M&A-Deals: Der Poco-Eigentümer Steinhoff werkelt an zwei M&A-Deals parallel.

Karin Henriques/Steinhoff International

12.08.16
Deals

M&A-Deals: Steinhoff, Dürr, Bilfinger

Ikea-Konkurrent Steinhoff will einen US-Matratzenhersteller kaufen, Dürr veräußert seine Ecoclean-Sparte und Bilfinger trennt sich von seinem Windrad-Segment. Diese und andere M&A-Deals finden Sie in unserem FINANCE-Wochenrückblick.

Steinhoff kauft Matratzenhersteller für 3,4 Milliarden Euro

Der deutsch-südafrikanische Möbelhersteller Steinhoff will den Matratzenhersteller Mattress Firm für 64 US-Dollar (rund 58 Euro) je Aktie in bar übernehmen. Die Offerte entspricht einem Equity-Wert von rund 2,4 Milliarden US-Dollar (etwa 2,2 Milliarden Euro) und einem Unternehmenswert von rund 3,8 Milliarden US-Dollar (3,4 Milliarden Euro) einschließlich Nettoverschuldung.

Mit dem Zusammenschluss entsteht laut Steinhoff der größte Matratzenhändler der Welt. Der Konzern verschafft sich so Zugang zum US-Markt, in dem Mattress Firm tätig ist. Der M&A-Deal soll Ende des dritten Quartals abgeschlossen werden. Finanzieren will Steinhoff die Übernahme durch Bankkredite und Brückenfinanzierungen.

Steinhoff versucht derzeit zudem die britische Poundland-Gruppe zu übernehmen. Am gestrigen Donnerstag hat der MDax-Konzern die Offerte um 5 Pence auf 227 Pence je Aktie aufgestockt. Damit bietet Steinhoff nun umgerechnet 711 Millionen Euro. Der Ikea-Konkurrent reagiert damit auf den Einstieg des aktivistischen Investor Elliott, der Firma von Paul Singer. Dieser hatte Mitte Juli mit über 13 Prozent bei Poundland eingekauft, soll seinen Anteil seitdem aber aufgestockt haben.

Zu Steinhoff gehören Marken wie „Poco“ und „Kik“. Der Konzern wurde 1964 in Niedersachsen gegründet, notiert aber seit 1998 an der Johannesburger Börse in Südafrika. Seit Ende Dezember 2015 ist Steinhoff auch an der Frankfurter Börse gelistet.

Dürr trennt sich von Mehrheit an Dürr Ecoclean

Dürr hat 85 Prozent der Anteile an seinem Reinigungstechnikspezialisten Dürr Ecoclean an das chinesische Ingenieur- und Maschinenbauunternehmen Shenyang Blue Silver Group (SBS) veräußert. Bereits im April hatte Dürr angekündigt, einen Verkauf des Geschäfts zu überprüfen. Dürr Ecoclean erzielt einen Umsatz von rund 200 Millionen Euro und wird mit 120 Millionen Euro bewertet. SBS erwirtschaftete 2015 ebenfalls 200 Millionen Euro und will mit der Akquisition sein Automobilgeschäft ausbauen. SBS ist kein Fremder im deutschen Markt: Die Chinesen betreiben mit dem Frankfurter Werkzeugmaschinenbauer DVS Technology ein Gemeinschaftsunternehmen.

Der M&A-Deal zwischen Dürr und SBS muss wie üblich noch von den Aufsichtsbehörden freigegeben werden. Die verbleibenden Anteile behält Dürr weiterhin. Als Berater war die Wirtschaftskanzlei Hengeler Mueller für Dürr tätig. Das Team leiteten Daniela Favoccia und Peter Weyland. Die Käuferseite hatte die Kanzlei Noerr unter Federführung von Till Kosche sowie die chinesische Kanzlei Jia Yuan Law Offices mit Sitz in Peking als Berater beauftragt.

Bilfinger veräußert Offshore-Windgeschäft

Der Industrie- und Dienstleistungskonzern Bilfinger hat seine Windrad-Sparte verkauft. Die Münchener VTC-Gruppe übernimmt die Fertigung, während die Installation der Offshore-Windanlagen in Polen an die niederländische Gruppe Van Oord geht. Der Deal mit VTC umfasst Bilfingers Beteiligung an dem Joint Venture Bilfinger Mars Offshore in Höhe von 62,5 Prozent. Der Kaufpreis wurde nicht bekanntgegeben. Der Umsatz der Anlageninstallation lag im vergangenen Jahr nach Angaben von Bilfinger bei rund 100 Millionen Euro. Der Geschäftsbereich gehört laut Bilfinger nicht mehr zum Kerngeschäft.

Lone Star will IKB komplett übernehmen

Der PE-Investor Lone Star will über die LSF6 Europe Financial Holdings die übrigen Anteile an der IKB Deutsche Industriebank erwerben. Dazu bietet das US-Unternehmen den Aktionären 0,55 Euro je Aktie, was einem deutlichen Aufschlag auf den Schlusskurs der IKB-Aktie vom 5. August darstellt, der bei 0,18 Euro je Aktie lag. Der Aktienkurs zog nach der Veröffentlichung des Angebots deutlich an und notiert mittlerweile beim Angebotspreis. Das Angebot kann bis zum 5. September angenommen werden. Die Börsennotierung der IKB wird zum 30. September eingestellt. Nach dem Delisting wird erwartet, dass Lone Star die Bank verkauft.

Aktionäre unterstützen Fusion der Deutschen Börse mit der LSE

Die geplante Fusion der Deutschen Börse mit der London Stock Exchange (LSE) ist auf einem guten Weg. Bereits vor Ende der Annahmefrist am heutigen Freitag haben mehr als 75 Prozent der Deutsche-Börse-Aktionäre ihre Aktien zum Umtausch eingereicht. Die Deutsche Börse hatte zwischenzeitlich befürchtet, die Mindestannahmeschwelle nicht zu erreichen und diese von 75 Prozent auf 60 Prozent gesenkt. Allerdings müssen nun die Aufsichtsbehörden sowie die EU-Kommission dem Zusammenschluss noch zustimmen. Daher erwarten die Unternehmen, dass die Fusion erst in der ersten Jahreshälfte 2017 abgeschlossen werden kann.

SAF-Holland steigt aus Haldex-Wettbieten aus

Der Automobilzulieferer SAF-Holland wird sein Angebot für den schwedischen Lastwagenbremsenhersteller Haldex nicht weiter aufstocken. Der SDax-Konzern hatte Mitte Juli 450 Millionen Euro für den Nischenanbieter geboten. Vergangene Woche hatte jedoch der Automobilzulieferer ZF Friedrichshafen überraschend ein Gegenangebot über 462 Millionen Euro vorgelegt. Dieses will SAF-Holland nicht kontern.

Sinochem plant Übernahme von Atotech

Der chinesische Chemiekonzern Sinochem will offenbar das Berliner Spezialchemieunternehmen Atotech übernehmen. Bislang gehört Atotech dem französischen Ölkonzern Total, der mit einem Verkauf Insidern zufolge einen Erlös von 3 Milliarden Euro erzielen will. Allerdings sollen auch PE-Investoren Interesse an Atotech haben. Laut der Nachrichtenagentur Reuters habe Total die Finanzinvestoren Cinven und BC Partners aufgefordert, verbindliche Offerten abzugeben.

Weitere M&A-Deals

Bayer lässt bei der geplanten Übernahme des US-Saatgutkonzerns Monsanto nicht locker, wie die Nachrichtenagentur Bloomberg berichtete. Offenbar konnte Bayer mit seinem auf 125 US-Dollar je Aktie verbesserten Angebot zumindest etwas Interesse wecken, denn die beiden Konzerne haben dem Bericht zufolge ein Vertraulichkeitsabkommen geschlossen. Nun kann Bayer Einsicht in die Bücher von Monsanto nehmen. Somit hat Bayer inzwischen bessere Chancen, eine Einigung mit den Amerikanern zu erzielen. Bayer bietet insgesamt 64 Milliarden US-Dollar für Monsanto.

Lufthansa Cargo hat die verbliebenen 51 Prozent der Anteile an dem Expressversand Time Matters übernommen. Damit gehört der Spezialanbieter, der Anfang August Christian Mörtl zum CFO berufen hat, nun komplett zu Lufthansa. Verkäufer der Anteile sind der Finanzinvestor Aheim Capital sowie Manager von Time Matters. Lufthansa Cargo hatte das Unternehmen 2002 gegründet. Time Matters hatte die Kanzlei P+P Pöllath + Partners unter Leitung von Benedikt Hohaus als Berater mandatiert.

Edeka hat mit der Gewerkschaft Verdi einen Tarifvertrag abgeschlossen, um die Beschäftigung der Mitarbeiter der Supermarktkette Kaiser’s Tengelmann, die Edeka übernehmen will, zu sichern. Der Tarifvertrag, der die rund 70 Beschäftigten in Rheinland-Pfalz betrifft, garantiert die Weiterbeschäftigung für fünf Jahre. Für andere Standorte haben Edeka und Verdi bereits ähnliche Tarifverträge abgeschlossen. Der Abschluss der Verträge war eine Voraussetzung für die Ministererlaubnis von Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel, damit Edeka die Übernahme durchsetzen darf. Edeka hat bei der Übernahme am gestrigen Donnerstag jedoch erneut einen herben Dämpfer hinnehmen müssen: Das Oberlandesgericht Düsseldorf hat einen Antrag Gabriels zum vorläufigen Stopp seiner Ministererlaubnis zurückgewiesen. Der Antrag sei unzulässig und unbegründet. Gabriel hatte die Fusion unter Auflagen gestattet, obwohl das Bundeskartellamt diese zuvor untersagt hatte. Das OLG Düsseldorf hatte Gabriel daraufhin in einer Eilentscheidung mangelde Neutralität vorgeworfen.

Die M&A-Beratung Altium hat den Zusammenschluss mit GCA Savvian abgeschlossen. Die fusionierte Investmentbank GCA Altium will sich auf Wachstumsbranchen und -unternehmen konzentrieren und wird nach eigenen Angaben mit einem Honorarumsatz von mehr als 185 Millionen US-Dollar zu den zehn größten M&A-Beratungshäusern weltweit gehören.

Die Deutsche Beteiligungs AG investiert gemeinsam mit dem von ihr beratenen DBAG Fund VI in die Frimo Group, einen Werkzeug- und Anlagenhersteller. Die DBAG und der Fonds wollen im Rahmen eines Management-Buy-Outs die Mehrheit an Frimo erwerben. Der Kaufpreis ist jedoch nicht bekannt. Die DBAG investiert bis zu 15 Millionen Euro in ihren Anteil. Das bisherige Management von Frimo erwirbt 20 Prozent der Anteile. Die Gesellschafter von Frimo werden bei der Transaktion durch die Kanzlei Noerr unter Federführung von Thorsten Reinhard und Andrea Zwarg beraten.

Der Werbevermarkter Ströer übernimmt das Startup Foodist, das Delikatessen verkauft. Foodist hatte sich zu Beginn über Crowdfunding finanziert und auf der Plattform Companisto rund 1,5 Millionen Euro Kapital eingeworben. Auch der Medienkonzern ProSiebenSat.1, das Verpackungs- und Logistikunternehmen BB Pack und die Gründer Alexander Djordjevic, Ole Schaumberg und Andreas Brandt waren bislang beteiligt.

Die CF Holding, die dem Finanzinvestor Alpina Partners gehört, hat das insolvente Unternehmen Crosslink Faserverbundtechnik mit Wirkung zum 1. August übernommen. Als M&A-Berater war Rödl & Partner unter Federführung von Henning Graw für den Insolvenzverwalter Joachim Exner tätig.

Der schwedische Dichtungshersteller Trelleborg hat über sein deutsches Tochterunternehmen Trelleborg Holdings Germany sämtliche Anteile an dem Gemeinschaftsunternehmen Freudenberg Schwab Vibration Control von der Freudenberg Gruppe erworben. Freudenberg Schwab stellt Luftfedersysteme her. Die Wettbewerbsbehörden müssen dem M&A-Deal noch zustimmen. Freudenberg hatte die Wirtschaftskanzlei CMS Hasche Sigle unter Leitung von Henrik Drinkuth als Berater mandatiert.

Das Im- und Exportunternehmen Sino-German United beteiligt sich an der Bitburger Braugruppe, um deutsches Bier nach China zu exportieren. Die Unternehmen sind bereits im April eine Partnerschaft eingegangen. Sino-German United wurde im März 2016 gegründet und erwartet einen Jahresumsatz von über 1 Million Euro.

Das österreichische Öl- und Gasunternehmen OMV verkauft 30 Prozent der Anteile an dem britischen Offshore-Öl- und Gasprojekt Rosebank in Höhe von 30 Prozent an das kanadische Energieunternehmen Suncor Energy. Nach dem M&A-Deal hält OMV noch 20 Prozent an Rosebank. Der M&A-Deal soll im vierten Quartal abgeschlossen werden, sobald die behördlichen Genehmigungen vorliegen. Bei Abschluss des Verkaufs erhält OMV eine Erstzahlung in Höhe von 50 Millionen US-Dollar. Bis zu 165 Millionen US-Dollar fließen OMV zudem zu, wenn die Rosebank-Partner eine abschließende Investitionsentscheidung treffen.

Der türkische Luftfahrtkonzern Turkish Aerospace Industries kauft den mittelständischen Flugzeugzulieferer Grunewald Stade. Die beiden Unternehmen haben bereits bisher kooperiert. Die Höhe des Kaufpreises gaben sie jedoch nicht bekannt. Die Käuferseite wurde durch GvW Graf von Westphalen unter Federführung von Helmut Kempf sowie durch I-Advise beraten. Für Grunewald Stade waren die Kanzlei Schmidt-Jortzig Petersen Penzlin sowie Commeo und Wiese & Möllmann tätig.

Das Hamburger Unternehmen Biesterfeld Spezialchemie hat mit Wirkung zum 1. August Schütz & Co., ein Distributeur für pharmazeutische Wirkstoffe, übernommen. Beraten wurde das Spezialchemieunternehmen bei der Übernahme durch die Kanzlei Herbert Smith Freehills unter Federführung von Dirk Hamann.

Die Klinikgruppe Sana Kliniken erwirbt das Bethesda Krankenhaus Stuttgart. Verkäufer sind der Gesundheitskonzern Agaplesion sowie die Bethanien Diakonissen-Stiftung. Beraten wurden die Sana Kliniken bei der Transaktion durch die Kanzlei Roever Broenner Susat Mazars unter Federführung von Daniel Ruppelt. Für die Verkäuferseite war PricewaterhouseCoopers tätig, das Team leitete Harald Maas.

Der Automobilzulieferer DexKo übernimmt mit Wirkung zum 31. August die Winterhoff Gruppe von Al-Ko-Vehicle Technology. Der Kaufpreis ist nicht bekannt. Die Kartellbehörden haben den Deal bereits freigegeben. Die Familie Winterhoff wurde bei der Transaktion durch Arqis beraten. Das Team leitete Jörn-Christian Schulze.

julia.schmitt[at]finance-magazin.de

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