär. Zum Kaufpreis und der Höhe der Beteiligung wurden keine Angaben gemacht. King & Wood Mallesons (KWM) hat SüdBG beim Verkauf beraten.

Die Münchener Beteiligungsgesellschaft Arcus Capital beteiligt sich mehrheitlich an dem Online-Kartenanbieter Sendmoments. Finanziert wurde der Deal von der Deutschen Bank (Senior-Finanzierung) und der Bayerischen Beteiligungsgesellschaft (Mezzanine-Finanzierung). Die Parteien haben über den Kaufpreis sowie die Höhe der Finanzierung Stillschweigen vereinbart. Arcus wurde bei der Finanzierung von der Wirtschaftskanzlei Gütt Olk Feldhaus (rechtliche Berater: Tilmann Gütt und Christopher Ghabel) begleitet.

Der private Betreiber von Seniorenwohn- und Pflegeeinrichtungen Alloheim kauft den Seniorenzentrum-Betreiber Pro Talis. Zum Kaufpreis wurden keine Angaben gemacht. Die Wirtschaftskanzlei Arqis (Federführung: Jörn-Christian Schulze) hat Alloheim bei der Transaktion beraten. Hinter Alloheim steht der Private-Equity-Investor Nordic Capital.

olivia.harder[at]finance-magazin.de

Die wichtigsten Transaktionen der vergangenen Wochen finden Sie im Überblick auf unserer Themenseite M&A-Deals.