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Software AG kauft für eine halbe Milliarde Euro zu

Die Software AG kauft Streamsets. Foto: Software AG
Die Software AG kauft Streamsets. Foto: Software AG

Die Software AG schlägt wieder am M&A-Markt zu und kauft Streamsets, einen US-Anbieter, der Unternehmenskunden Datenintegration für moderne Analytik bereitstellt. Dafür legen die Darmstädter 524 Millionen Euro auf den Tisch. Das Geld für den Deal stammt aus Barmitteln und bestehenden Kreditfazilitäten der Gruppe. Das Closing soll vor dem Ende des ersten Halbjahrs 2022 erfolgen.

Streamsets und die Software AG ergänzen sich nach Aussage der Darmstädter gut: Durch den Zukauf gewinne die Software AG erhebliches und schnell wachsendes Software-as-a-Service(SaaS)- und Subskriptionsgeschäft hinzu. Bis vor kurzem setzte der MDax-Konzern noch auf Lizenzmodelle. „Diese Akquisition ist ein wichtiger Meilenstein für die Software AG. Wir übernehmen ein schnell wachsendes Unternehmen, das in einem Cloud-Markt operiert, der ein jährliches Wachstum von 26 Prozent aufweist“, kommentiert Software-AG-CEO Sanjay Brahmawar den Deal. Der Standort in Kalifornien stärke zudem die Präsenz der Software AG in Nordamerika.

Software AG rechnet mit hohen Synergien

Auch finanziell verspricht sich der MDax-Konzern einiges vom Deal. Durch den zusätzlichen Verkauf der komplementären Produkte von Streamsets und neuen gemeinsamen Lösungen erwartet die Software AG, dass die Umsatzsynergien höher sein werden als der eigenständige Umsatz von Streamsets im Jahr 2021. Dieser soll laut der Software AG in den vergangenen vier Jahren bis 2021 mit einer durchschnittlichen jährlichen Umsatzwachstumsrate von mehr als 70 Prozent angestiegen sein. Wie hoch der Umsatz ist, teilten die Darmstädter aber nicht mit. Analysten gehen von einem hohen Multiple für Streamsets von 10x bis 12x Umsatz aus, betonen aber auch, dass bei ähnlichen Transaktionen vergleichbare Multiples gezahlt werden.

Zusätzlich will die Software AG auch die Betriebsgrößenvorteile nutzen. Dadurch soll das Start-up bei gleichzeitig hohen Wachstumsraten ein noch effizienteres Wachstum und eine deutliche Profitabilitätssteigerung erreichen. Insgesamt avisieren die Darmstädter, dass Streamsets das Umsatzwachstum im hohen zweistelligen Bereich halten wird.

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Dr. Matthias Heiden, Software AG

Dr. Matthias Heiden

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Software AG

Konkret geht der Konzern davon aus, dass der Konzernumsatz (non-IFRS) durch die Übernahme dieses Jahr um 12 Prozent bis 16 Prozent steigen könnte. Allerdings wird der Deal zunächst das operative Ergebnis belasten: Der Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) soll um 13 bis 17 Millionen Euro geringer ausfallen. Ab 2023 soll der Deal dann zum organischen Wachstum beitragen. Dadurch soll das Ziel für 2023, einen Umsatz von 1 Milliarde Euro zu erreichen, „deutlich“ übertroffen werden. An der Prognose für dieses und kommendes Jahr, die der Konzern erst vergangene Woche vorstellte, hält der Konzern fest.

Im vergangenen Jahr nahm der Konzern einen Umsatz von 833,8 Millionen Euro ein und einen Vorsteuergewinn (Ebit) von 122,1 Millionen Euro.

Software AG mit neuer M&A-Strategie

Der jetzige Zukauf ist der erste im Rahmen der neuen M&A-Strategie, durch die der Konzern das Unternehmenswachstum beschleunigen will, indem er weitere Bereiche seines adressierbaren Markts – speziell im Cloud-Geschäft – von 61 Milliarden Euro erschließt. Dabei sucht die Software AG systematisch vorwiegend nach kleineren Add-ons, erklärte CFO Matthias Heiden Anfang 2021 im Gespräch mit FINANCE.

Vorher fuhr der Konzern eine eher aggressive M&A-Strategie: In den vergangenen zehn Jahren hat der MDax-Konzern rund 20 Firmen übernommen. Vor allem 2019 – damals noch unter Finanzchef Arnd Zinnhardt – und seit Sommer 2020 unter der Leitung von CFO Heiden zogen die Darmstädter das M&A-Tempo an. Gleichzeitig wurde 2019 das Transformationsprogramm „Helix“ ins Leben gerufen, das der Software AG wieder zu mehr Wachstum verhelfen sollte.

Software AG profitiert von Silver Lakes M&A-Netzwerk

Vergangene Woche, als die Software AG die Zahlen für 2021 vorstellte, machte der Konzern deutlich, dass die Investitionen ins Transformationsprogramm ihren Höhepunkt überschritten haben und die Belastungen demnach wieder abnehmen. Mit dem fortgeschrittenen Programm im Rücken sehen sich die Darmstädter nun offenbar in der Lage, wieder aktiver am M&A-Markt zu agieren.

Darüber hinaus wolle das Unternehmen von der M&A-Expertise seines Investors Silver Lake profitieren. Der Technologieinvestor stieg mit 10 Prozent über eine Wandelschuldverschreibung von 344 Millionen Euro im Dezember 2021 bei den Darmstädtern ein. Kurz davor gab es immer wieder Spekulationen, dass die Software AG verkauft werden soll. Damals machte CFO Matthias Heiden aber klar, dass es bereits im kommenden Jahr neue Deals geben könnte mit der Software AG auf der Käuferseite – gesagt, getan. Schon da sprach der Finanzchef von Targets aus den Bereichen „Data Integration“ oder „Workflow Automation“. Laut der Unternehmensangaben soll gerade im Segment „Cloud-Datenintegration“ bis zum Jahr 2025 ein Volumen von 3,5 Milliarden US-Dollar erreicht werden, das Segment soll jährlich um 26 Prozent wachsen.

In einer Analystenkonferenz am heutigen Dienstag sagte CEO Brahmawar, dass die Software AG bei dem Deal vom Netzwerk und der Expertise von Silver Lake profitieren konnte. Dennoch sei die konkrete Transaktion nicht auf den Einstieg von Silver Lake zurückzuführen. Auch weitere Deals seien nicht ausgeschlossen, konkrete Targets gebe es aber noch nicht.

sarah.backhaus[at]finance-magazin.de

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Sarah Backhaus ist Redakteurin bei FINANCE und DerTreasurer. Sie hat Journalismus an der Hochschule für Medien, Kommunikation und Wirtschaft in Köln studiert. Sarah Backhaus arbeitete während ihres Studiums unter anderem für Onlinemagazine von Gruner + Jahr und schrieb als freie Journalisten für die Handelszeitung, faz.net und Impulse.

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