Holen die Debt-Fonds bei Leveraged Finance in diesem Jahr zum finalen Schlag gegen die Banken aus?

Rudy Balasko/iStock/Getty Images

10.02.20
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Endet der Preiskampf bei Leveraged Finance?

Sowohl bei den Leverage-Multiples als auch bei den Spreads der begehrten Unitranches scheint die ewige Rekordjagd nun endgültig vorbei zu sein. Trotzdem fürchten sich die Leveraged-Finance-Banker vor dem finalen Schlag der Debt-Fonds.

Der Preiskampf, der den deutschen Markt für Leveraged Finance in den vergangenen Jahren geprägt hat, scheint an eine Grenze zu stoßen. Eine Umfrage der Corporate-Finance-Beratung Lincoln International unter Leveraged-Finance-Bankern und Managern von Private-Debt-Fonds liefert einige Hinweise dafür. So rechnen für das gerade begonnene Jahr jeweils rund drei Viertel der befragten Banker und Debt-Fondsmanager mit einem unveränderten Pricing. Eine Verschiebung der Machtverhältnisse von den Kreditnehmern zu den Kreditgebern bedeutet das freilich nicht – so gut wie keiner der Befragten glaubt an einen bevorstehenden Anstieg der Kredit-Spreads.

Die Unitranche wird nicht mehr billiger

Der gleiche Befund zeigt sich auch für die Verschuldungs-Multiples und die generelle Dealtätigkeit am deutschen Midmarket, die gerade ein neues Rekordniveau erreicht hat. Bei beiden Indikatoren erwarten die Marktteilnehmer keine weiteren Sprünge mehr, aber weiterhin einen sehr robusten Trend.

„Die Kreditgeber sind deutlich selektiver geworden.“

Dominik Spanier, Head of Debt Advisory DACH, Lincoln International

Dominik Spanier, der das Debt Advsiory von Lincoln in der DACH-Region leitet, teilt diesen Eindruck: „Die klassischen Unitranche-Spreads scheinen einen Boden gefunden zu haben, sie fallen nicht mehr nennenswert. Und die Kreditgeber sind auch deutlich selektiver geworden“, sagte Spanier in einem FINANCE-Interview, das Sie hier nachlesen können.

Leveraged-Finance-Banker bleiben misstrauisch

Doch in der Tiefe des von Lincoln erhobenen Zahlenwerks, das FINANCE vorliegt, zeigen sich dennoch gewisse Verschiebungen, die zum Teil bemerkenswert sind. So glauben in der Rückschau immerhin 25 Prozent der befragten Banker und sogar 38 Prozent der Debt-Fondsmanager, dass die Kreditbedingungen 2019 gelockert worden seien. Demnach könnte die jetzt zu erwartende Stagnation letztlich eine Festschreibung des deutlich gestiegenen Risikoniveaus der Finanzierungen bedeuten.

Und wie schon im vergangenen Jahr, als die Banker den Debt-Fondsmanagern ein sehr aggressives Preisverhalten attestierten, argwöhnen die Banker auch jetzt wieder, dass die Debt-Fonds im Jahresverlauf mit höherer Risikobereitschaft zu Werke gehen werden, als von diesen selbst in Aussicht gestellt: Während nur 30 Prozent der Debt-Fondsmanager angeben, dass sich die Spreads der Unitranches, ihres Standardprodukts, 2020 reduzieren werden, glauben 88 Prozent der Banker, dass genau das passieren wird. Damit sind noch einmal deutlich mehr Banker misstrauisch als vor einem Jahr – damals bezifferte Lincoln ihren Anteil auf rund 50 Prozent.

Konzentrieren sich die Risikokredite bei den Banken?

Auch ganz generell scheinen die Banker nicht zu glauben, dass der Vormarsch der Debt-Fonds, deren Anteil am deutschen Leveraged-Finance-Markt inzwischen schon bei über 50 Prozent liegt, dem Markt gut tut. 94 Prozent von ihnen sind der Ansicht, dass zu viel Geld im Markt sei. Bei den Debt-Fonds sind es nur 57 Prozent. Und von jenen Fondsmanagern, die dieser Ansicht sind, erwartet auch nur jeder zweite, dass die Debt-Fonds ihre Preise noch aggressiver gestalten werden.

Diese unterschiedliche Wahrnehmung des Marktrisikos könnte darauf zurückzuführen sein, dass die Banken derzeit größere Brandherde in ihren Private-Equity-Kreditportfolios zu haben scheinen als die Anbieter von Private Debt: Während 58 Prozent der befragten Debt-Fonds angaben, im vergangenen Jahr kein einziges „Kreditereignis“ gehabt zu haben, ist es bei den Banken mit 19 Prozent nur eine kleine Minderheit.

63 Prozent der Banker berichten stattdessen davon, dass sie in ihrem Kreditbuch 2019 mindestens einen Covenant-Reset mit anschließendem Eigenkapitalnachschuss gehabt hätten. Unter den Debt-Fonds liegt dieser Anteil bei sehr niedrigen 23 Prozent – behaupten die Debt-Fondsmanager. Spanier warnt aber davor, „aus diesen Aussagen einen Trend abzulesen“. Die Banken hätten einfach größere Portfolios und von früher auch noch ein nennenswertes Exposure zu derzeit schwierigen Branchen wie Automotive, Einzelhandel oder Chemie: „Diese Branchen werden von den Debt-Fonds teilweise bewusst ausgespart. Die Verteilung der Kreditereignisse im vergangenen Jahr scheint mir daher eher ein ‚Legacy‘-Thema zu sein“, glaubt Finanzierungsberater Spanier.
        
michael.hedtstueck[at]finance-magazin.de

In einem FINANCE-Interview hat Dominik Spanier die Ergebnisse der Marktumfrage eingeordnet. Wie er die aktuelle Lage einschätzt, lesen Sie hier.