Exit via IPO: Der Finanzinvestor Cinven will die Laborkette Synlab noch im ersten Halbjahr 2021 an die Börse bringen.

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07.04.21
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Finanzinvestor Cinven bringt Synlab an die Börse

Cinven will Synlab noch im ersten Halbjahr an die Börse bringen. Die Laborkette könnte dabei mit bis zu 6 Milliarden Euro bewertet werden – damit hätte sich der Wert seit dem Einstieg des Finanzinvestors mehr als verdreifacht.

Nach dem IPO von Friedrich Vorwerk steht nun der nächste Börsengang eines Private-Equity-finanzierten Unternehmens an: Der Finanzinvestor Cinven will Synlab an die Börse bringen. Das teilte Synlab heute mit. Der IPO soll noch im zweiten Quartal dieses Jahres über die Bühne gehen. Die Aktien sollen im Prime Standard der Frankfurter Wertpapierbörse gehandelt werden.

Synlab ist ein klinischer Labor- und medizinischer Diagnostikdienstleister und führt derzeit zum Beispiel auch Corona-Tests durch. Die Laborkette war nach eigenen Angaben der erste Labordienstleister in Europa, der PCR-Testungen auf das Coronavirus im industriellen Maßstab anbot. Im vergangenen Jahr erzielten die Münchener nach eigenen Angaben einen Umsatz von über 2,6 Milliarden Euro mit 20.000 Mitarbeitern. Der Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) lag bei 679 Millionen Euro.

Für den geplanten Börsengang sind auch schon eine Reihe an Beratern mandatiert: Goldman Sachs und J.P. Morgan begleiten die Transaktion als Joint Global Coordinators und Joint Bookrunners. BofA Securities, Deutsche Bank, Barclays, BNP Paribas, HSBC, Jefferies und Unicredit sind Joint Bookrunners. Co-Lead Managers sind Crédit Agricole CIB und Natixis. Lilja & Co. ist der unabhängige Berater der Synlab-Gesellschafter.

Synlab: Kapitalerhöhung soll 400 Millionen Euro erlösen

Die Transaktion besteht aus zwei Schritten, wie ein Unternehmenssprecher gegenüber FINANCE erklärte: Zunächst will Synlab im Rahmen einer Kapitalerhöhung neue Aktien ausgeben. Der Bruttoerlös der Kapitalerhöhung für Synlab soll bei 400 Millionen Euro liegen. Den Erlös aus der Kapitalerhöhung will Synlab vor allem dafür verwenden, um ausstehende Finanzverbindlichkeiten zurückzuzahlen. Der Leverage soll mittelfristig auf unter 3x Ebitda sinken. Zum Ende des vergangenen Jahres lag er einem Unternehmenssprecher zufolge bei 3,3x Ebitda.

Im zweiten Schritt werden die Altaktionäre Anteile aus ihrem Bestand veräußern. Derzeit an Synlab beteiligt sind der Finanzinvestor Cinven, der den größten Anteil an dem Unternehmen hält, die dänische Novo Holdings, der kanadische Pensionsfonds Ontario Teachers‘ Pension Plan Board sowie weitere Minderheitsaktionäre. Das Synlab-Management hatte sich nach der Übernahme durch Cinven an Synlab rückbeteiligt.

Wie hoch die einzelnen Anteile der Gesellschafter sind und von wie vielen Anteilen sie sich im Rahmen des Börsengangs trennen möchten, teilte das Unternehmen auf FINANCE-Nachfrage nicht mit. Klar dürfte aber sein, dass sich Cinven zunächst von einem kleineren Aktienpaket trennen und weitere Anteile nach dem Börsengang über den freien Markt zu einem guten Kurs veräußern wird.

Synlab könnte mit 6 Milliarden Euro bewertet werden

Gerüchte darüber, dass sich Cinven von Synlab trennen will, kursieren bereits seit über einem Jahr. Anfang dieses Jahres berichteten verschiedene Medien zudem von einem möglichen Börsengang. Wie die Nachrichtenagentur Bloomberg schon Ende 2019 berichtete, könnte Synlab mit bis zu 6 Milliarden US-Dollar bewertet werden, zuletzt schrieb Reuters sogar schon von 7,1 Milliarden US-Dollar (umgerechnet 6 Milliarden Euro). Gemessen am 2020er Ebitda von 679 Millionen Euro entspräche dies einem Multiple von 8,8x.

Cinven hatte Synlab im Jahr 2015 von dem Finanzinvestor BC Partners übernommen, der wiederum rund 70 Prozent der Laborkette im Jahr 2010 gekauft hatte. Die Bewertung inklusive Schulden belief sich damals Marktkreisen zufolge auf 1,85 Milliarden Euro, was bedeuten würde, dass sich der Wert des Unternehmens während Cinvens Haltedauer mehr als verdreifacht hätte. Auf Basis des im Jahr 2014 erzielten Ebitdas von 134 Millionen Euro errechnet sich ein Ebitda-Multiple von über 13x. Das aktuelle Multiple von 8,8x Ebitda liegt somit deutlich darunter.

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Ein Grund für die damals enorme Bewertung: Es gab noch viele andere Interessenten für Synlab, sowohl seitens Strategen wie Fresenius als auch seitens anderer Finanzinvestoren wie EQT. Der hohe Wettbewerb heizte die Kaufpreisverhandlungen an und trieb die Unternehmensbewertung in die Höhe.

Synlab will weiter über M&A wachsen

Bereits unter BC Partners wuchs Synlab durch Zukäufe, Cinven setzte diese Strategie fort. Nach über 100 Add-on-Akquisitionen steht für Synlab nun der nächste Wachstumsschritt an. „Wir werden unsere Wachstumsstrategie weiter konsequent umsetzen. Dabei werden wir unsere Führungsposition in Europa zusammen mit der Präsenz in ausgewählten Schwellenländern nutzen, um für Aktionäre Wert zu schaffen“, lässt sich Synlab-CEO Mathieu Floreani zitieren. Das soll vor allem durch M&A geschehen: Für weitere Zukäufe will Synlab jährlich rund 200 Millionen Euro in die Hand nehmen.

Die M&A-Strategie von Synlab ist simpel: Die Laborkette kauft und kombiniert Zentrallabore mit geografisch verteilten Basislaboren und Entnahmezentren. Das ermöglicht dem Unternehmen zufolge eine schnelle Erweiterung – eine sehr effiziente „Buy-and-build“-Strategie in einem noch immer sehr fragmentieren Markt. Durch die weitere Optimierung des Labornetzes und Prozessverbesserungen ergeben sich laut Synlab „erhebliche Größenvorteile“.

Synlab will Umsatz auf über 3 Milliarden Euro heben

Mit diesem Geschäftsmodell hat Synlab den Umsatz in den vergangenen zehn Jahren um durchschnittlich 11 Prozent pro Jahr steigern können, das Gewinnwachstum betrug im Schnitt jährlich 19 Prozent. Das vergangene Jahr lief dabei außergewöhnlich gut: Das Umsatzwachstum betrug 38 Prozent, das Ebitda legte um stolze 71 Prozent zu. Beide Kennzahlen waren vor allem getrieben durch die hohe Nachfrage nach Corona-Tests. Der Free Cashflow beträgt derzeit 272 Millionen Euro.

Dieses Tempo will Synlab auch in den kommenden Jahren halten: Mittelfristig soll das jährliche Umsatzwachstum zweistellig sein, wie CFO Sami Badarani heute in einem Webcast vor Journalisten sagte. Das organische Wachstum soll dabei über 3 Prozent betragen, die Ebitda-Marge rund 23 Prozent. Synlab erwartet in den kommenden Jahren zudem eine Cash Conversion Rate zwischen 45 und 50 Prozent, wodurch sich ein hoher Free Cashflow ergeben soll. Für das laufende Jahr prognostiziert das Unternehmen einen Umsatz von mehr als 3 Milliarden Euro.

olivia.harder[at]finance-magazin.de

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