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Ausgelassene Stimmung bei Private Equity

Ausgelassene Stimmung bei Private Equity – stellen wir uns gediegen mit Schampus vor.
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Gut ist nicht gut genug: Die Stimmung in der Private-Equity-Branche erlebt ein außerordentliches Revival, das Geschäftsklima der Finanzinvestoren ist im zweiten Quartal dieses Jahres erstmals seit dem Ausbruch der Coronakrise wieder über den Durchschnitt gestiegen. Doch das scheint den Finanzinvestoren nicht zu reichen, denn ihre Geschäftserwartungen liegen deutlich über dem Status Quo.

Das zeigt das neue „German Private Equity Barometer“ für das zweite Quartal 2021, das die KfW gemeinsam mit dem Bundesverband Deutscher Kapitalbeteiligungsgesellschaften (BVK) und dem Deutsche Börse Venture Network (DBVN) veröffentlicht hat. In diesen Geschäftsklimaindex fließen die Einschätzungen der BVK-Mitglieder, der DBVN-Mitgliedsinvestoren sowie weiterer deutscher Beteiligungsgesellschaften.

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Private Equity freut sich wieder über mehr M&A-Deals

So hat sich das Geschäftsklima in der Private-Equity-Branche im zweiten Quartal dieses Jahres im Vergleich zum Vorquartal um satte 25,7 Punkte auf 13,4 Saldenpunkte erhöht. Damit ist der bisher gemessene Höchststand, den die KfW mit 35,3 Saldenpunkten angibt, zwar noch nicht erreicht, doch mit minus 85,2 Saldenpunkten lag dieser Wert schon einmal deutlich niedriger. Nicht nur die allgemeine Stimmung, auch die konkrete Geschäftslage hat sich im Vergleich zum Vorquartal um 20,7 Punkte auf 5,3 Saldenpunkte verbessert. Den Höchstwert der Geschäftslage gibt die KfW allerdings mit 44,6 Saldenpunkten an – davon ist die Private-Equity-Branche noch weit entfernt.

Einen neuen Höchststand markiert der Indikator zu Neuinvestitionen: Er stieg um 12,1 Punkte auf 28,5 Saldenpunkte und übersteigt damit den bisherigen Bestwert von Anfang 2014. Bereits wenige Monate nach Corona raffte sich Private Equity wieder auf – hielt zu Beginn aber vor allem Ausschau nach Add-ons und weniger nach Plattform-Transaktionen. Die Zurückhaltung bei Plattform-Deals ist aber mittlerweile wieder verflogen, so schmiedet EQT zum Beispiel gerade eine neue Radiologiekette mit Nuklei von Triton und der Deutschen Beteiligungs AG (DBAG).

Mehr Fundraising, weniger Abschreibungen…

Besonders positiv gestimmt sind die Finanzinvestoren zudem bei den Themen Fundraising, steuerlicher Rahmen und Wertberichtigungen. Der Indikator zum Fundraising stieg um 20,1 Punkte auf 31,3 Saldenpunkte und ist damit vergleichsweise nah am Höchststand von 44,8 Saldenpunkten. Zahlreiche Midcap-Investoren wie Triton oder FSN Capital haben es auch trotz Corona geschafft, genügend Kapitalzusagen für neue Fonds einzuwerben – teilweise sogar mit komplett virtuellen Roadshows bei neuen institutionellen Investoren. Das liegt unter anderem an dem Niedrigzinsumfeld und der Tatsache, dass es derzeit einfach ist, an Fremdkapital zu gelangen. Finanzinvestoren wie Silverfleet, denen es nicht gelungen ist, einen neuen Fonds einzuwerben, bleiben die Ausnahme.

Zudem schätzen die befragten Finanzinvestoren den steuerlichen Rahmen für ihr Geschäft wieder besser als im Vorquartal ein. Dieser Indikator stieg um 20,6 Punkte auf 10,8 Saldenpunkte. Auch die Portfoliounternehmen sind besser als zu Beginn erwartet durch die Coronakrise gekommen. Deutlich wird dies am Indikator „Wertberichtigungen“, der um 19,9 Punkte auf 8,7 Saldenpunkte stieg. Damit erhält der Indikator zwar nur die Farbe „gelb“ für eine mittelprächtige Entwicklung. Doch nur wenige Finanzinvestoren erlebten Corona-bedingt Insolvenzen im Portfolio, wie zum Beispiel die Hannover Finanz mit dem Flugzeugsitzehersteller EIS.

…und die Qualität des Dealflows nimmt wieder zu

Auf einem nach wie vor hohen Niveau bewegen sich laut der KfW die Quantität sowie die Qualität des Dealflows. Der Indikator „Deal-Quantität“ wuchs um 10 Punkte auf 14,2 Saldenpunkte, die Qualität der potentiellen Zielunternehmen bewerteten die befragten Finanzinvestoren mit 10,6 Saldenpunkten – ein Zuwachs um immerhin 4,6 Punkte. Gerade während der Coronakrise wurden viele geplante Verkaufsprozesse zunächst auf Eis gelegt – das bekamen auch die Private-Equity-Investoren zu spüren, denn damit zog der Wettbewerb um die wenigen, attraktiven Targets damals nochmal deutlich an.

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Das Wettbewerbsumfeld ist aber auch heute noch sehr harsch, was sich insbesondere an den Preisen am M&A-Markt zeigt, denn die Multiples kennen trotz Corona seit mehreren Monaten nur eine Richtung: nach oben. Dementsprechend bewerteten die Private-Equity-Experten den Faktor „Einstiegsbewertungen“ auch mit minus 14,6 Saldenpunkten, ein weiterer Rückgang um 0,8 Punkte. Kein ungewöhnliches Ergebnis für die renditegetriebenen Finanzinvestoren, findet auch die KfW: Diese „(Un-)Zufriedenheit […] liegt noch im Normalbereich“.

Weil die Bewertungen derzeit auf einem hohen Niveau sind, wählten jüngst so viele Finanzinvestoren wie in den vergangenen fünf Jahren nicht mehr die Börse als Exit-Kanal, darunter Riverside oder auch Cinven und EQT. Die Exit-Möglichkeiten stuften die Finanzinvestoren entsprechend mit 24,2 Saldenpunkten ein, ein leichter Rückgang um 1,2 Punkte im Vergleich zum Vorquartal.

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Private Equity hat höhere Erwartungen an Geschäft

Dennoch gibt es eine Diskrepanz zwischen dem aktuellen Geschäftsklima und der Geschäftslage auf der einen Seite sowie der Geschäftserwartung auf der anderen Seite. Letztere zog im Vergleich zum Vorquartal um stolze 30,7 Punkte an, rangiert mit einem Wert von 21,5 aber deutlich über dem Status Quo bei Geschäftsklima (13,4) und -lage (5,3). Noch deutlicher wird der Unterschied mit Blick auf die Höchststände: Während die Geschäftserwartung mit 21,5 Punkten vergleichsweise nah an ihrem Hoch von 26,1 Punkten liegt, ist die Geschäftslage mit 5,3 Saldenpunkten von ihrem Hoch (44,6 Punkte) noch meilenweit entfernt.

Insgesamt ist das Sentiment am Private-Equity-Markt aber wieder deutlich positiv. Das Geschäftsklima sei „nach vier Quartalen Corona-Blues zurück im positiven Bereich“, lässt sich KfW-Chefvolkswirtin Fritzi Köhler-Geib in der Mitteilung zitieren. Der Hauptgrund für diese Entwicklung ist aus ihrer Sicht die anziehende Mittelstandskonjunktur: „Mit der abnehmenden Unsicherheit bei den Mittelständlern wird auch die Investitionsgrundlage wieder fester“, so die Volkswirtin.

olivia.harder[at]finance-magazin.de

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Olivia Harder ist Redakteurin bei FINANCE und verfolgt schwerpunktmäßig die aktuellen Entwicklungen im M&A-Geschäft. Sie hat Philosophie, Politikwissenschaften, Soziologie und Geographie an der Justus-Liebig-Universität in Gießen studiert, wo sie auch einen Lehrauftrag innehatte. Vor FINANCE arbeitete Olivia Harder in den Redaktionen mehrerer Wochen- und Tageszeitungen, unter anderem beim Gießener Anzeiger.

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