Komplexer Deal in der Mobilfunkbranche: Philion und Mobilezone haben einen Asset Swap vereinbart.

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13.09.19
Deals

M&A-Deals: Philion, Continental, Wacker Chemie

In der Mobilfunkbranche findet ein Asset Swap statt, Continental gründet ein Joint Venture, und Wacker Chemie macht aus einer Kooperation eine Beteiligung – die spannendsten M&A-Deals der Woche finden Sie in unserem FINANCE-Rückblick.

Philion will Handyflash übernehmen

Tauschgeschäft in der Mobilfunkbranche: Philion will den Online-Mobilfunkdienstleister Handyflash übernehmen. Die Übernahme erfolgt dabei in Form eines komplexen Asset Swaps: Das Berliner Telekommunikationsunternehmen übernimmt von Mobilezone die Gesellschaft OBS, zu der die Online-Plattform Handyflash gehört. Zusätzlich erhält Philion 30 Handyflash-Filialen von den Schweizern.

Im Gegenzug erhält Mobilezone von Philion die 30-prozentige Beteiligung an Mister Mobile. Zu Mister Mobile gehört unter anderem die Marke Deinhandy, die ebenfalls Teil des Tauschgeschäfts ist. Die Mister-Mobile-Beteiligung hatte Philion Ende 2018 erworben.

Hintergrund des komplexen Deals ist die geplante engere Zusammenarbeit zwischen Philion und Mobilezone, um Kostenvorteile zu nutzen. Die beiden Unternehmen setzen dabei auf eine Omni-Channel-Strategie, wollen also ihre Produkte kanalübergreifend bewerben und vertreiben. Um die Strategie voranzubringen, will Philion „die M&A-Aktivitäten in den kommenden Monaten“ fortsetzen. Finanzielle Transaktionsdetails gaben die Berliner nicht bekannt.

Continental gründet Nachhaltigkeits-Joint-Venture

Die Reifenhersteller Continental und Michelin sowie der französische Landwirtschafts-Softwareentwickler Smag gründen ein Joint Venture in Asien. Das Joint Venture, das Rubberway heißen soll, umfasst eine Tech-Plattform, die Praktiken und Risiken in Bezug auf ESG-Kriterien in der Produktions- und Lieferkette der Naturkautschukindustrie analysiert. Rubberway wird bereits in einigen asiatischen und afrikanischen Ländern genutzt, darunter in Indonesien und Ghana.

Michelin bringt in das Gemeinschaftsunternehmen seine Nutzungs- und Verwertungsrechte und die Erfahrung mit den Systemen vor Ort ein. Continental hingegen investiert in das Joint Venture. Zur Höhe der Investition oder den Beteiligungen machten die Hannoveraner keine Angaben. Das Gemeinschaftsunternehmen soll seinen Sitz in Singapur haben und vorbehaltlich kartellrechtlicher Zusagen noch in diesem Jahr einsatzfähig sein.

Wacker Chemie steigt bei Nexeon ein

Wacker Chemie erwirbt 25 Prozent der Anteile an dem britischen Batteriematerialspezialisten Nexeon. Über den Kaufpreis wurde Stillschweigen vereinbart. Wie der Münchener Chemiekonzern mitteilte, dient die Beteiligung dem Ausbau der Forschungsaktivitäten im Bereich Silizium-basierter Materialien für Hochleistungsbatterien. Wacker und Nexeon kooperieren in diesem Forschungsgebiet bereits seit 2013.

Kone wirbt um Fusion mit ThyssenKrupp Elevators

ThyssenKrupps Aufzugsparte ruft offenbar tieferes Interesse hervor: Einer der potentiellen Kaufinteressenten, der finnische Wettbewerber Kone, hat nun eine Fusion des eigenen Geschäfts mit ThyssenKrupp Elevators ins Spiel gebracht.

Der Vorschlag der Finnen könnte dabei einen simplen Grund haben: In Analystenkreisen wird bezweifelt, dass Kone im Falle einer Übernahme den geschätzten Kaufpreis von 15 Millionen Euro in bar aufbringen kann. Für die Essener hat eine Fusion hingegen Vor- und Nachteile: Zwar bliebe der Konzern weiterhin an seinem profitabelsten Geschäftsbereich beteiligt. Allerdings fielen dafür Erlöse aus einem Komplettverkauf weg.

ThyssenKrupp Elevators erwirtschaftete als drittgrößte Sparte in den ersten neun Monaten des Geschäftsjahres 2018/2019 einen Umsatz von 5,8 Milliarden Euro und einen Gewinn vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen (Ebitda) von 590 Millionen Euro.

DBAG investiert in Telekommunikationsdienstleister

Die Deutsche Beteiligungs AG (DBAG) steigt bei STG Braunsberg ein, einem Telekommunikationsdienstleister, der Glasfasernetze errichtet. Im Rahmen eines Management Buy-outs erwirbt die DBAG über ihren Expansion-Capital-Fonds die Mehrheit der Anteile an STG. Die genaue Höhe der Beteiligung nannten die Frankfurter nicht, auch über den Kaufpreis wurde Stillschweigen vereinbart.

Daneben stellt die DBAG selbst noch eine Finanzierung in Höhe von 14 Millionen Euro bereit und erhält dafür 36 Prozent der Anteile. Die bisherigen Eigentümer Hermann und Günter Braunsberg bleiben als Geschäftsführer am Unternehmen beteiligt. Den Abschluss der Transaktion, die unter dem Vorbehalt der Zustimmung der Kartellbehörden steht, erwartet die DBAG noch im September. Die Beteiligung an STG ist das siebte Management-Buy-out aus dem DBAG-Fonds.

Berater-News

Acxit Capital Partners und die britische First Capital gehen eine strategische Partnerschaft ein: Die beiden Beratungshäuser wollen künftig enger zusammenarbeiten und sich dabei vor allem auf Transaktionen im Tech-M&A-Markt in Europa und den USA konzentrieren. Die Partnerschaft erfolgt im Zuge der neuen Strategie von Acxit, sich stärker auf grenzüberschreitende M&A-Deals zu fokussieren. Nach Angaben des Axcit-Managing-Partners Johannes Lucas stellt die Zusammenarbeit mit First Capital zunächst nur eine rein strategische Kooperation dar. Jedoch halte man sich die Option einer wechselseitigen Beteiligung offen.

Weitere Meldungen

Eisenmann steht zum Verkauf: Wie die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ aus Finanzkreisen erfuhr, werden für den insolventen Automobilzulieferer Kaufinteressenten gesucht. Mit der Suche sei bereits die Investmentbank Macquarie mandatiert worden. Der Tageszeitung zufolge bevorzugt das Management einen Verkauf des kompletten Böblinger Unternehmens. Allerdings sei der Verkauf von einzelnen Unternehmensteilen wahrscheinlicher. Laut Chefsanierer Michael Keppel sucht Eisenmann einen Interessenten für das Geschäft mit Lackieranlagen und Applikationssystemen. Die Insolvenz betreut die Sozietät Beck & Partner.

ZF Friedrichshafen
erwägt offenbar einen Verkauf seiner Anteile an dem schwedischen Wettbewerber Haldex. Wie der Automobilzulieferer der Nachrichtenagentur „Reuters“ zufolge mitteilte, will er „im Zuge der Fokussierung auf das Bremsengeschäft“ den 20-prozentigen Anteil an den Schweden veräußern. Die Friedrichshafener sind die größten Haldex-Aktionäre, auf Platz zwei rangiert Knorr-Bremse. Der Bahnzulieferer hält eigenen Angaben zufolge 10 Prozent an Haldex.

Geely steigt bei Volocopter ein: Der chinesische Autokonzern erwirbt im Rahmen einer Series-C-Finanzierungsrunde eine Beteiligung an dem baden-württembergischen Flugtaxi-Pionier. Über die Höhe der Beteiligung ist nichts bekannt. Bei der von den Chinesen angeführten Finanzierungsrunde konnte das Start-up aus Bruchsal 50 Millionen Euro einsammeln. Die Wirtschaftskanzlei Freshfields Bruckhaus Deringer (Federführung: Heiner Braun und Robin Helmke) hat Geely bei dem Anteilserwerb beraten.

RIB Software
erwirbt 20 Prozent der Anteile an dem indischen Technologieunternehmen Capricot. Wie die Stuttgarter mitteilten, haben sie zudem die Option, weitere Anteile innerhalb der nächsten Jahre in die RIB-Gruppe zu konsolidieren. Die Investition entspricht RIB Software zufolge dem Siebenfachen des ausgewiesenen Ebitda. Mit den Beteiligungen an Levtech, Cadline, CCS, Winjit, BSD, US CAD und Capricot hat RIB Software eigenen Angaben zufolge rund 75 Prozent der für dieses Jahr geplanten M&A-Abschlüsse getätigt. Hierfür haben die Stuttgarter bislang insgesamt 150 Millionen Dollar auf den Tisch gelegt.

Das Frankfurter Captech Lucht Probst Associates (LPA) übernimmt den Ludwigshafener Technologieentwickler Effcom. Der Deal schließt auch die Akquisition der Factor-i Zertifikatefabrik ein, die IT-Dienstleistungen im Bereich Fintech und Regtech anbietet und zu Effcom gehört. Finanzielle Transaktionsdetails nannten die Unternehmen nicht. Die bisherigen Effcom-Vorstandsmitglieder werden ihre Positionen behalten und den Standort Ludwigshafen leiten. Mit dem Zukauf rückt LPA näher an den wichtigen Finanz- und Bankenplatz Schweiz. LPA und Effcom arbeiten beide auf dem Gebiet der Digitalisierung der Kapitalmärkte.

Der Berliner Vermögensverwalter Capital Bay übernimmt den Luxemburger Asset Manager IC. Verkäufer ist die Münchener International Campus Group, die sich mit der Transaktion von ihrem Fondsmanagementvehikel trennt. Im Rahmen des Deals erwerben die Berliner zudem ein Fondsgeschäft der Luxemburger, bei dem die International Campus Group weiterhin als Berater und Dienstleister tätig sein wird. Über den Kaufpreis wurden keine Angaben gemacht. Mit dem Zukauf übernimmt Capital Bay das komplette Team von IC, die neue Gesellschaft firmiert künftig unter dem Namen Capital Bay Fund Management.

Altus
und Binnenwind verkaufen eine Windprojektpipeline an den Pariser Stromerzeuger EDF Renewables. Dabei entwickelt Altus aus Karlsruhe Windparkbeteiligungen, über welche die Mainzer Binnenwind verfügt und Projektrechte hält. Die M&A-Beratung Mayland hat die Verkäuferseite exklusiv beim Transaktionsprozess begleitet. Ein Kaufpreis wurde nicht genannt.

Der Private-Equity-Investor Summit steigt für 40 Millionen Dollar bei dem Münchener Start-up Proglove ein. Zur Höhe der Beteiligung wurden keine Angaben gemacht. Die Transaktion wird voraussichtlich im dritten Quartal dieses Jahres abgeschlossen. Summit wurde bei dem Deal von der Anwaltskanzlei Sidley Austin (Federführung: Jan Schinköth) unterstützt.

Ipetronik Eichstätt verkauft eine Minderheitsbeteiligung an TKI Automotive. Käufer der Anteile ist der Mehrheitsgesellschafter des Automobilzulieferers, Audi Electronic Venture. Die genaue Höhe der Beteiligung ist nicht bekannt. Hinter Ipetronik steht die Beteiligungsgesellschaft Indus, die das Unternehmen mit Sitz in Bergisch Gladbach seit 1999 in ihrem Portfolio hält. TKI bietet Thermomanagement, Komfortelektronik und Innenraumklimatisierung für konventionelle Antriebe sowie E-Fahrzeuge an.

Der österreichische Stromkonzern Verbund hat ein Angebot für den Erwerb der Wasserkraftwerke des portugiesischen Strom- und Gaskonzerns EDP vorgelegt. Dies bestätigten die Wiener in dieser Woche der Nachrichtenagentur „Reuters“. Dem Bericht zufolge sind neben Verbund auch die spanische Iberdrola und die norwegische Statkraft an einem Kauf interessiert. Der Wert der Wasserkraftwerke wird auf mehr als zwei Milliarden Euro geschätzt. Der Verkauf ist Teil eines Portfolioumbaus der Portugiesen und wird von der US-Investmentbank Morgan Stanley sowie der Schweizer Großbank UBS organisiert. Bieter können verbindliche Angebote bis Ende September vorlegen.

Klüh Service Management
, ein Düsseldorfer Multidienstleister für infrastrukturelle Services, kauft den B2B-Dienstleister ISS Facility Services von dem Mutterkonzern ISS. Der Kaufpreis wurde nicht genannt. Bei der Transaktion, die noch der kartellrechtlichen Freigabe bedarf, wurde ISS von Noerr (Federführung: Christoph Spiering) begleitet.

Bid Equity übernimmt die Mehrheit an Xclinical: Der Hamburger Private-Equity-Investor steigt bei dem Münchener Softwareanbieter für klinische Studien ein. Einen Kaufpreis oder die genaue Höhe der Beteiligung gab Bid Equity nicht bekannt. Xclinical beschäftigt an mehreren Standorten weltweit 50 Mitarbeiter und betreibt eine Plattform, die eigenen Angaben zufolge auf einem Standard basiert, der die Analyse und Einreichung von Daten bei Zulassungsbehörden erleichtert.

Dobler Metallbau übernimmt den insolventen Fassadenbauer Mbm Konstruktionen. Die Transaktion wurde von dem vorläufigen Insolvenzverwalter Dietmar Haffa von Schultze & Braun begleitet, den Abschluss des Deals erwarten Haffa und die Dobler-Geschäftsführung zum 1. Oktober. Finanzielle Transaktionsdetails sind nicht bekannt.

olivia.harder[at]finance-magazin.de

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