M&A-Deals: Will KKR den Haushaltswarenhersteller WMF verkaufen?

WMF

20.11.15
Deals

M&A-Deals: WMF, DZ Bank, Leonardo

Der PE-Investor KKR will womöglich WMF verkaufen, die DZ Bank fusioniert mit der WGZ Bank und die Investmentbank Houlihan Lokey übernimmt Teil des Investmentbanking-Geschäfts von Leonardo & Co. Die M&A-Deals und M&A-News der Woche finden Sie in unserem FINANCE-Wochenrückblick.

KKR will offenbar WMF verkaufen

Der Finanzinvestor KKR zieht offenbar in Erwägung, den Haushaltswarenhersteller WMF zu veräußern, wie die Nachrichtenagentur Dow Jones berichtete. Demnach prüft der PE-Investor seine strategischen Möglichkeiten mit WMF. Bei einem Verkauf werde WMF wahrscheinlich mit über 1 Milliarde Euro bewertet. Im vergangenen Jahr erzielte WMF Umsätze von 1,02 Milliarden Euro.

Allerdings soll KKR noch keine Berater für einen möglichen M&A-Deal angeheuert haben. Der Investor hatte WMF erst vor weniger als einem Jahr von der Börse genommen.

DZ Bank und WGZ schließen sich zusammen

Die größten deutschen Genossenschaftsbanken DZ Bank und WGZ Bank fusionieren. Der Zusammenschluss soll 2016 abgeschlossen werden. Es wäre die größte Bankenfusion in Deutschland seit der Postbank-Übernahme durch die Deutsche Bank.

Die Frankfurter DZ Bank hat eine Bilanzsumme von rund 400 Milliarden Euro und ist damit mehr als vier Mal so groß wie die WGZ. Der neue Bankkonzern hätte mehr als 30.000 Mitarbeiter. An der Spitze des fusionierten Instituts soll DZ-Bank-Chef Wolfgang Kirsch. WGZ-CEO Hans-Bernd Wolberg wird sein Stellvertreter werden.

Houlihan Lokey übernimmt Leonardo: Das passiert in Deutschland

Die Investmentbank Houlihan Lokey und das Beratungshaus Leonardo & Co. schließen ihre Corporate-Finance-Aktivitäten zusammen. Houlihan Lokey übernimmt das Investmentbanking-Geschäft von Leonardo & Co. in Deutschland, den Niederlanden und Spanien. Die Italien-Aktivitäten von Leonardo werden künftig in einem Joint Venture gemeinsam mit dem Managementteam geführt. An dieser Einheit wird Houlihan Lokey eine Minderheit halten. Die neue Struktur bringt neben einem neuen Namen in Deutschland - Houlihan Lokey Leonardo - auch personelle Änderungen.

Neuer chinesischer Investor bei Alno

Der Küchenbauer AlnoAlno hat mit Shun Hing Electric Works & Engineering einen weiteren Investor aus China gewonnen. Shun Hing zeichnet zum einen eine Wandelschuldverschreibung mit einem Nominalwert von 5,7 Millionen Euro. Weiterhin hat der Konzern außerbörslich 2 Millionen Alno-Aktien erworben. Damit hält Shun Hing derzeit 2,7 Prozent der Alno-Anteile. Nach Wandlung der Schuldverschreibung wird die Beteiligung auf 9,1 Prozent steigen. Im März hatte sich mit der Nature Home Holding bereits ein erstes chinesisches Unternehmen mit 9,09 Prozent an Alno beteiligt.

CTS Eventim könnte Unister übernehmen

Der Tickethändler CTS Eventim will Medienberichten zufolge das Internetunternehmen Unister übernehmen. Das Leipziger Unternehmen betreibt Onlineportale wie fluege.de und ab-in-den-urlaub.de. Demnach hatte Unister bereits Anfang des Jahres versucht, einen Investor zu finden.

Dabei sollen unter anderem der Finanzinvestor EQT und der Medienkonzern ProSiebenSat.1 im Spiel gewesen sein. Größter Anteilseigner ist derzeit Unister-Gründer Thomas Wagner, der etwa 40 Prozent der Anteile hält.

Fahrradhändler ZEG übernimmt Fahrradgeschäft von Kettler

Der Kölner Fahrradhändler Zweirad-Einkaufs-Genossenschaft (ZEG) übernimmt das Fahrradwerk des insolventen Unternehmens Heinz Kettler. Die Gläubiger von Kettler müssen dem M&A-Deal allerdings noch zustimmen. Auch die Freigabe durch das Bundeskartellamt steht noch aus.

Mit dem Verkauf des Fahrradgeschäfts will sich Kettler auf die Herstellung von Sport- und Spielgeräten konzentrieren. Details des Deals wurden nicht bekanntgegeben. ZEG setzte im vergangenen Jahr mit mehr als über 500 Millionen Euro um.

Elliott erhöht den Druck auf Dialog Semiconductor

Der US-Investor Elliott hat seinen Anteil am Chiphersteller Dialog Semiconductor von 3 auf 5 Prozent erhöht. Elliott versucht, die geplante Übernahme von US-Wettbewerber Atmel durch Dialog zu verhindern. Daran kritisiert Elliott hauptsächlich den hohen Kaufpreis, den Dialog zahlen will. Dialog wiederum verweist in diesem Zusammenhang auf Elliotts Eigeninteressen – denn der Investor könnte von einer negativen Entwicklung der Atmel-Aktie profitieren.

M&A-Personalien

Partnerin Alexandra Hagelüken ist von Clifford Chance in das Finance-Team der Wirtschaftskanzlei Latham & Watkins gewechselt. Sie berät bei Unternehmensfinanzierungen und Restrukturierungen. Außerdem verstärkt Cora Grannemann ab April das Finance-Team von Latham & Watkins. Sie kommt von der IKB Deutsche Industriebank, war allerdings früher ebenfalls bei Clifford Chance tätig und wird im Team von Alexandra Hagelüken arbeiten.

Der PE-Investor Adcuram hat mit Armin Bire, Rüdiger Badke und Stefan Weiß drei neue Vorstände ernannt. Armin Bire, der seit 2006 für Adcuram tätig ist, wird gemeinsam mit den bestehenden Vorständen Thomas Probst und Florian Meise unter anderem den Finanzbereich verantworten. Rüdiger Badke arbeitet seit 2010 für Adcuram, davor war er unter anderem bei McKinsey tätig. Stefan Weiß kam ebenfalls 2006 von PwC zu Adcuram.

Die Mediengruppe Funke Digital hat Alexander Rüben die Leitung ihres neu geschaffenen Geschäftsbereichs M&A und Business Incubation übertragen. Funke will die Unternehmensstrukturen so für künftige Akquisitionen vorbereiten. Rüben ist seit 2008 bei Funke tätig. Zuletzt war er als Head of Operations Mitglied der Geschäftsleitung von Funke Digital. Allerdings wird Rüben auch weiterhin die Digital-Beteiligungen der Unternehmensgruppe verwalten.

Weitere M&A-Deals

Infineon hat dpa zufolge den Bieterwettstreit um den US-Halbleiterexperten Fairchild verloren. Demnach habe On Semiconductor Fairchild für 20 US-Dollar je Aktie übernommen, woraus sich eine Bewertung von insgesamt 2,4 Milliarden US-Dollar ergibt. Die Übernahme soll im zweiten Quartal 2016 abgeschlossen werden. So wie es aussieht, hat Infineon aber schon ein anderes Ziel im Visier: Medienberichten zufolge hat der Chiphersteller Interesse an einer Beteiligung beim staatlich gestützten japanischen Konkurrenten Renesas. Renesas gehört zu den größten Halbleiterherstellern weltweit und gilt als einer der führenden Anbieter bei der Herstellung von Chips für Autos.

Der Immobilienriese Vonovia übernimmt mit Wirkung zum 1. Januar die Bochumer IVV Immobiliengruppe. Der Kaufpreis ist nicht bekannt, allerdings soll der Deal noch vor Jahresende abgeschlossen werden. Die Gesellschafter von IVV werden bei dem Verkauf durch die M&A-Beratung Keller & Coll beraten. IVV verwaltet etwa 16.000 Wohnungen, die vor allem in Köln, Bonn und Düsseldorf liegen. Vonovia will die 70 Mitarbeiter des Unternehmens weiter beschäftigen. Im Oktober hatte Vonovia bereits den Immobilienverwalter O-Tec übernommen.

Der Luxemburger Finanzinvestor Luxempart ist bei dem unter einer Auftragsflaute leidenden Tec-Dax-Unternehmen LPKF Laser eingestiegen. Luxempart hat die Meldeschwelle von 3 Prozent überschritten. Näheres zu den Absichten des neuen Aktionärs bei dem Garbsener Laserspezialisten ist nicht bekannt.

Adesso hat seine Beteiligung an dem E-Commerce-Unternehmen Arithnea von 51 auf 100 Prozent erhöht. Ursprünglich sollte die Übernahme erst 2017 erfolgen. Adesso-CFO Christoph Junge will die E-Commerce- und Content-Management-Aktivitäten von Adesso in die Arithnea einbringen. Das Unternehmen wird dann rund 200 Mitarbeiter haben.

Die Günther Holding hat über ihr Tochterunternehmen Orpheus Capital II die 30-Prozent-Schwelle bei M.A.X. Automation überschritten. Darum hat sie den Aktionären ein Pflichtangebot unterbreitet, ihre Aktien für je 5,30 Euro einzutauschen. Allerdings dürften kaum Anleger das Angebot annehmen – aktuell liegt der Kurs der Aktie bei etwa 5,50 Euro. Dies könnte sich jedoch ändern, sollte der Aktienkurs in den nächsten Wochen sinken.

Der PE-Investor Ardian will seine Minderheitsbeteiligung an dem Automobilzulieferer Novarc verkaufen. Käufer ist Bpifrance. Ardian hatte sich 2012 an dem Unternehmen beteiligt, das elektrische Sicherheitslösungen für die Automobilindustrie herstellt. Der Kaufpreis ist nicht bekannt.

Die Übernahme von Sigma-Aldrich durch Merck ist jetzt perfekt: Das Darmstädter Unternehmen übernimmt den US-amerikanischen Laborzulieferer demnach für rund 13 Milliarden Euro. Damit erzielt Merck künftig Umsätze im Life-Science-Geschäft von rund 4,6 Milliarden Euro.

Chequers Capital veräußert seine Mehrheitsbeteiligung an dem Werkzeughersteller Metabo an den japanischen Werkzeugkonzern Hitachi Power Tools. Details des Deals sind nicht bekannt. Die Zustimmung der Kartellbehörden steht noch aus. Beraten wurde Chequers Capital durch die Wirtschaftskanzlei Latham & Watkins unter Federführung von Burc Hesse. Hitachi hatte die Wirtschaftskanzlei Baker & McKenzie als Berater mandatiert, die Feder führten Thomas Gilles und Björn Simon.

Die Schweizer Privatbank Julius Bär hat ihre Beteiligung an dem italienischen Vermögensverwalter Kairos von 19,9 auf 80 Prozent aufgestockt. Der Deal soll im Laufe des kommenden Jahres abgeschlossen werden. Außerdem will Julius Bär Kairos an die Mailänder Börse bringen. Kairos verwaltet ein Vermögen von rund 8 Milliarden Euro, während das Bankhaus Bär selbst ein Vermögen von etwa 297 Milliarden Schweizer Franken verwaltet.

Das Beteiligungsunternehmen Aurelius übernimmt das Cloud-Geschäft Colt Managed Cloud (CMC) von der Colt Group. Der Geschäftsbereich soll in das Serviceunternehmen Getronics integriert werden. CMC strebt für das aktuelle Geschäftsjahr einen Umsatz von rund 77 Millionen Euro an.

Beim insolventen Elektronikhersteller Blaupunkt laufen laut dpa ernsthafte Gespräche mit möglichen Investoren. Der bestellte Sachwalter Rainer Eckert erklärte, dass sowohl ein strategischer als auch ein Finanzinvestor Interesse am Einstieg bei Blaupunkt hätten. Die Blaupunkt Technology Group hat rund 450 Mitarbeiter in sechs Ländern.

Nur wenige Monate nach der geplatzten Übernahme durch Monsanto gibt es einen neuen Interessenten für Syngenta. Bloomberg zufolge habe der chinesische Chemiekonzern ChemChina 449 Schweizer Franken je Aktie geboten. Dies entspräche einer Bewertung von 41,7 Milliarden Schweizer Franken (rund 38,6 Milliarden Euro). Allerdings habe Syngenta das Angebot wegen regulatorischer Risiken abgelehnt.

Inflexion Private Equity übernimmt im Rahmen eines Carve-Outs den Geschäftsbereich Tiergesundheit und Pflanzenschutz vom Marktforschungskonzern GfK gemeinsam mit dem aktuellen Management um Stephen Hearn. Beraten wurde Inflexion bei dem M&A-Deal durch die Wirtschaftskanzlei Noerr unter Leitung von Thomas Schulz sowie durch Addleshaw Goddard mit einem Team um Andrew Green. Für GfK war die Kanzlei Jones Day unter Federführung von Martin Schulz beratend tätig. Die Transaktion soll im ersten Quartal 2016 abgeschlossen werden. Auch alle 220 Mitarbeiter werden übernommen.

Overlack, ein Vertriebsunternehmen für chemische Rohstoffe, hat die Stuttgarter Unternehmensgruppe Klink erworben. Die Übernahme erfolgte im Rahmen einer Private-Equity-Partnerschaft mit der Hannover Finanz, die über eine Wandelanleihe Eigenkapital bereitgestellt hat. Overlack wurde bei der Transaktion durch ein Team von Rödl & Partner unter Federführung von Peter Stramitzer und Dirk Halm begleitet und führte eine Legal, Tax und Financial Due Diligence bei Klink durch. Der M&A-Deal wurde bereits durch das Bundeskartellamt genehmigt.

Astellas Pharma hat im Rahmen eines Asset Deals seinen Unternehmensbereich Dermatologie für 675 Millionen Euro in bar an das dänische Unternehmen Leo Pharma verkauft. Der M&A-Deal soll im ersten Quartal 2016 vollzogen werden. Beraten wurde Astellas Pharma durch die Wirtschaftskanzlei Latham & Watkins unter Federführung von Christoph Engeler. Für Leo Pharma war Gleiss Lutz unter Federführung von Jan Bauer tätig.

Bayer will sein Agrarchemiegeschäft CropScience nicht verkaufen. Darüber hinaus wolle der Konzern keine Stellung zu Marktspekulationen nehmen, wie Reuters berichtete. Zuvor hatte der US-Saatguthersteller Monsanto angekündigt, nach Übernahmezielen Ausschau zu halten.

Ströer Digital Ventures erwirbt 51 Prozent an Conexus, einem norwegischen Big-Data-Unternehmen. Ströer will mit dem Deal Synergien für das eigene Digitalgeschäft in Deutschland erzielen. Ströer erwartet für 2016 einen Umsatzbeitrag von mehr als 12 Millionen Euro und einen Beitrag zum Operational Ebitda zwischen 2,5 und 3 Millionen Euro. Der Kaufpreis basiert auf einer Bewertung mit dem Achtfachen des für 2016 erwarteten Ebitda.

Die Familien Ströer und Müller als Gründerfamilien des Medienunternehmens Ströer wollen bis zu 5,4 Millionen Ströer-Aktien – rund 9,74 Prozent - verkaufen. Platziert werden sollen die Anteile in einem beschleunigten Bookbuilding-Verfahren. Für ihre verbleibenden Beteiligungen haben die Familien eine zwölfmonatige Haltefrist vereinbart.

Aurelius kauft die Sparte „Trade“ des Schweizer Handelsunternehmens Valora Holding. Der veräußerte Geschäftsbereich soll im aktuellen Geschäftsjahr rund 400 Millionen Euro Umsatz erzielen. Weitere Details sind nicht bekannt.

Die Bertelsmann-Tochter Gruner + Jahr hat das auf Schüler- und Studierendenmmarketing spezialisierte Unternehmen Employour übernommen. Beraten wurden die Gesellschafter von Employour durch ein Team von Willkie Farr unter Leitung von Axel Wahl und Mario Schmidt.

Die Demire Deutsche Mittelstand Real Estate kann das Immobilienunternehmen Fair Value REIT übernehmen. Die Mindestannahmequote für das freiwillige öffentliche Übernahmeangebot von 50,1 Prozent wurde nach Unternehmensangaben erreicht.

julia.schmitt[at]finance-magazin.de

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