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Rekordjagd nach Corona: Private Equity ist zurück

Das Rennen um die besten Deals ist eröffnet.
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Private Equity meldet sich mit einer Rekordzahl an Deals aus der Coronakrise zurück: Insgesamt 156 Private-Equity-Deals in Deutschland zählte das Big-Four-Haus EY in seiner „German Private Equity Deal Survey“ im ersten Halbjahr 2021. Das ist der höchste Wert seit dem Beginn der Analyse im Jahr 2017 und entspricht einem Zuwachs von fast 20 Prozent gegenüber dem zweiten Quartal 2020. Im Vergleich zum ersten Halbjahr des Vorjahres, das ab März stark vom Ausbruch der Coronakrise in Deutschland geprägt war, ist die Anzahl der Transaktionen sogar um über 65 Prozent gestiegen.

Private-Equity-Deals über 12 Milliarden Euro

Während die Kurve bei der Anzahl der Private-Equity-Deals schon seit längerem nach oben zeigt, ist das Deal-Volumen deutlich volatiler. Im ersten Halbjahr 2021 erreichte das Deal-Volumen insgesamt 12,3 Milliarden Euro. Der Durchschnitt aller PE-Deals in Deutschland seit 2017 beträgt laut Zahlen von EY knapp 12 Milliarden Euro je Halbjahr.

Maßgeblich zum Volumen beigetragen haben die Übernahme des Sandalenherstellers Birkenstock durch den Finanzinvestor L Catterton und die Beteiligungsgesellschaft Financière Agache für 3,8 Milliarden Euro sowie die Übernahme des Brillenherstellers Rodenstock durch Apax Partners für 1,5 Milliarden Euro. Damit hat sich die Branche gegenüber dem zweiten Halbjahr 2020 wieder gesteigert, damals lag das Deal-Volumen bei gerade einmal 10 Milliarden Euro. In der Tendenz zeichne sich aber ab, dass derzeit am M&A-Markt eher kleinere und mittelgroße Private-Equity-Deals dominieren, so EY.

Zur Wahrheit gehört auch: Von den Rekordmonaten vor dem Ausbruch des Coronavirus ist die Branche nach wie vor weit entfernt. Im zweiten Halbjahr 2019 erreichte das Private-Equity-Deal-Volumen den bisherigen Rekordwert von 24,9 Milliarden Euro, rund doppelt so viel wie in den zurückliegenden sechs Monaten. Unter den Transaktionen fanden sich damals die Übernahmen von Currenta, AutoScout24 oder Axel Springer.

Dass das erste Halbjahr 2020 trotz ausbrechender Coronakrise mit einem Gesamtvolumen von 24,2 Milliarden Euro mit einem extrem hohen Wert abschloss, geht vor allem auf einen hervorstechenden Deal zurück: der Verkauf der Aufzugsparte von Thyssenkrupp für über 17 Milliarden Euro an ein Konsortium um Advent, Cinven und die RAG-Stiftung.

Für die kommenden Monate sind die Studienautoren optimistisch, dass sich die Zahlen gut entwickeln werden: „Finanzinvestoren haben sich schnell von der Coronakrise erholt und eine Rekordzahl an Transaktionen in Deutschland getätigt. Die Unsicherheit aus dem Jahr 2020 scheint verflogen zu sein – und das Deal Tempo wird aufgrund von wachsenden Fondsvolumen und einem hohen Level an ‚Dry Powder‘ weiter zunehmen“, kommentiert die EY-Partnerin Sandra Krusch.

Strategen erholen sich langsamer von Corona

Besonders attraktiv für die Finanzinvestoren sind nach wie vor Unternehmen aus der IT-Branche. 46 Deals im Gesamtvolumen von 3,4 Milliarden Euro und damit die meisten Transaktionen wurden im ersten Halbjahr 2021 in Deutschland in diesem Sektor getätigt. Auf Rang zwei steht der Industriesektor mit 17 Deals, gefolgt von der Baubranche mit 15 Transaktionen.

Mit Blick auf die Volumina zeigt sich allerdings ein anderes Bild: Mit 5,1 Milliarden Euro ist das meiste Geld der Finanzinvestoren im ersten Halbjahr in die Konsumgüterbranche geflossen, verteilt auf lediglich elf Transaktionen. In dieses Segment fällt auch der Birkenstock-Milliarden-Deal. Doch selbst ohne diese Transaktion liegt das Deal-Volumen in diesem Sektor – wie auch in der IT-Branche – sehr hoch. Das deutet darauf hin, dass auch die gezahlten Multiples in diesen Branchen besonders hoch gewesen sein dürften.

Derzeit haben die PE-Investoren am M&A-Markt einen Wettbewerbsvorteil: Strategische Investoren erholten sich etwas langsamer von der Coronakrise. Im ersten Halbjahr 2021 fädelten Strategen 250 Deals im Wert von 13,9 Milliarden Euro ein – das entspricht einem leichten Anstieg bei der Zahl der Deals um rund 10 Prozent gegenüber der zweiten Jahreshälfte 2020, verglichen mit einem Anstieg von fast 20 Prozent bei den Private-Equity-Investitionen im selben Zeitraum. Das Volumen der von Strategen getätigten Deals sank dagegen von 18,2 Milliarden Euro im Vergleich zum zweiten Halbjahr 2020 um knapp 24 Prozent, damit ist das erste Halbjahr 2021 laut EY-Erhebung das drittschlechteste Halbjahr der zurückliegenden zehn Jahre.

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„Strategische Investoren treten deutlich zurückhaltender auf. Sie sind stärker von den Lockdown-Maßnahmen getroffen worden und viele haben sich zunächst darauf konzentriert, das Kerngeschäft zu stabilisieren, anstatt neue Investitionen zu tätigen“, erläutert EY-Partner Wolfgang Taudte das Verhalten der Strategen.

Private-Equity-Börsengänge auf Rekordhoch

Durch die Zurückhaltung der Strategen rückt für die Finanzinvestoren ein relevanter Exit-Kanal in den Hintergrund. Dafür hat die Branche im ersten Halbjahr dieses Jahres überdurchschnittlich häufig den Ausstieg über das Börsenparkett gewählt: Sieben deutsche Firmen, darunter Bike24 und Cherry, wurden in diesem Zeitraum von Finanzinvestoren an die Börse gebracht. Zum Vergleich: In den vergangenen fünf Jahren fanden pro Halbjahr maximal zwei Börsengänge von Private-Equity-finanzierten Unternehmen in Deutschland statt. Alle sieben IPOs im ersten Halbjahr 2021 brachten EY zufolge zusammen insgesamt 3,3 Milliarden Euro ein.

Nachdem Private Equity die Coronakrise so gut wie vollständig abgeschüttelt hat, kann sich die Branche nun wieder dem Megatrend ESG widmen, den sie bislang noch stiefmütterlich behandelt hatte. EY-Partnerin Sandra Krusch glaubt, dass ESG künftig nicht nur ein Thema für die Investmentteams und die bestehenden Portfoliounternehmen sein wird: „Transaktionen werden maßgeblich von den Trends ‚Innovative Arbeitsmodelle‘ und ‚neue Technologien‘ beeinflusst. Der Investmentfokus wird hierbei auf der Wertschöpfung im Bereich der Digitalisierung und Nachhaltigkeit beziehungsweise ESG liegen.“

olivia.harder[at]finance-magazin.de

Info

Noch mehr Hintergrundinformationen zu Finanzinvestoren finden Sie auf der FINANCE-Themenseite Private Equity.

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Olivia Harder ist Redakteurin bei FINANCE und verfolgt schwerpunktmäßig die aktuellen Entwicklungen im M&A-Geschäft. Sie hat Philosophie, Politikwissenschaften, Soziologie und Geographie an der Justus-Liebig-Universität in Gießen studiert, wo sie auch einen Lehrauftrag innehatte. Vor FINANCE arbeitete Olivia Harder in den Redaktionen mehrerer Wochen- und Tageszeitungen, unter anderem beim Gießener Anzeiger.

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