Ralph Heuwing macht jetzt Private Equity. Den Wunsch hatte der frühere CFO von Knorr-Bremse und Dürr schon früher geäußert.

Knorr-Bremse

15.09.20
Deals

Ralph Heuwing heuert bei PAI Partners an

Ralph Heuwing macht jetzt Private Equity: Der frühere CFO von Knorr-Bremse und Dürr leitet künftig das DACH-Geschäft des Finanzinvestors PAI Partners. Die Franzosen hatten hierzulande kürzlich zwei Deals gemacht.

Knapp ein halbes Jahr nach seinem Abgang bei Knorr-Bremse hat Ralph Heuwing einen neuen Job gefunden: Der 54-Jährige wechselt als Partner und Leiter des Geschäfts in der DACH-Region zum Private-Equity-Investor PAI Partners. In dieser Funktion soll der frühere CFO des Bremsenherstellers Knorr-Bremse und des Maschinenbauers Dürr das Geschäft des französischen Finanzinvestors in Deutschland ausbauen.

Das PE-Haus, das hierzulande mit einem Büro in München vertreten ist, hatte in Deutschland kürzlich zwei Deals abgeschlossen. So übernahmen die Franzosen im vergangenen Dezember den Dämmstoffhersteller Armacell für einen Unternehmenswert von 1,4 Milliarden Euro – und setzten sich dabei Medienberichten zufolge gegen Ardian durch. PAI ist damit bereits fünfte PE-Eigentümer von Armacell.

Im November 2019 war PAI zudem bei dem mittelständischen Zahnmedizinanbieter Zahneins eingestiegen. Beide Investments tätigte der Finanzinvestor aus dem 2018 aufgenommenen Fond Europe VII, der insgesamt 5,1 Milliarden Euro schwer ist. Das deutsche Team des Finanzinvestor besteht bislang aus vier Mitarbeitern, mit dem neuen Chef Heuwing wären es demnach fünf Angestellte.

Heuwing: Vom Strategieberater zum CFO

Für den langjährigen Finanzchef Ralph Heuwing ist Private Equity eine neue Erfahrung. Zu Beginn seiner Karriere in den Neunziger Jahren heuerte der Diplom-Maschinenbauer zunächst als Strategieberater bei Boston Consulting Group an. Dort arbeitete er sich über 17 Jahre hinweg und mit einer Auslandsstation in Indien bis zum Geschäftsführer der deutschen Tochtergesellschaft hoch.

2007 wechselte Heuwing dann als CFO zum damals durch die Finanzkrise angeschlagenen schwäbischen Anlagen- und Maschinenbauer Dürr. Als Finanzchef trieb Heuwing nicht nur die Entschuldung voran, 2014 stemmte er die Übernahme des Holzverarbeiters Homag. Für seine Erfolge während seiner insgesamt zehnjährigen Tätigkeit bei den Stuttgartern war er 2016 von FINANCE zum „CFO des Jahres“ gekürt worden.

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Ralph Heuwing, Knorr-Bremse AG

1990 startet Heuwing seine Karriere bei The Boston Consulting Group. Zunächst ist er als Consultant und Projektleiter in den Büros München und Frankfurt tätig. 1996 bis 2001 wechselt er nach Indien und baut das indische Büro auf, in dem er als Geschäftsführer und Partner tätig ist. 2001 kommt Heuwing als Geschäftsführer und Partner zurück nach Deutschland.

Zuletzt ist er Mitglied der Geschäftsleitung des deutschen Systems von BCG. Während seiner langjährigen Tätigkeit bei BCG arbeitet Heuwing mit zahlreichen internationalen Unternehmen der Industriegüter- und Finanzdienstleistungsbranche zusammen. Schwerpunkte sind Strategieentwicklung, Organisation, Performancesteigerung und Unternehmensfinanzierung.

Im Mai 2007 wird Heuwing Finanzvorstand des Technologieunternehmens Dürr und verantwortet die kaufmännischen Bereiche des Konzerns, außerdem die Informationstechnologie und das Global Sourcing. Im Januar 2011 übernimmt er auch die Leitung des Geschäftsbereichs Clean Technology Systems, mit dem sich Dürr ein Standbein jenseits der Autoindustrie aufbauen möchte, die noch für einen Großteil der Konzernerlöse sorgt.

Im Dezember 2014 übernimmt Heuwing zusätzlich zu seinen bestehenden Aufgaben den Vorstandsvorsitz bei Homag. Im Sommer 2015 übergibt er das Amt an Pekka Paasivaara, um sich wieder voll auf seine Aufgabe als Dürr-CFO zu konzentrieren. Für seine Leistungen als CFO von Dürr erhält Ralph Heuwing 2016 die Auszeichnung CFO des Jahres.

2016 teilt Heuwing auch mit, dass er seinen im Mai 2017 auslaufenden Vorstandsvertrag bei Dürr nicht verlängern wird. Im November 2017 steigt er bei dem Familienunternehmen Knorr-Bremse ein, wo er im Januar 2018 als Nachfolger von Lorenz Zwingmann neuer Finanzchef wird.

Anfang November teilt Knorr-Bremse mit, dass Heuwing den Münchener Konzern zum 30. April 2020 verlassen wird. Knapp ein Jahr später, im September 2020, wird bekannt, dass Heuwing einen seiner Wünsche wahr macht und bei dem Private-Equity-Investor PAI Partners einsteigt. Für den französischen Finanzinvestor leitet er als Partner das DACH-Geschäft.

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Heuwing wollte schon länger für Private Equity arbeiten

Anschließend ging Heuwing als Finanzvorstand zum Bremssystemhersteller Knorr-Bremse und begleitete in dieser Funktion den Börsengang des Familienunternehmens. Im April dieses Jahres kehrte der 54-Jährige den Münchenern allerdings nach nur gut zwei Jahren schon wieder den Rücken. Hintergrund waren offenbar enttäuschte Chefambitionen von Heuwing: Knorr-Bremse hatte kurz zuvor den inzwischen ebenfalls wieder zurückgetretenen CEO Bernd Eulitz zum Chef ernannt.

Dass Heuwing CEO-Ambitionen hegt, daraus hat der frühere Strategieberater nie einen Hehl gemacht: Bereits 2017 verriet er im Interview mit FINANCE, dass er „sich gut vorstellen kann, als CEO oder auch für einen Finanzinvestor tätig zu sein“. Letzteren Wunsch hat sich Heuwing nun mit seinem Engagement für PAI Partners erfüllt.

desiree.buchholz[at]finance-magazin.de

Mehr über den Karriereweg des ehemaligen Finanzchefs erfahren Sie auf dem FINANCE-Köpfe-Profil von Ralph Heuwing.