Der deutsche Mittelstand ist in den Schlafzustand versetzt worden. Was richtet das in den Portfolios der Private-Equity-Investoren an?

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31.03.20
Deals

Diese Corona-Folgen sehen die PE-Investoren

Wie wirkt sich Corona auf laufende M&A-Projekte im Private-Equity-Umfeld aus – und wie auf die Portfoliounternehmen und strategischen Pläne der Finanzinvestoren? FINANCE hat erste Daten gesammelt.

Die Corona-Krise hat auch das Geschäft mit Mittelstands-Private-Equity in Deutschland auf den Kopf gestellt. Das zeigen Vorab-Ergebnisse des aktuellen FINANCE Private Equity Panels, für das FINANCE gemeinsam mit der Kanzlei CMS Ende März rund 50 führende in Deutschland tätige Private-Equity-Häuser befragt hat.

Die (anonymen) Antworten der Private-Equity-Investoren zeigen Verwerfungen im Transaktionsgeschäft: 86 Prozent der Teilnehmer berichten, dass in sehr starkem oder gar extremem Ausmaß laufende M&A-Deals abgebrochen worden seien. 73 Prozent gaben außerdem noch an, dass in hohem Maße auch geplante Add-on-Akquisitionen für ihre Portfoliounternehmen auf Eis gelegt wurden.

Vor allem hat sich der Fokus in der Due Diligence praktisch von heute auf morgen komplett verändert: Über 95 Prozent der FINANCE-Panelisten berichten, dass sie oder andere Kaufinteressenten mögliche Targets nun extrem intensiv auf Corona-Folgen prüfen würden. Die Entwicklung hat eine andere Qualität als die Stresssituation nach Ausbruch der Finanzkrise, findet CMS-Partner Jacob Siebert: „Anders als 2008/2009 werden derzeit die Geschäftsmodelle fast aller Branchen einem massiven Stresstest unterzogen. Dies wirbelt den Markt stark durcheinander und wird uns auch 2021 noch beschäftigen.“

Die Verkäufer zeigen sich hartleibig

Laufende und demnächst beginnende M&A-Prozesse sind also erheblich belastet. Trotzdem halten viele Verkäufer offenbar trotz der Corona-Krise an ihren Preisvorstellungen fest: Jedenfalls berichten nur 56 Prozent der Befragten von erheblichen Rückgängen bei den Kaufpreisforderungen.

Befragt wurden die Panelisten jeweils nach einer Wertung zwischen 1 (minimaler Effekt) und 5 (massiver Effekt). Mit einem Mittelwert von 3,61 Punkten sind die Einschnitte bei den Kaufpreisen wesentlich schwächer als bei den Corona-Auswirkungen auf die weiteren abgefragten Aspekte von M&A-Prozessen, bei denen jeweils Werte zwischen 4,00 und 4,74 erreicht wurden.

Mutige PE-Manager denken an neue Zukäufe

Nicht ganz so stark wie auf das M&A-Geschehen wirkt sich das Coronavirus offenbar auf die Geschäfte der deutschen Mittelständler in Private-Equity-Hand aus. Den Private-Equity-Managern wurden Aspekte genannt, bei denen sie jeweils das Ausmaß der Auswirkungen einschätzen sollten (1 = wenig, 5 = massiv): Dass die Geschäftszahlen ihrer Unternehmen sich schon jetzt klar unter Plan entwickeln, sehen sie in Summe noch nicht (2,78 Punkte). Härter dürften die negativen Folgen dann jedoch im zweiten Quartal zu Buche schlagen (3,78 Punkte). Ebenfalls kritisch ist der hohe Wert bei der These, dass bei manchen Portfoliounternehmen die Covenants in Gefahr zu geraten drohen (3,22 Punkte).

Nichtsdestotrotz präsentieren sich die befragten Private-Equity-Manager angespannt-optimistisch. Viele von ihnen wittern bereits Chancen in der aktuellen Krisenlage. So sind immerhin 58 Prozent stark oder sehr stark davon überzeugt, dass ihre Unternehmen die Corona-Krise besser bewältigen werden als deren direkte Wettbewerber. Der Durchschnittswert der Antworten beträgt 3,78. Mit 3,74 Punkten fast genauso große Zustimmung findet die These, dass Corona unerwartete Zukaufgelegenheiten für Add-on-Akquisitionen schaffen wird.  

Vertragsgestaltung bei M&A-Deals wird zentral

Dabei dürften jene rechtliche Instrumente eine Renaissance erleben, die immer dann gefragt sind, wenn die Zukunftsaussichten und damit die Bewertungsgrundlagen unklar sind. Jeweils mehr als drei Viertel der Befragten gaben an, dass sie in naher Zukunft viel stärker als zuletzt mit MAC-Klauseln und Kaufpreisanpassungsklauseln arbeiten wollen, allen voran mit Earn-outs. Dass eine gesicherte Finanzierung in den kommenden Monaten zu einem sehr wichtigen Aspekt in M&A-Verhandlungen werden wird, glauben 70 Prozent.

„Wer jetzt einen Deal machen möchte, braucht gute Nerven und vor allem einen guten Vertrag.“

Tobias Schneider, Private-Equity-Partner, CMS

„Wer jetzt einen Deal machen möchte, braucht in der Regel gute Nerven und vor allem einen guten Vertrag, der die aktuellen Unsicherheiten über Material-Adverse-Change-Regelungen, Earn-outs, Besserungsscheine, Finanzierungsvorbehalte und so weiter abbildet“, sagt CMS-Partner Tobias Schneider – und rät: „Kreativität bei der Vertragsgestaltung ist jetzt besonders wichtig.“

michael.hedtstueck[at]finance-magazin.de

Die kompletten Ergebnisse des FINANCE Private Equity Panels werden wir kurz nach Ostern veröffentlichen, darunter auch die Folgen der Corona-Krise für Leveraged Finance und die wichtigsten Zielbranchen.