KKR steht offenbar kurz davor, mit Tillhub und Risk42 zwei Add-ons für Heidelpay zu tätigen.

Heidelpay

29.05.20
Deals

KKR arbeitet an zwei Add-ons für Heidelpay

KKR ist kurz davor, zwei Add-ons für Heidelpay zu tätigen: Die Übernahme des Fintechs Risk42 sowie eine Beteiligung an Tillhub in Höhe von 30 Prozent stehen offenbar bereits in den Startlöchern.

Es bahnen sich zwei M&A-Deals in der deutschen Fintech-Szene an: KKR steht offenbar kurz davor, zwei Add-ons für sein Portfoliounternehmen Heidelpay zu tätigen. Geplant seien eine 30-prozentige Beteiligung Heidelpays an dem Kassensystem-Anbieter Tillhub sowie eine Übernahme des Risikomanagers Risk42, wie Branchenkreise gegenüber FINANCE bestätigten. Zuerst hatte das Portal „Finanz-Szene“ über die Transaktionen berichtet.

KKR und Risk42 wollten die Informationen nicht kommentieren, Heidelpay und Tillhub waren für eine Stellungnahme am Freitagvormittag nicht zu erreichen.

Nach FINANCE-Informationen arbeitet ein Großteil des Risk42-Teams bereits seit April eng mit Heidelpay zusammen, die konkreten Rahmenbedingungen der weiteren künftigen Zusammenarbeit wollen die Unternehmen demnach im Juni bekanntgeben. Finanzielle Details der M&A-Transaktionen sind nicht bekannt.

KKR hält Heidelpay seit Sommer 2019

KKR hatte im vergangenen Sommer die Mehrheit an dem Zahlungsdienstleister Heidelpay übernommen, der nun über die Zukäufe einen Wachstumsschub erfahren könnte. Bereits Anfang dieses Jahres sagte Heidelpay-Chef Mirko Hüllemann dem „Handelsblatt“, es gebe 20 bis 30 Unternehmen in Europa, die für eine Übernahme in Frage kämen. Unter anderem durch Zukäufe wolle Heidelpay künftig auf die Größe von Rivalen wie Adyen aus den Niederlanden und Klarna aus Schweden wachsen, so Hüllemann damals gegenüber der Zeitung.

Wie „Finanz-Szene“ aufgezeigt hat, würden die Beteiligungen an Tillhub und Risk42 gut in das Portfolio von Heidelpay passen, denn beide Unternehmen bringen Kompetenzen mit, die Heidelpay bislang noch nicht vorweisen kann. Heidelpay selbst ist hauptsächlich auf E-Commerce-Zahlungen spezialisiert. Die potentielle neue Beteiligung Tillhub brächte als Kassensystem-Anbieter die Verbindung des Zahlungsvorgangs mit dem Kassensystem mit. Das Start-up Risk42 ist auf die Risikobewertung von Zahlungen spezialisiert.

Heidelpay wächst stark über M&A

Das Angebot von Heidelpay besteht bereits zu großen Teilen aus Übernahmen, die der Zahlungsdienstleister noch vor der Übernahme durch KKR tätigte. Von 2017 bis zum Einstieg von KKR im vergangenen Sommer befand sich Heidelpay in der Hand des Private-Equity-Investors Anacap.

Wenige Monate nach dessen Einstieg kaufte Heidelpay mit dem Fintech Startec das erste Add-on. Startec bietet Lösungen für bargeldlose Zahlungen an. Im Januar 2018 folge der nächste Zukauf unter Anacap: Heidelpay übernahm den österreichischen Wettbewerber Mpay24.

Der jüngste Zukauf fand Anfang 2019 statt, als die Heidelberger die Universum Group schluckten, die auf Rechnungskauf und Ratenzahlung spezialisiert ist. Durch seine Zukäufe baut Heidelpay an einer Struktur, die es ermöglicht, digitale Zahlungsabwicklungen vollständig aus einer Hand anzubieten. Die beiden Targets, die nun im Gespräch sind, könnten dazu beitragen.

Heidelpay würde beispielsweise mit dem Einstieg bei Tillhub dem Vorbild mehrerer Wettbewerber folgen: Der Eschborner Rivale Concardis übernahm schon 2014 das Fintech Orderbird. Anfang dieses Jahres schnappte sich der kanadische Zahlungsdienstleister Lightspeed den Kassensystem-Anbieter Gastrofix. Sowohl Orderbird als auch Gastrofix sind direkte Wettbewerber von Tillhub.

Auch Waterland tätigt Add-on im Zahlungsbereich

Im Markt für Zahlungsdienstleister bewegen sich derzeit viele Trends in Richtung bargeldloses Zahlen, E-Commerce und Ratenzahlungen. Der Markt ist zudem stark fragmentiert, Private-Equity-Investoren wittern daher Wachstumschancen.

Der Finanzinvestor Waterland ist ebenfalls im Zahlungsbereich unterwegs, im benachbarten Feld des Inkasso: Wie heute bekannt wurde, übernimmt Waterland für sein Portfoliounternehmen Coeo Inkasso, an dem er sich im Februar 2018 mehrheitlich beteiligte, den niederländischen Wettbewerber Centraal Invorderings Bureau (CIB) von Gründern und Management. Der Deal soll dem Unternehmen die Benelux-Region eröffnen. Die Gesellschafter bleiben an CIB rückbeteiligt und sind weiterhin operativ im Unternehmen tätig. Die genaue Höhe der Beteiligungen sowie ein Kaufpreis sind nicht bekannt.

Waterland und CIB wollen nach eigenen Angaben die Marktposition und das Dienstleistungsportfolio von Coeo weiter ausbauen. Dies soll im Rahmen einer Buy-and-build-Strategie geschehen. In die Hände spielt dem Finanzinvestor dabei die Struktur des Marktes für Forderungsmanagement in Europa, der stark fragmentiert ist und Zukaufsoptionen bietet. Bereits im vergangenen Sommer hatte Waterland für Coeo den österreichischen Inkasso-Anbieter KNP Financial Services übernommen.

Der Inkasso-Dienstleister Coeo beschäftigt eigenen Angaben zufolge mehr als 300 Mitarbeiter und übernimmt jährlich rund 1,5 Millionen Forderungen in den Bereichen E-Commerce, Handel, Telekommunikation und Energie auf. CIB beschäftigt nach eigenen Angaben etwa 50 Mitarbeiter und ist in den Bereichen E-Commerce und Pay-after-Delivery spezialisiert.

Baut Private Equity das nächste Wirecard?

Das Portal „Finanz-Szene“ bringt bereits die Frage auf, ob die M&A-Aktivität der PE-Investoren am Ende das nächste Wirecard hervorbringen könnte. Der größte und bekannteste deutsche Zahlungsdienstleister hat es bis in den Dax geschafft, steht jedoch seit einiger Zeit schwer unter Beschuss.

Nachdem Wirecard Anfang der Woche die Vorlage des testierten Konzernabschlusses erneut verschoben hat, sorgte CEO Markus Braun am gestrigen Donnerstag erneut für Bewegung: Er erzeugte durch Aktienkäufe einen Kurssprung des Wirecard-Papiers. Braun kaufte über seine Beteiligungsgesellschaft MB Wirecard-Aktien im Wert von 2,5 Millionen Euro und baute damit seine Position von zuvor bereits 7,1 Prozent an Wirecard weiter aus.

olivia.harder[at]finance-magazin.de

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