Recruiting und Personalmanagement werden immer professioneller. Der Softwareanbieter P&I profitiert davon, und mit ihm die Finanzinvestor Permira und Hg.

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23.12.19
Deals

Permira vergoldet starkes Jahr

Zweiter Milliarden-Exit des Jahres von Permira in Deutschland: Für 2 Milliarden Euro verkauft der PE-Investor die Softwarefirma P&I – ausgerechnet an den Vorbesitzer.

Das deutsche Permira-Team hat sein starkes Jahr 2019 vergoldet: Einen Tag vor Weihnachten verkündete der Finanzinvestor am heutigen Montag einen weiteren großen Exit. Permira verkauft den Personal-Software-Entwickler P&I für 2 Milliarden Euro an das britische PE-Haus Hg. Permira hatte P&I im September 2016 übernommen und erzielte in den folgenden drei Jahren eine enorme Wertsteigerung: Der Einstiegspreis lag Branchenkreisen zufolge bei gut 800 Millionen Euro. Mit Hilfe des Leverage-Effekts könnte Permira seinen Eigenkapitaleinsatz damit in drei Jahren nahezu verdreifacht haben. 

Permira setzt auf Know-how von Hg

Der damalige Verkäufer heißt wie der neue Eigentümer – Hg. Die Briten kaufen P&I wieder zurück, und auch die Transaktionsstruktur ist ein Spiegelbild des M&A-Deals von 2016. Hg blieb damals mit einer Minderheit an P&I beteiligt, und auch Permira hat sich nun wieder eine Rückbeteiligung gesichert. FINANCE-Informationen zufolge liegt diese knapp unter 25 Prozent. Damit setzt der PE-Fonds darauf, dass es Hg gelingt, P&I auch in Zukunft auf dem Wachstumspfad zu halten.

Die Aussichten dafür sind nicht schlecht. Zum einen kennt Hg nicht nur das Unternehmen gut, sondern auch die Branche. P&I ist schon der sechste Anbieter von HR-Software im Unternehmensportfolio des britischen Private-Equity-Fonds. Insgesamt kommen die sechs HR-Investments von Hg nach Angaben des PE-Hauses auf einen aktuellen Marktwert von 14 Milliarden Euro. Auch Permira, das seit 1997 rund 10 Milliarden Euro in Tech-Unternehmen gesteckt hat, zählt zu den größten Tech-Investoren Europas.

Permira hat P&I zum SaaS-Haus umgebaut

Hg kann künftig auf den bereits eingeschlagenen Wachstumskurs von P&I aufbauen. Seit Permiras Einstieg 2016 hat das Wiesbadener Softwarehaus rund 50 neue Entwickler eingestellt und ein Forschungszentrum in Griechenland eröffnet, vor allem aber das Geschäftsmodell umgebaut. Wie viele andere Softwareanbieter wendet sich auch P&I von dem traditionellen Lizenzgeschäft ab und forciert ein Abo-Modell, bei dem Kunden die für sie relevanten Softwareelemente auswählen und mieten können („Software as a Service“, SaaS).

In der Regel verstetigt dieser Wechsel auf lange Sicht den Umsatz und festigt die Kundenbeziehungen. Branchenkreisen zufolge entfällt inzwischen schon rund ein Drittel der P&I-Umsätze auf Abo-Erlöse – bei Permiras Einstieg war es erst ein Fünftel. In den kommenden Jahren dürfte der Anteil noch deutlich zunehmen.

Weil Lizenzerlöse komplett sofort verbucht werden, SaaS-Erlöse hingegen über einen langen Zeitraum gestreckt werden, führt der Umstieg des Geschäftsmodells bei vielen Softwareanbietern erst einmal zu Umsatzrückgängen. P&I konnte dies jedoch vermeiden und blickt inzwischen schon auf zehn Jahre ungebrochenes Umsatz- und Ergebniswachstum zurück. 

Unter der Ägide von Permira entwickelten sich die Kennzahlen deutlich nach oben: Im Geschäftsjahr 2015/16, dem Jahr vor Permiras Einstieg, erwirtschafteten die Rheinhessen bei einem Umsatz von 117,4 Millionen Euro einen Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) von 49,3 Millionen Euro. Im jüngsten Geschäftsjahr 2018/19 beliefen sich der Umsatz auf 132,9 und das Ebitda auf 62,4 Millionen Euro.

„P&I ist durch die Einführung des SaaS-Produkts zu einer der innovativsten Plattformen im HR-Segment geworden.“

Jörg Rockenhäuser, Deutschlandchef, Permira

Damit zahlt Hg auf Basis des abgelaufenen Geschäftsjahres ein sehr hohes Multiple von rund 32x Ebitda. Das Ebit-Multiple beläuft sich auf rund 34x. Das ist erheblich mehr als marktüblich: Die aktuellen FINANCE-Multiples für große Softwareanbieter liegen bei 10 bis 12,5x Ebit.   

P&I ist Deutschlands PE-Liebling

Die alten und neuen Eigentümer halten diese Bewertung aber für gerechtfertigt: „Wir kennen das P&I-Team seit fast zwei Jahrzehnten, und das Geschäftsmodell ist außergewöhnlich“, lässt sich Hg-Partner Justin von Simson zitieren. Stefan Dziarski, der auf Permira-Seite das Investment gemeinsam mit Deutschlandchef Jörg Rockenhäuser betreut hat, glaubt, dass P&I „durch die Einführung des SaaS-Produkts zu einer der innovativsten Plattformen im HR-Segment“ geworden sei.  

Spätestens durch den jetzigen Deal hat sich P&I zu einem der ertragreichsten Projekte der gesamten Private-Equity-Branche in Deutschland gemausert. Bevor Permira seinen Einsatz mit P&I schätzungsweise nahezu verdreifachte, erzielte Hg in den drei Jahren seines Erst-Investments bereits ein Money-Multiple von 2,3x und eine jährliche Rendite von 36 Prozent. Auch der vorherige Besitzer Carlye, der P&I zwischen 2009 und 2013 hielt, bezeichnete den damaligen Verkauf an Hg als „einen der erfolgreichsten europaweiten Software-Exits des Jahres“.

Permiras Jahresbilanz 2019

Permira beschließt mit dem P&I-Exit ein erfolgreiches Jahr, bei dem die Bilanz in Deutschland besonders ins Auge sticht. Im September brachte der Investor einen Teil seiner Beteiligung an dem Software-Haus Teamviewer an die Börse. Obwohl Permira immer noch 58 Prozent an Teamviewer hält, spülte ihm der Teilverkauf mit 2,2 Milliarden Euro schon fast dreimal so viel in die Kassen, wie der Finanzinvestor fünf Jahre zuvor für das gesamte Unternehmen bezahlt hatte. Teamviewers Aktienkurs ist seit dem IPO von 26,50 auf über 30 Euro angestiegen.

Im Juli steckte Permira 200 Millionen Euro in die Mobilitätsplattform Flixmobility. Seitdem gehören dem Fonds 10 Prozent des Flixbus-Betreibers. Im Oktober schloss Permira zudem das aktuelle Fundraising für seinen neuen Flaggschifffonds bei 11 Milliarden Euro ab, das sind 3,5 Milliarden Euro mehr als beim Vorgängerfonds.

In der Vergangenheit flossen rund 20 Prozent der Fondsmittel in deutsche Unternehmen. Durch den Exit bei P&I und den Börsengang von Teamviewer hat Permiras Softwareteam nun wieder die Kapazitäten, um neue Investments in diesem Sektor zu tätigen.     
 
michael.hedtstueck[at]finance-magazin.de

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