Der japnische Lixil-Konzern übernimmt Grohe

Grohe

27.09.13
Deals

M&A-Deals: Grohe, Rickmers, ThyssenKrupp

Lixil gelingt mit der Übernahme von Grohe der bislang größte M&A-Deal eines japanischen Unternehmens in Deutschland, ThyssenKrupp hat in PE-Investor Cevian einen neuen Großaktionär gefunden und die Rickmers Gruppe hat mit Apollo ein Joint Venture für Investitionen in Containerschiffe gegründet. Diese und weitere M&A-Deals und M&A-News der Woche lesen Sie im FINANCE-Überblick.

Lixil setzt sich bei Grohe durch

Die Zukunft des Badarmaturenherstellers Grohe ist entschieden: Der japanische Lixil-Konzern kann das Unternehmen übernehmen. Gemeinsam mit der Development Bank of Japan sichern sich die Japaner 87,5 Prozent der Anteile, die Beteiligung hat einen Wert von 2,68 Mrd. Euro. Inklusive Schuldenübernahme wird ein Unternehmenswert von 3,06 Mrd. Euro angesetzt. Die Unterstützung der Bank dürfte zwischenzeitlich aufgekommene Zweifel an der Finanzstärke von Lixil besänftigt haben. Der M&A-Deal ist die bislang größte Investition eines japanischen Unternehmens in Deutschland. Die Transaktion soll im ersten Quartal 2014 abgeschlossen werden.  Die bisherigen Eigentümer, der PE-Investor TPG und DLJ Merchant Banking Partners, die Private-Equity-Sparte der Credit Suisse, hatten beraten von Goldman Sachs bereits seit einigen Monaten den Exit vorbereitet und dabei ein Dual-Track-Verfahren verfolgt. Neben Lixil war auch die Schweizer Geberit an Grohe interessiert. Das deutsche Familienunternehmen Viega hat nach FINANCE-Informationen Interesse an der Grohe-Tochter Grohedal und wäre bereit, einen mittleren dreistelligen Millionenbetrag für die Sparte zu zahlen. Ein Team von Clifford Chance unter Federführung von Andreas Dietzel (Corporate) und Markus Pfüller (Banking & Capital Markets) hat Grohe beraten. Weil, Gotshal & Manges hat TPG Capital und DLJ Merchant Banking Partners mit einem Team unter Federführung von Gerhard Schmidt (Corporate) begleitet.

PE-Investor Cevian steigt bei ThyssenKrupp ein

Der Einstieg von Cevian Capital hat dem angeschlagenen Industriekonzern ThyssenKrupp Mitte dieser Woche einen Kursanstieg beschert. Der PE-Investor hatte am Mittwoch den Kauf von 5,19 Prozent der Stammaktien von ThyssenKrupp bekannt gegeben. Cevian ist nach eigenen Angaben der Auffassung, dass die aktuelle Bewertung des Unternehmens „den fundamentalen Wert von ThyssenKrupp nicht widerspiegelt“. Man unterstütze die Strategie des Managements und sei vom langfristigen Potential des Unternehmens überzeugt. ThyssenKrupp bemüht sich seit längerem intensiv um den Verkauf der verlustträchtigen Werke in Brasilien und den USA. Der Kauf des ThyssenKrupp-Aktienpakets durch Cevian erfolgte sowohl über die Börse als auch über Finanzinstrumente und wurde ausschließlich mit Eigenkapital finanziert. Cevian ist in Deutschland auch mit mittlerweile 17 Prozent an Bilfinger Berger beteiligt und ist seit Ende 2011 größter Einzelaktionär des Konzerns.

Rickmers und Apollo gründen Joint Venture

Die Rickmers Gruppe hat mit Apollo Global Management ein Joint Venture für Investitionen in Containerschiffe gegründet. Der Fokus liegt zunächst auf Schiffen im Second-Hand-Markt. Das Joint Venture hat den Beteiligten zufolge ein Investitionsvolumen von bis zu 500 Mio. US-Dollar, die Investitionen sollen über einen Zeitraum von mehreren Jahren getätigt werden. Das Joint Venture kann im Laufe der Zeit noch erweitert werden. Rickmers wird für die gemeinsam erworbene Flotte verschiedene Dienstleistungen wie das technische und kommerzielle Schiffsmanagement erbringen. Rickmers-CFO Ignace Van Meenen sagte, die erfolgreiche Platzierung der Rickmers-Anleihe vor wenigen Monaten habe diesen Wachstumsschritt möglich gemacht. Rickmers wurde bei dem Joint Venture von Leonardo & Co. beraten.

Halder übernimmt Lederwarenhersteller

Der PE-Investor Halder hat den italienischen Hersteller von Luxuslederwaren Bottega Manifatturiera Borse über einen MBO/MBI im Rahmen einer Nachfolgelösung übernommen. Der Handtaschenproduzent erzielte 2012 einen Umsatz von knapp 35 Mio. Euro. Halder will den Umsatz „mittelfristig“ von dieser Basis aus verdoppeln, einen konkreten Zeitplan nannte der Investor nicht. Zur Umsetzung seiner Expansionspläne hat Halder das Management aus Unternehmensgründer Gianfranco Lotti und General Manager Marta Carcasci mit Franco Lucà als neuem CEO verstärkt. Er hatte nach einem Management-Buy-In als Geschäftsführer das internationale Geschäft der früheren Halder-Portfoliogesellschaft Geka ausgebaut und investierte jetzt erneut mit Halder. Der Kosmetikzulieferer Geka gehört inzwischen zu 3i. Bottega-Gründer Lotti und Manager Carcasci bleiben an dem Lederwarenproduzenten auch in der neuen Struktur beteiligt. Vela Imprese hat Halder bei der Transaktion beraten und co-investiert. Finanzielle Details wurden nicht genannt.

Rheinmetall und Ferrostaal gründen Joint Venture

Rheinmetall und Ferrostaal haben gestern die Gründung des Gemeinschaftsunternehmens Rheinmetall International Engineering bekannt gegeben. Das Joint Venture soll den Unternehmen zufolge dem steigenden Bedarf an lokaler Infrastruktur für Wehrtechnik Rechnung tragen und als Generalunternehmer Industrieanlagen schlüsselfertig umsetzen. Die Unternehmen wollen das Geschäft international ausweiten. Das Öl- & Gasgeschäft bringt Ferrostaal in das Joint Venture mit ein. Das Unternehmen will sein Öl- und Gasgeschäft nach Asien und Südamerika ausweiten. Am Joint Venture werden Rheinmetall und Ferrostaal jeweils 50 Prozent halten. Die Transaktion wird in Form eines Asset Deals realisiert. Die Wettbewerbsbehörden müssen noch zustimmen.

Global PVQ verkauft Solarprojekte in Kanada

Beim Verkauf mehrerer Solarprojekte der insolventen Global PVQ (ehemals Q-Cells) in Kanada durch Insolvenzverwalter Henning Schorisch von der Kanzlei hww Wienberg Wilhelm sind zwei Investoren zum Zug gekommen. Vier Projekte gehen an den Infrastrukturfonds Fiera Axium Infrastructure Canada. Fiera Axium finanziert den Kauf über ein Bankenkonsortium aus Natixis, Nord LB und Bank of Tokyo-Mitsubishi. Weitere drei Photovoltaikprojekte kaufen die Rainy River First Nations. Neben der kanadischen Tochter von Global PVQ war eine Tochtergesellschaft der ATS Automation Tooling Systems als Verkäufer beteiligt, die Unternehmen hatten die Projekte im Rahmen eines Joint Ventures entwickelt. Über die Kaufpreise wurde Stillschweigen vereinbart. Die Kanzlei Noerr hat Global PVQ und den Insolvenzberater unter Federführung des Dresdner Partners Sebastian Voigt bei den M&A-Deals rechtlich beraten. Berater der kanadischen Tochtergesellschaft war Dale & Lessmann.

M&A-News: Personalien

Der auf M&A-Deals spezialisierte Tobias Koppmann verstärkt seit wenigen Tagen als Associated Partner den Bereich Private Equity bei Noerr. Er hat zuvor mehr als acht Jahre lang für Skadden gearbeitet, zuletzt als European Counsel. Koppmann beriet zuletzt unter anderem bei der 2,7 Mrd. Euro schweren Übernahme des Edelstahlgeschäfts von ThyssenKrupp durch Outokumpu. Noerr verzeichnet nach eigenen Angaben entgegen dem Markttrend seit einigen Jahren „ein kontinuierliches und überdurchschnittliches Wachstum“ im Bereich Private Equity. Zu den Kunden gehören der Kanzlei zufolge PE-Investoren wie Apollo, Lone Star oder Mandarin Capital Partners.

Hogan Lovells
hat in Berlin neun Partner an die US-Sozietät Morrison & Foerster verloren, darunter Christoph Wagner, der die Kanzlei vor wenigen Wochen überraschend verlassen hatte. Hogan Lovells hatte damals auf Anfrage von FINANCE mitgeteilt, der Ausstieg sei „vereinbart“ gewesen.  Die Abgänge der weiteren Partner kommen dagegen für Hogan Lovells anscheinend überraschender: Co-CEO David Harris sagte, die Berliner Partner hätten zum Zeitpunkt von Wagners Abschied zunächst gesagt, beim Unternehmen bleiben zu wollen. Als neue Partner von Morrison & Foerster mit den Schwerpunkten Corporate und M&A wechseln neben Wagner die Juristen Karin Arnold, Dirk Besse und Jörg Meißner sowie als weitere Partner Eckhard Bremer, Andreas Grünwald, Jens-Uwe Hinder, Thomas Keul und Hanno Timner. Jens-Uwe Hinder und Hanno Timner werden das Berliner Büro als Co-Managing Partner führen. Für Morrison & Foerster wird Berlin der dritte Standort in Europa.

Die Kanzlei Luther hat ihr Kapitalmarktteam verstärkt. Der neue Equity Partner Stephan Gittermann (46) beriet unter anderem den  Farbenhersteller Akzo Nobel bei der öffentlichen Übernahme des Beschichtungsherstellers Schramm. Mit ihm und seinem Team wechselt Sven Labudda (38) zu Luther, beide waren zuletzt bei Mayer Brown beschäftigt. Ebenfalls neu bei Luther ist das Team um den neuen Partner Ingo Wegerich (44), der zuletzt im Frankfurter Büro von BRP Renaud & Partner tätig war.

Weitere M&A-Deals

Der PE-Investor Beaufort Capital hat 32 Prozent seiner Anteile am Medizintechnikunternehmen Getemed verkauft. Für den Verkauf waren potentielle Investoren aus dem europäischen und amerikanischen Raum angesprochen worden, letztlich hat das Management, das bereits zuvor über eine kleine Beteiligung am Unternehmen verfügte, einen Management-Buy-out vorgenommen. Ein Kaufpreis wurde nicht genannt. Die Finanzierung wurde durch einen Investitionskredit der Deutschen Bank, durch eine stille Beteiligung der Mittelständischen Beteiligungsgesellschaft Berlin‐Brandenburg sowie durch eigene Mittel bereitgestellt. Network Corporate Finance hat das Managementteam bei der Strukturierung, Umsetzung und Finanzierung des M&A-Deals unterstützt. Warth & Klein Grant Thornton hat Beaufort Capital beim Verkauf seiner Anteile als M&A-Berater begleitet.

Die belgische KBC Group hat im Rahmen ihrer Restrukturierung die Tochter KBC Bank Deutschland an eine Investorengruppe aus Teacher Retirement System of Texas, Apollo Global Management, Apollo Commercial Real Estate Finance und Grovepoint Capital verkauft. Ein Kaufpreis wurde nicht genannt. Die KBC Gruppe hatte im Zuge der Finanzkrise Hilfe von der belgischen Regierung erhalten und sich in Absprache mit der EU-Kommission auf eine Neuordnung und Verkäufe verpflichtet.

Die Berliner Volksbank ist bei der Crowd-Investing-Plattform Bergfürst eingestiegen. Weitere Anteilseigner sind die beiden Gründer, die Aufsichtsräte und die Mitarbeiter. Zu finanziellen Details der Beteiligung wurde nichts bekannt.

Indivumed hat 100 Prozent der Anteile am Genanalyse-Unternehmen Inostics an die Sysmex Corporation in Japan verkauft. Indivumed will sich künftig auf klinische Forschungsservices konzentrieren. Bei dem M&A-Deal waren JMP Securities als Finanzberater und Freshfields Bruckhaus Deringer als Rechtsberater für Inostics tätig. Auch der Zytometrie-Spezialist Partec aus Görlitz geht zu einem nicht genannten Preis an Sysmex, bei der Transaktion war DC Advisory Finanzberater der Käufer.

Der Hersteller von Bodenbelägen ACSS Vibrotec ist im Rahmen einer Nachfolgeregelung an die Unternehmensgruppe Körkemeyer verkauft worden. Finanzielle Details wurden nicht bekannt. Axanta hat den Verkäufer beim M&A-Deal beraten.

Der US-amerikanische PE-Investor Kawa Capital Management übernimmt zum 1. Oktober weitere globale Conergy Vertriebs- und Serviceeinheiten. Die Verträge sollen direkt nach Eröffnung des Insolvenzverfahrens am kommenden Dienstag unterzeichnet werden. Neben den beiden deutschen Tochtergesellschaften Conergy Deutschland und Conergy Services erwirbt Kawa die internationalen Einheiten in Italien, Großbritannien und Australien. Ende August hatte Kawa in einem ersten Schritt bereits die Vertriebseinheiten in den USA, Kanada, Singapur und Thailand übernommen.

sabine.reifenberger[at]finance-magazin.de