Ralph Heuwing, Finanzchef des Maschinen- und Anlagenbauers Dürr, ist auf der 12. Structured FINANCE zum CFO des Jahres 2016 gekürt worden.

FRANKFURT BUSINESS MEDIA GmbH/A. Varnhorn & A. Hausmanns

24.11.16
CFO

Ralph Heuwing ist CFO des Jahres 2016

Dürr-CFO Ralph Heuwing ist beim Galaabend der 12. Structured FINANCE zum CFO des Jahres 2016 gekürt worden. Er formte aus dem einstigen Sanierungsfall einen Börsenstar. Exzellente Kapitalmarktkommunikation, bankenunabhängige Finanzierung und ein großer M&A-Deal waren der Schlüssel.

Ralph Heuwing, Finanzvorstand des Maschinen- und Anlagenbauers Dürr, ist CFO des Jahres 2016. Mit der Auszeichnung, die Heuwing beim gestrigen Galaabend der 12. Structured FINANCE entgegen nahm, würdigt die FINANCE-Redaktion seine Arbeit, mit der er das MDax-Unternehmen zu profitablem Wachstum geführt und dadurch zu einem Börsenliebling gemacht hat.

Heuwing trat im Mai 2007 als CFO bei Dürr an, und die Bilanz des ehemaligen Boston-Consulting-Beraters kann sich sehen lassen: Der Umsatz des börsennotierten Familienunternehmens legte seither um 170 Prozent zu, der operative Gewinn (Ebit) hat sich vervierfacht und der Aktienkurs sogar verfünffacht. Heute bringt der Autozulieferer gut 2,5 Milliarden Euro Marktkapitalisierung auf die Waage und ist im MDax notiert. Als der heute 50-Jährige vor knapp zehn Jahren zu den Schwaben stieß, hatte Dürr mit 400 Millionen Euro Marktkapitalisierung gerade erst den Wiedereinzug in den SDax geschafft. Die Marktkapitalisierung hat sich aufgrund einer 2008 von Heuwing angestoßenen Kapitalerhöhung also noch stärker entwickelt als der Aktienkurs.

CFO Ralph Heuwing setzt auf die Emerging Markets

Zur Erfolgsgeschichte der vergangenen Dekade hat Heuwing, der sich selbst als rationalen Analytiker beschreibt, maßgeblich beigetragen: Als der Diplom-Ingenieur 2007 bei Dürr anheuerte, hatte das Unternehmen gerade eine existenzbedrohende Situation hinter sich gebracht. Das Unternehmen musste 2004 und 2005 wichtige Tochtergesellschaften verkaufen, um die Liquidität zu sichern und die Verschuldung  zu begrenzen.

Kurz nach Amtsantritt machte sich Heuwing gemeinsam mit CEO Ralf Dieter daran, das Unternehmen auf den Wachstumspfad zurückzuführen. Dafür setzte der ehemalige Strategieberater, der für die Boston Consulting Group unter anderem das Büro im indischen Mumbai aufgebaut hatte, konsequent auf die Emerging Markets: Vor allem in China baute Dürr seine Wertschöpfung rasant aus – was sich als Segen erwies, als in Europa und Nordamerika die Finanzkrise ausbrach und den hiesigen Autoabsatz abstürzen lies. Die Schwaben kamen dagegen vergleichsweise gut durch diese schwierige Phase – auch weil Heuwing ein straffes Finanzregime durchsetzte und die Kapitalrendite stabil auf über 20 Prozent hochschraubte.

CFO Heuwing stemmt größten M&A-Deal der Dürr-Geschichte

Wichtigster Schritt für die Wachstumsambitionen von Dürr war der Homag-Zukauf Homag, den Heuwing maßgeblich vorangetrieben hatte: Nach einer Reihe kleinerer Akquisitionen erwarb Dürr im Sommer 2014 vom PE-Investor DBAG und den Familienaktionären die Mehrheit an dem Hersteller von Maschinen zur Holzverarbeitung. Mit einem Unternehmenswert von fast 500 Millionen Euro war Homag der größte Zukauf in der über 60-jährigen Firmengeschichte der Schwaben. Um rund 1 Milliarde Euro schraubte er Konzernumsatz nach oben. Als Homag-CEO war Heuwing zwischenzeitlich auch für die Integration des Zukaufs in das Dürr-Universum zuständig.

Auch bei der Konzernfinanzierung brachte Heuwing neue Impulse ein: Der CFO verfolgt konsequent das Ziel, die Abhängigkeit von Banken zu verringern. Unter seiner Ägide wagte Dürr sich 2010 als Pionier an den damals neuen Markt für Mittelstandsanleihen: Der 225 Millionen Euro schwere Bond war vierfach überzeichnet – was nicht zuletzt Heuwings exzellenter Kapitalmarktkommunikation zu verdanken war. Dem verbindlich auftretenden CFO gelang es, dass Vertrauen der Investoren in Dürr wiederherzustellen und nebenbei eine neue Anlageklasse zu etablieren.

Später refinanzierte Heuwing die Anleihe durch einen deutlich günstigeren High-Yield-Bond, und im März dieses Jahres mischte er zudem noch einen 300 Millionen Euro schweren Schuldschein in den Finanzierungsmix, der ein Polster für weitere Zukäufe sein soll.

Diese wird Heuwing aber wohl nicht mehr selbst verantworten: Im Sommer kündigte er an, seinen bis Mai 2017 laufenden Vertrag nicht mehr verlängern zu wollen. Nach zehn Jahren bei den Schwaben sucht der zweifache Familienvater eine neue berufliche Herausforderung. Wohin es ihn zieht, ist noch nicht bekannt. Für höhere Aufgaben hat sich der passionierte Bergsteiger bei Dürr aber allemal empfohlen.

Ralph Heuwing ist der 12. CFO des Jahres

Dürr-Finanzchef Ralph Heuwing ist der 12. Preisträger, der von FINANCE als „CFO des Jahres“ ausgezeichnet wird. Vor ihm erhielt Alexander Selent (Fuchs Petrolup, 2015) den Award.
Weitere Preisträger waren Stephan Sturm (Fresenius, 2014),  Thomas Treß (Borussia Dortmund, 2013), Peter Sielmann (Neumann Kaffee Gruppe, 2012), Lothar Steinebach (Henkel, 2011), Alfried Bührdel (Ströer Out-of-Home Media, 2010), Klaus Rosenfeld (Schaeffler, 2009), Dieter Bellé (Leoni, 2008), Georg Kellinghusen (Alno, 2007), Rüdiger A. Günther (Claas, 2006) und Alan Hippe (Continental, 2005).

desiree.backhaus[at]finance-magazin.de

Was sagt Ralph Heuwing zu seiner Wahl zum „CFO des Jahres“? Sehen Sie den Preisträger im Interview bei FINANCE-TV direkt von der 12. Structured FINANCE.

Den gesamten Werdegang des CFO des Jahres 2016 können Sie im FINANCE-Köpfe-Profil von Ralph Heuwing nachlesen.