Die Rettung für Condor kommt aus Polen.

Condor

31.01.20
Deals

M&A-Deals: Condor, ThyssenKrupp, Comdirect

Ein polnischer Bieter bekommt den Zuschlag für Condor, Kone macht ernst bei ThyssenKrupp und die Commerzbank zahlt einen großen Aufschlag für die Comdirect-Anteile von Petrus Advisers. Die spannendsten M&A-Deals der Woche finden Sie in unserem FINANCE-Rückblick.

Käufer für Condor steht fest

Aufatmen bei Condor: Der deutsche Ferienflieger wird von der polnischen Staatsfluglinie LOT übernommen, hinter der die Dachgesellschaft Polska Grupa Lotnicza (PGL) steht. Damit konnten sich die Polen im Bieterrennen gegen die Finanzinvestoren Greybull und Apollo durchsetzen, die ebenfalls an Condor interessiert waren. Der Kaufpreis ist nicht bekannt – Medienberichten zufolge könnte er bei rund 250 Millionen Euro liegen. Der Deal soll schon im April abgeschlossen werden, unterliegt jedoch noch den kartellrechtlichen Freigaben.

Danach kann Condor auch aus dem Schutzschirmverfahren austreten, in das sich die Frankfurter begeben hatten, um nicht zusammen mit dem früheren britischen Mutterkonzern Thomas Cook unterzugehen. Condor konnte sich zuletzt nur mit Hilfe eines staatlichen Überbrückungskredits in Höhe von 380 Millionen Euro über Wasser halten. Dieses Darlehen könne im April vollständig zurückgezahlt werden, sagte Condor-Chef Ralf Teckentrup. Die Anwaltssozietät White & Case (Federführung: Matthias Kasch und Stefan Bressler) hat PGL bei der Transaktion beraten.

Comdirect-Übernahme wird für Commerzbank teurer

Die Commerzbank muss für die Comdirect-Übernahme tiefer in die Tasche greifen: Wie aus einer Mitteilung des Bundesanzeigers hervorgeht, bezahlen die Frankfurter rund 171 Millionen Euro für das knapp 8-prozentige Aktienpaket von Petrus Advisers. Der aktivistische Investor erhält 15,15 Euro je Aktie – rund ein Drittel mehr als die Commerzbank den übrigen Comdirect-Aktionären geboten hatte.

Mit dem erworbenen Aktienpaket hat die Commerzbank nun die notwendige 90-Prozent-Schwelle überschritten, die sie für den geplanten Squeeze out benötigt. Im Dezember vergangenen Jahres war das Frankfurter Geldinstitut in einem ersten Versuch bei der Übernahme von Comdirect gescheitert.

Kone macht bei ThyssenKrupp ernst

Der finnische Kone-Konzern macht deutlich, dass er Interesse an der Aufzugsparte von ThyssenKrupp hat. Insidern zufolge soll Kone ein unverbindliches Angebot über 17 Milliarden Euro abgegeben haben, wie die Nachrichtenagentur Bloomberg berichtet. Der Spartenwert wurde bisher eher auf 15 Milliarden Euro geschätzt.

Mit dem Angebot will Kone Bloomberg zufolge die Offerten mehrer Finanzinvestoren ausstechen, die ebenfalls an der Aufzugsparte von ThyssenKrupp interessiert sind. Marktberichten zufolge gibt es auch ein Konsortium um den Investor Brookfield, eine Gruppe um Carlyle und Blackstone sowie eine Bietergemeinschaft bestehend aus der RAG-Stiftung, Advent und Cinven. Kone selbst hat sich mit dem Private-Equity-Investor CVC verbündet.

Traton plan Milliardendeal in den USA

Die börsennotierte VW-Tochter Traton will für 2,9 Milliarden Dollar alle restlichen Anteile an dem US-Konkurrenten Navistar übernehmen. Traton hält bereits 16,8 Prozent an dem Unternehmen, mit dem Traton bereits seit 2017 zusammenarbeitet. 

Die von Traton gebotene Prämie auf den Schlusskurs von Navistar vom 29. Januar beträgt 45 Prozent womit Traton 35 Euro pro Aktie bietet. Doch das könnte womöglich zu wenig sein, denn auf den 90-Tages-volumengewichteten Durchschnittskurs sind es nur 19 Prozent - und einer der größten Navistar-Aktionäre ist der US-Investor Carl Icahn, den es zu überzeugen gilt. 

Unter dem Traton-Dach sind die LKW-Sparten Scania und MAN gebündelt. Der Schwerpunkt der Aktivitäten liegt in Europa und Südamerika. In Nordamerika ist Traton dagegen wenig präsent, weshalb sich das Geschäft mit Navistar gut ergänzen würde.

Weitere Meldungen

Der deutsche Bremsenhersteller Knorr-Bremse übernimmt den US-amerikanischen Lenkungshersteller R.H. Sheppard. Der Kaufpreis liegt den Münchenern zufolge bei rund 150 Millionen US-Dollar. Im Frühjahr 2019 hatte Knorr-Bremse bereits diesen Geschäftsbereich von Hitachi Automotive Systems in Japan erworben.

Die beiden Immobilieninvestoren Aroundtown und TLG kommen ihrer milliardenschweren Fusion ein Stück näher: Wie die Konzerne mitteilten, habe sich Aroundtown 59,4 Prozent an ihrem kleineren Konkurrenten gesichert. Im Rahmen des Aktientauschangebots hatte Aroundtown den TLG-Aktionären je Aktie 3,6 eigene Papiere geboten.

Die Handelsgruppe Schwarz mit den Lebensmittelketten Lidl und Kaufland will ein Eiswerk mit 200 Mitarbeitern der größten deutschen Molkerei DMK übernehmen. Über den Kaufpreis ist nichts bekannt. Schwarz will mit der Übernahme die Produktionskapazitäten von Eiscreme ausbauen.

Die Infrastruktursparte von Siemens kauft den indischen Schaltanlagenspezialisten C&S Electric. Wie der Dax-Konzern mitteilte, bezahlt Siemens für das Unternehmen aus Neu-Dehli rund 267 Millionen Euro. Mit dem Zukauf wolle Siemens der steigenden Nachfrage an Elektrifizierung in Industrie, Infrastruktur und Gebäuden in Indien nachkommen. Der Abschluss der Transaktion benötigt noch die behördlichen Genehmigungen.

Jenoptik kauft in Spanien zu: Wie der Technologiekonzern bekannt gab, übernimmt er das spanische auf Automatisierungslösungen spezialisierte Unternehmen Interob. Der Kaufpreis sei in etwa doppelt so hoch wie der Umsatz für das Geschäftsjahr 2019, der rund 22 Millionen Euro beträgt. Mit dem Abschluss der Transaktion rechnet Jenoptik „in den kommenden Wochen“. Interob mit Sitz in Valladolid wurde 2001 gegründet und beschäftigt 54 Mitarbeiter.

Der US-amerikanische E-Scooter-Verleiher Bird kauft den Berliner Konkurrenten Circ. Das gab Bird am Montag bekannt. Mit dem Deal erweitert das US-Unternehmen sein Europageschäft um über 300 zusätzliche Mitarbeiter. Weitere Transaktionsdetails wurden nicht genannt. Circ wurde von dem Berliner Investor Lukasz Gadowski gegründet und ist in 43 Städten in zwölf Ländern aktiv.

Der digitale Finanzdienstleister Aifinyo übernimmt das Berliner FinTech Decimo, zu dem die Factoring-Plattform Rechnung.de gehört. Durch die Übernahme wollen die Dresdner ihr Angebot im Bereich der Rechnungsstellung ausbauen. Zum Kaufpreis wurden keine Angaben gemacht.

Das Hochtechnologieunternehmen Trumpf Hüttinger kauft HBH Microwave: Mit dem Unternehmen aus Stutensee bei Karlsruhe erweitert Trumpf sein Technologieportfolio um halbleiterbasierte Solid-State-Mikrowellengeneratoren. Einsatz finden diese Generatoren bei industriellen Anwendungen wie Plasmaerzeugung, industriellem Erwärmen, in Kommunikations- oder Radartechnologien. Über den Kaufpreis wurde Stillschweigen vereinbart. Trumpf Hüttinger wurde bei der Transaktion von der Kanzlei Heuking Kühn Lüer Wojtek (Federführung: Hermann Ali Hinderer) unterstützt.

Das Energieunternehmen RDG erwirbt im Zuge eines Asset Deals mehrere Erdölförderbetriebe von dem Gas- und Ölunternehmen Wintershall Dea. Die Fördergebiete liegen überwiegend in Baden-Württemberg, Bayern und Rheinland-Pfalz sowie in Niedersachsen. Finanzielle Details der Transaktion, die noch behördlicher Genehmigungen bedarf, wurden nicht genannt. Der Abschluss des Deals wird im ersten Halbjahr dieses Jahres erwartet. Die Kanzlei Heuking Kühn Lüer Wojtek (Federführung: Katharina Prasuhn) hat RDG begleitet.

Der Investor FCR Immobilien steigt bei Immoware24 ein. Über die Höhe der Beteiligung und den Kaufpreis wurden keine Angaben gemacht. Das Unternehmen aus Halle an der Saale bietet ein Immobilienverwaltungssystem an, das über das Internet genutzt werden kann.

Ernst Koch findet einen neuen Eigentümer: Der insolvente Hersteller von Drahtziehmaschinen wird an den italienischen Wettbewerber Mario Frigerio verkauft. Finanzielle Transaktionsdetails sind nicht bekannt.

philipp.habdank[at]finance-magazin.de

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