Knorr-Bremse machte in dieser Woche mit einem M&A-Deal Verlust.

Knorr-Bremse

04.10.19
Deals

M&A-Deals: Knorr-Bremse, Inexio, Siemens

Knorr-Bremse verkauft seinen Powertech-Bereich mit Verlust, Warburg Pincus und DBAG vervielfachen ihren Einsatz bei Inexio, und Siemens macht gleich zwei Mal von sich reden: Die spannendsten M&A-Deals der Woche finden Sie in unserem FINANCE-Rückblick.

Knorr-Bremse verkauft Geschäftsbereich mit Verlust

Knorr-Bremse trennt sich von seinem defizitärem Bereich Powertech und nimmt dabei einen Verlust in Kauf: Wie das Münchener Unternehmen mitteilte, geht die Sparte, die elektronische Energieversorgungssysteme für den Schienenverkehr herstellt, an den Münchner Finanzinvestor Radial. Der Kaufpreis ist nicht bekannt – allerdings muss das MDax-Unternehmen im Zuge der Transaktion eine einmalige Sonderbelastung des Finanzergebnisses von 80 Millionen Euro bilanzieren.

Wie Vorstandsmitglied Jürgen Wilder erklärte, konnten weniger Synergien zwischen Powertech und den übrigen Aktivitäten von Knorr-Bremse erzielt werden als ursprünglich erwartet. Der Geschäftsbereich erwirtschaftete im vergangenen Jahr bei einem Umsatz von 90 Millionen Euro einen Verlust vor Zinsen und Steuern (Ebit) von 19 Millionen Euro. Durch den Verkauf erwartet Knorr-Bremse eine um einen halben Prozentpunkt verbesserte operative Umsatzrendite, die bereits 2020 bemerkbar sein soll. Bei der Transaktion wurde der Bremsenhersteller von Ebner Stolz (Federführung: Wolfgang Russ, Claus Buhmann und Michael Euchner) und der Anwaltskanzlei Ashurst (Federführung: Thomas Sacher) unterstützt.

Warburg Pincus und DBAG machen Millionen-Exit

Den beiden Finanzinvestoren Warburg Pincus und DBAG steigen bei dem Glasfaserausrüster Inexio aus – und realisieren beim Exit das Vierfache des Unternehmenswerts. Käufer ist der schwedische Private-Equity-Investor EQT, der Inexio nun mit 1 Milliarde Euro bewertet. Wie hoch der Anteil genau ist, den EQT von Warburg Pincus, DBAG und weiteren Minderheitsgesellschaftern erwirbt, ist nicht bekannt. Die beiden Inexio-Geschäftsführer und Gründer David Zimmer und Christoph Staudt bleiben bei dem Deal substanziell beteiligt.

Eingestiegen war Warburg Pincus im Sommer 2016 mit einer 60-prozentigen Beteiligung an Inexio. Damals wurde das Unternehmen mit 250 Millionen Euro bewertet. Seit 2013 ist die DBAG mit einem Minderheitsanteil an Inexio beteiligt. Im abgelaufenen Geschäftsjahr erwirtschaftete Inexio einen Umsatz von 68 Millionen Euro und einen Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) in Höhe von 38,5 Millionen Euro. Für das aktuell laufende Geschäftsjahr will der Glasfaserausrüster die Umsatzschwelle von 100 Millionen Euro erreichen und das Ebitda auf 50 Millionen Euro heben. Hieraus ergibt sich für die aktuelle Transaktion ein Ebitda-Multiple von 20x.

Der Finanzinvestor Warburg Pincus, der seit Kurzem auch mit einem eigenen Deutschlandbüro in Berlin vertreten ist, wurde bei dem Deal von der Wirtschaftskanzlei Freshfields Bruckhaus Deringer beraten. DBAG wurde beim Verkauf von Bird & Bird beraten. Die Transaktion soll im vierten Quartal dieses Jahres abgeschlossen werden.

Siemens Healthineers sichert Mehrheit an US-Beratung

Siemens Healthineers übernimmt die Mehrheit an ECG Management Consultants. Wie das börsennotierte Unternehmen aus Erlangen mitteilte, erfolgt der Zukauf über die Siemens Medical Solutions USA. Mit ECG will Siemens Healthineers sein Enterprise-Service-Geschäft ausbauen und steigt damit in die Gesundheitsberatung ein. Für das auf die Gesundheitsbranche spezialisierte US-Beratungsunternehmen zahlt Siemens Healthineers einen niedrigen bis mittleren dreistelligen Millionenbetrag, zitiert die Nachrichtenagentur „Reuters“ einen Unternehmenssprecher.

ECG wird als unabhängiges Beratungsunternehmen weitergeführt, das bisherige Führungsteam bleibt erhalten. Zudem wird ECG weiterhin mit dem eigenen Kundenstamm arbeiten. Siemens Healthineers rechnet mit dem Abschluss der Transaktion im ersten Quartal des Geschäftsjahres 2020. Das US-Unternehmen mit Hauptsitz in San Diego beschäftigt 300 Mitarbeiter und erzielte im Jahr 2018 einen Umsatz von mehr als 100 Millionen US-Dollar.

Siemens trennt sich von Joint-Venture-Beteiligung

Auch bei der Konzernmutter gibt es eine Veränderung: Siemens steigt endgültig aus der Walzwerktechnik aus. Der Industriekonzern verkauft seinen Anteil am Stahl-Anlagenbauer Primetals Technologies, wie die Münchener am Dienstag mitteilten. Käufer der Beteiligung in Höhe von 49 Prozent ist der japanische Mehrheitseigentümer Mitsubishi-Hitachi Metals Machinery (MHMM). Finanzielle Transaktionsdetails veröffentlicht Siemens nicht.

2015 war Primetals als Gemeinschaftsunternehmen mit damals rund 9000 Mitarbeitern aus der Siemens-Tochter VAI und der Hütten- und Walzwerktechnik-Sparte des japanischen Wettbewerbers Mitsubishi Heavy entstanden. Den Abschluss der Transaktion erwarten die Unternehmen Anfang 2020.

Berater-News

Erneut verliert Raymond James einen M&A-Berater an Lincoln: Zum 1. Oktober wechselt Sherif Abdel-Aziz seinen Arbeitgeber. Künftig soll er in Frankfurt als Director im Automotive-Team arbeiten. Bevor Abdel-Aziz zu Raymond James kam, war er im M&A-Team des Wirtschaftsprüfers EY tätig. Nach Director Joerg Brunner und Managing Director Dirk Damegger muss Raymond James in diesem Jahr nun schon den dritten Wechsel eines Senior-Beraters zu Lincoln verkraften.

Die US-Investmentbank Morgan Stanley erweitert mit Christian Wagner sein Team für das Private-Equity-Geschäft. Seit dem 1. Oktober verantwortet der 43-Jährige als Managing Director das Geschäft mit Finanzinvestoren in Deutschland und Österreich. Wagner verstärkt das Team von Jens Maurer und Johann von Wersebe, die gemeinsam das Investmentbanking der US-Bank in der Region leiten. Zuletzt arbeitete Wagner 11 Jahre lang für die japanische Nomura Bank in Deutschland. Mit der Personalie kann Morgan Stanley eine Lücke schließen: Kabir Chhatwani, der vorherige Leiter des PE-Geschäfts im deutschsprachigen Raum, wechselte im Frühjahr von Morgan Stanley zu Barclays.

Die Internet-Reiseplattform Omio holt sich einen neuen Corporate-Finance-Director ins Boot: Wie Omio-CFO Jan Kemper in einem Online-Portal vermeldete, wird Manfred Merle künftig die Bereiche M&A, Treasury und Investor Relations bei dem Berliner Start-up verantworten. Merle kommt von der Private-Equity-Gesellschaft Triton. Zuvor arbeitete er im Investmentbanking der Credit Suisse.

Die Datagroup erweitert ihren Vorstand: Peter Schneck verantwortet seit dem 1. Oktober die Bereiche Mergers & Acquisitions, Investor Relations sowie Recht bei dem IT-Service-Unternehmen mit Sitz in Pliezhausen. Schneck wechselt von dem Verkehrstechniker Trapeze, wo er CEO war, zu Datagroup. Zu seinen vorherigen Stationen gehören der Parkhausbetreiber Apcoa sowie der IT-Lösungsanbieter Scheidt & Bachmann.

Weitere Meldungen

EnBW zieht sich aus dem ungarischen Markt zurück: Der Karlsruher Stromversorger verkauft seine Finanzbeteiligungen an den ungarischen Wettbewerbern Elmü und Emasz an eine E.on-Tochtergesellschaft. Bei den Targets handelt es sich um die Budapester Elektrizitätswerke (Elmü) sowie die Nordungarische Stromversorgung (Emasz), beide Unternehmen sind an der Börse notiert. Die E.on-Tochtergesellschaft hatte sich im Zuge des Innogy-Deals bereits die Mehrheit an den Stormversorgern gesichert. EnBW trennt sich damit von 27 Prozent der Anteile an den beiden Unternehmen.

Axel Springer
baut sein Digitalgeschäft aus: Das Verlagshaus erwirbt über seine Tochter Aviv das französische Immobilienbewertungsportal Meilleursagents. Wie die Berliner mitteilten, erfolgt die Transaktion aufgrund einer im August vereinbarten, durch die Gesellschafter eingelösten Put-Option. Damals war ein Kaufpreis von 200 Millionen Euro in bar und ohne Schulden vereinbart worden. Mit der Übernahme ergänzt Springer das Dienstleistungsangebot um die Immobilienportale SeLoger und Logic-Immo in Frankreich, die sich schon im Besitz des Berliner Medienhauses befinden.

Die mögliche Fusion der Werkstoffsparte von ThyssenKrupp mit dem Stahlhändler Klöckner & Co ist offenbar vom Tisch: Wie das „Handelsblatt“ mit Bezug auf Kreise des Klöckner-Aufsichtsrates berichtete, habe Klöckner die Gespräche mit ThyssenKrupp über einen Zusammenschluss mit dessen Werkstoffgeschäft einseitig beendet. Als Grund hierfür nennt das Blatt den Rauswurf von ThyssenKrupp-CEO Guido Kerkhoff: Dieser habe in der Vergangenheit bereits mehrfach Gespräche mit Klöckner-Vorstandschef Gisbert Rühl über eine Fusion geführt. Kerkhoff sollte ursprünglich bis November eine Strategie ausarbeiten, die auch eine langfristige Perspektive für das Stahlgeschäft beinhaltet hätte.

DER Touristik
erwägt eine Beteiligung an dem Ferienflieger Condor: Die Rewe-Reisetochter habe dem „Handelsblatt“ zufolge nach der Insolvenz von Thomas Cook großes Interesse am Fortbestehen der Tochter Condor. Wie Zentraleuropa-Chef Ingo Burmester gegenüber der „dpa“ sagte, schließt er „eine anteilige Beteiligung nicht grundsätzlich aus“. Eine Komplettübernahme könne er sich jedoch nicht vorstellen, so die Agentur weiter.

Der Tickethändler CTS Eventim übernimmt 51 Prozent der Anteile an dem russischen Tournee- und Konzertveranstalter Talent Concert International (TCI). Finanzielle Transaktionsdetails nennen die Unternehmen nicht. Die TCI-Geschäftsführer Ed Ratnikov und Nikolay Sinitsyn halten gemeinsam die restlichen 49 Prozent der Anteile und behalten ihre Positionen im Unternehmen. Im Zuge der Transaktion, die innerhalb „der kommenden Tage vollzogen“ werden soll, wird TCI Teil des Promoter-Netzwerks Eventim Live.

Reinert
und Kemper treiben die Konsolidierung auf dem deutschen Wurstmarkt voran: Die beiden Familienunternehmen wollen fusionieren. Mit dem Zusammenschluss soll unter dem Namen „The Family Butchers“ Deutschlands zweitgrößter Fleischwarenhersteller mit einem Jahresumsatz von mehr als 700 Millionen Euro entstehen. Beide Parteien halten jeweils 50 Prozent an dem neu gegründeten Unternehmen, das gemeinsam von Wolfgang Kühnl und Hans-Ewald Reinert als geschäftsführende Gesellschafter geleitet werden soll. Das neue Unternehmen umfasst damit neun Produktionsstätten, an denen aktuell 2600 Mitarbeiter beschäftigt sind. Die Fusion bedarf noch der Prüfung und Zustimmung des Bundeskartellamts und soll zum Jahreswechsel vollzogen werden.

Der Münchener Private-Equity-Investor Callista kauft die Eifeler Gießerei Ergocast Guss. Verkäufer sind die Beteiligungsgesellschaften S-UBG und Investkapital sowie das Ergocast-Management. Norbert Lüling und Karl Andermahr, die bisherigen Geschäftsführer des Gussspezialisten, verlassen das Unternehmen. Ergocast musste aufgrund der schwierigen Marktsituation für Gussteile im Oktober vergangenen Jahres Insolvenz anmelden.

Formel D
übernimmt den Münchener Ingenieurdienstleister Vdynamics. Mit dem Zukauf erweitert der Troisdorfer Automobilzulieferer sein Angebotsspektrum im Bereich Fahrzeugerprobung und Absicherung. Zum Kaufpreis wurden keine Angaben gemacht. Vdynamics wurde 2012 gegründet und beschäftigt über 100 Mitarbeiter.

olivia.harder[at]finance-magazin.de

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