Die Deutsche Börse setzt ihre M&A-Pläne aus 2018 um und will durch zwei große Übernahmen wachsen.

Deutsche Börse AG

12.04.19
Deals

M&A-Deals: Deutsche Börse, Merck, Zeiss

Die Deutsche Börse übernimmt mit Hilfe von General Atlantic den US-Konzern Axioma, Merck setzt sich bei Versum durch, und der Optikkonzern Zeiss kauft Gom. Die FINANCE-M&A-Deals der Woche.

Die Deutsche Börse forciert ihre M&A-Strategie

Die Deutsche Börse treibt ihre M&A-Pläne weiter voran: Der Dax-Konzern übernimmt für 850 Millionen US-Dollar das US-Unternehmen Axioma, einen Anbieter von Softwarelösungen für das Portfolio- und Risikomanagement professioneller Anleger. Im Zuge des Deals will die Deutsche Börse den Zukauf mit dem mit 2,6 Milliarden Euro bewerteten eigenen Indexgeschäft in einem Joint Venture zusammenführen. Der Abschluss der Transaktion wird für das dritte Quartal dieses Jahres erwartet.

Der Großteil des Barkaufpreises wird durch den US-amerikanischen Finanzinvestor General Atlantic gedeckt, der sich mit rund 715 Millionen US-Dollar an dem neuen Gemeinschaftsunternehmen beteiligt. Zudem beteiligten sich mehrere Axioma-Manager mit einem Anteil von 100 Millionen Dollar an dem neuen Unternehmen. Somit wird die Deutsche Börse rund 78 Prozent, Genereral Atlantic etwa 19 Prozent und das Axioma-Management rund 3 Prozent der Anteile halten. Die Deutsche Börse wird bei der Transaktion von Hengeler Mueller (Federführung: Daniel Möritz, Hans-Jörg Ziegenhain) beraten. General Atlantic wird von der internationalen Wirtschaftskanzlei Milbank (Federführung: Norbert Rieger und Sebastian Heim) unterstützt.

Nur einen Tag nach der Ankündigung des Axioma-Deals wurden weitere Übernahmepläne der Deutschen Börse bekannt: Das Frankfurter Unternehmen bestätigte, sich „in konkreten Verhandlungen mit der Refinitiv-Gruppe über den möglichen Erwerb einzelner FX Geschäftsbereiche“ zu befinden. Ein Abschluss der Transaktion sei jedoch noch nicht beschlossen, teilte die Deutsche Börse mit.

Merck bekommt Zuschlag für Versum

Merck hat sein Angebot für Versum Materials aufgestockt und sich damit den Zuschlag für die hart umkämpfte Übernahme gesichert. Das Versum-Management hat die mit dem Merck-Angebot konkurrierende Fusionsvereinbarung mit Entegris aufgelöst. Merck zahlt nun 53 US-Dollar je Aktie, 5 Dollar mehr als bei der vorausgegangenen Offerte Ende Februar. Dadurch steigt der Wert des Übernahmeangebots von 5,3 auf 5,8 Milliarden Euro. Zugleich muss Versum aber noch eine vereinbarte Strafgebühr von 140 Millionen Dollar an Entegris zahlen.

Der Übernahmepreis entspricht nach Angaben von Merck dem 13,7-fachen erwarteten Ebitda des laufenden Jahres. Inklusive der geplanten jährlichen Synergien in Höhe von 75 Millionen Euro errechnet Merck ein EV/Ebitda-Multiple von 11,7x. Der Deal soll im zweiten Halbjahr abgeschlossen werden. Den Kaufpreis finanziert Merck mit einer Kreditlinie, die von der Bank of America, BNP Paribas Fortis und der Deutschen Bank zur Verfügung gestellt wird.

Zeiss baut Messtechniksparte mit Gom aus

Der Optikkonzern Zeiss übernimmt das auf industrielle Messtechnik spezialisierte Unternehmen Gom. Der Zukauf dient dem Ausbau der Messtechniksparte von Zeiss. Zum Kaufpreis machten die Beteiligten keine Angaben. Das „Handelsblatt“ berichtet, dass das Dealvolumen in der Branche auf rund 500 Millionen Euro geschätzt werde.

Gom hat seinen Sitz in Braunschweig und setzt eigenen Angaben zufolge 150 Millionen Euro um. Durch den Zukauf steigt der Umsatz von Zeiss-Messtechnik auf 1,7 Milliarden Euro. Zeiss wird bei der Transaktion von der Kanzlei Hengeler Mueller beraten.

Lufthansa stellt LSG Sky Chefs ins Schaufenster

Der Luftfahrtkonzern Deutsche Lufthansa hat den Verkaufsprozess für ihre Tochter für Bordverpflegung LSG Sky Chefs gestartet. LSG könnte entweder als Ganzes oder auch in mehreren Teilen verkauft werden, teilte Lufthansa mit.

Unter den möglichen Kaufinteressenten sollen die Schweizer Gategroup, der Caterer Do & Co aus Österreich sowie der Serviceanbieter Dubai National Air Transport Association sein. Das berichtet die Nachrichtenagentur Reuters unter Berufung auf Branchenkreise. LSG beschäftigt rund 35.500 Mitarbeiter und erwirtschaftete 2018 einen Umsatz von 3,2 Milliarden Euro.

RWE und E.on nehmen Hürde bei Innogy-Deal

Der Energiekonzern RWE hat die Zustimmung der britischen Wettbewerbshüter für die Übernahme von Geschäften seines Wettbewerbers E.on bekommen. Wie die Competition Markets Authority am Montag mitteilte, sei eine vertiefte Prüfung nicht notwendig. Die EU-Kommission hatte die Transaktion, bei der RWE das Ökostromgeschäft von E.on übernehmen sowie sich mit fast 17 Prozent am Konkurrenten beteiligen will, bereits im Februar genehmigt. Der Deal ist Teil der komplexen Aufteilung der RWE-Tochter Innogy.

Trotz der Freigabe aus Großbritannien ist der Milliarden-Deal damit noch nicht in trockenen Tüchern: Im Rahmen der Transaktion soll E.on im Gegenzug das Netz- und Vertriebsgeschäft von Innogy erhalten. Für diesen Teil des Deals haben die europäischen Wettbewerbsbehörden Anfang März eine vertiefte Prüfung eingeleitet. Eine Entscheidung soll in der zweiten Jahreshälfte fallen.

Weitere Meldungen

Der US-Finanzinvestor KKR schlägt erneut im deutschen Medienmarkt zu und übernimmt die Filmproduktionsfirma Wiedemann & Berg. Finanzielle Transaktionsdetails sind nicht bekannt. Der Deal soll im Juni abgeschlossen werden. Mit dem vierten Zukauf innerhalb von zwei Monaten schließt der Private-Equity-Riese die erste Phase seiner Buy-and-Build-Strategie für eine eigene deutsche Medienplattform ab. Vor Wiedemann & Berg hatten die US-Amerikaner die Tele-München-Gruppe, Universum Film und die TV-Produktionsfirma i&u TV übernommen. Bei der jüngsten Transaktion wurde KKR von der Anwaltssozietät Hengeler Mueller beraten. Wiedemann & Berg wurde von SKW Schwarz (Federführung: Stephan Morsch) unterstützt.

In die größte PE-Übernahme in Deutschland kommt Bewegung: Der Vorstand der Online-Plattform Scout24 hat sich öffentlich für das Übernahmeangebot der beiden Private-Equity-Häuser Blackstone und Hellman & Friedman ausgesprochen. In einer Mitteilung gab das Unternehmen bekannt, dass „das Übernahmeangebot im besten Interesse des Unternehmens“ liege. Die beiden US-Finanzinvestoren bieten den Scout24-Aktionären 46 Euro je Aktie in bar. Damit hat der Deal ein Volumen von 5,7 Milliarden Euro und übertrifft die Übernahme von Stada durch Bain und Cinven aus dem Jahr 2017. Der Deal war 5,6 Milliarden Euro schwer.

Die Baader Bank verkauft ihre 30-prozentige Beteiligung an dem omanischen Broker Gulf Baader Capital Markets. Bei wem es sich um den Käufer handelt und wie hoch der Kaufpreis ist, ist nicht bekannt. Der Deal wurde bereits Ende März dieses Jahres abgeschlossen. Die Veräußerung der Anteile diene der Fokussierung auf das Kerngeschäft, teilte die Baader Bank mit.

Der Private-Equity-Investor Odewald KMU kauft den Antriebstechniker AMT Schmid mit Sitz in Sauldorf-Krumbach in Baden-Württemberg. Ein Kaufpreis wurde nicht genannt. AMT Schmid ist ein Anbieter und Partner für Produzenten von Elektromobilen, Elektro-Rollstühlen, Treppenliften und Treppensteigern. Odewald KMU wurde von der Beratungsgesellschaft Ebner Stolz (Federführung: Markus Schmal) begleitet.

Die Vienna Insurance Group will sich offenbar von ihren Anteilen der österreichischen Immobilien-Investmentgesellschaft S Immo trennen. Dies berichtet das „Handelsblatt“, das sich auf unterrichtete Kreise bezieht. Dem Bericht zufolge hat die Beteiligung einen Wert von rund 120 Millionen Euro zu aktuellen Marktpreisen und entspreche etwa 10 Prozent der ausstehenden Aktien von S Immo.

Der Versicherungskonzern Talanx steigt im Rahmen einer aktuellen Finanzierungsrunde als führender Investor beim Berliner Start-up Next Big Thing ein. Wie das „Handelsblatt“ berichtet, läuft die Beteiligung der Hannoveraner über ihren Industrieversicherer HDI Global. Durch den Einstieg wolle Talanx den Wachstumsmarkt Internet of Things und die Blockchain-Technologie erschließen. Die Finanzierungsrunde solle den Berlinern 12 Millionen Euro eingespielt haben. Neben HDI Global beteiligten sich auch der FinLab EOS VC sowie private Investoren. Talanx wurde bei der Transaktion von der Kanzlei Noerr (Federführung: Ariane Neubauer und Felix Blobel) beraten.

RIB Software und der Baustoffkonzern Saint-Gobain Deutschland haben ein Joint Venture gegründet. Unter dem Namen SGTWO soll das Gemeinschaftsunternehmen digitale Dienstleistungen für Generalunternehmer, Bauherren und Architekten verbessern. Das gaben die Unternehmen am Montag bekannt. Für RIB wird die Tochtergesellschaft YTWO als Aktionärin des Joint Ventures agieren.

andreas.mehring[at]finance-magazin.de

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