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So klappt die Internationalisierung mit Private Equity

Der Industrieschlauchtechniker Norres hat sich für die Internationalisierungspläne den Finanzinvestor Triton als Sparringspartner ausgesucht. Foto: Tryfonov - stock.adobe.com
Der Industrieschlauchtechniker Norres hat sich für die Internationalisierungspläne den Finanzinvestor Triton als Sparringspartner ausgesucht. Foto: Tryfonov - stock.adobe.com

Vom Gelsenkirchener Hidden Champion zum europäischen Marktführer: Diesen Weg hat der Industrieschlauchtechniker Norres in den vergangenen zweieinhalb Jahren beschritten. Der Umsatz hat sich in dieser Zeit auf rund 85 Millionen Euro verdoppelt, mehr als 60 Prozent erwirtschaftet die Gruppe mittlerweile außerhalb der Bundesrepublik. „Ohne die Unterstützung von Triton hätten wir das so nicht geschafft“, berichtete Ralf Dahmer, CEO der Norres Gruppe, in dieser Woche bei einem FINANCE-Webinar (das Sie sich hier nochmal ansehen können).

Neuer Auslandsstandort kam für Norres nicht in Frage

Norres ist seit Ende 2018 ein Portfoliounternehmen des Private-Equity-Investors Triton, der bei seinen Investments nach eigenen Angaben nicht auf aggressive Leverages setzt, um Wert zu heben, sondern auch auf M&A und die Optimierung von internen Prozessen. So auch bei Norres: „Das Unternehmen war bei unserem Einstieg schon sehr gut aufgestellt, aber primär regional und in sehr variierender Stärke vertreten. Daher wollten wir Norres internationalisieren“, sagt Andi Klein, bei Triton verantwortlich für die Mittelstandsfonds.

„Eröffnet man neue Standorte im Ausland, besteht das Risiko, dass man in der neuen Region nicht richtig Fuß fasst.“

Andi Klein, Managing Partner bei Triton

Ein „Greenfield-Investment“ kam für Norres aber nicht in Frage: „Eröffnet man neue Standorte im Ausland, besteht immer das Risiko, dass man in der neuen Region nicht richtig Fuß fasst. Zudem dauert es deutlich länger“, warnt Klein. Der Schlachtplan war daher schnell klar: Die Expansion ins Ausland sollte über M&A gelingen. So tätigte Norres 2019 mit der Übernahme der Wettbewerber De Bernardi und Jarl Elmgren zwei kleinere M&A-Deals in Italien und Schweden. Ende Juli dieses Jahres folgte mit der Übernahme des niederländischen Wettbewerbers Baggerman die erste größere Transaktion. Heute ist Norres nach eigenen Angaben in allen für das Unternehmen wichtigen europäischen Regionen Marktführer und wächst stark in den USA und China.

Die Voraussetzungen für eine Internationalisierung mit Private Equity

Damit die Internationalisierung gelingen konnte, musste Norres zunächst neue Strukturen im Unternehmen schaffen. So hat der Industrieschlauchtechniker im gesamten Unternehmen, vor allem aber auf Management-Ebene, Kapazitäten für Zukäufe und die enge Zusammenarbeit mit einem Finanzinvestor geschaffen. „Dafür haben wir uns im Management-Team breiter aufgestellt und die Organisation weiterentwickelt, sowohl durch interne Qualifizierung als auch mit Unterstützung von außen“, berichtet Dahmer.

Weitere Verantwortung erhielten zudem sogenannte Kompetenzteams für den Einkauf, die IT oder auch die Produktion. Mithilfe dieser Teams konnte Norres interne Prozesse stabilisieren. Wichtig beim Einstieg von Triton war aus Sicht des CEOs zudem das richtige Mindset: „Man muss zu Veränderungen bereit und offen für Private Equity sein. Das gilt auch für die Mitarbeiter.“ Für Triton war ein weiterer Aspekt relevant: „Wir schätzen gute Ideen und Kreativität der Unternehmer“, so Managing Partner Klein.

So geht Private Equity mit Streitigkeiten um

Kreativität hat Norres bei der Ausarbeitung der Internationalisierungsstrategie offenbar bewiesen: Die Gelsenkirchener haben einen komplexen Post-Merger-Integrationsplan aufgesetzt, mit klaren Richtlinien für die Auswahl von potentiellen Zielunternehmen, die Integrationstiefe oder auch das Heben der Synergien nach einer Transaktion.

Das kann für einen mittelständischen M&A-Neuling ein Kraftakt sein. Die größte Herausforderung bei der Integration war für CEO Dahmer aber eine andere: „Man muss sich das Vertrauen des Zielunternehmens hart erarbeiten. Nur mit Vertrauen kann der Transaktionspartner alle Bedenken des Gegenübers ausräumen, und die Transaktion sowie die künftige Zusammenarbeit können ein Erfolg werden.“

„Man muss sich das Vertrauen des Zielunternehmens hart erarbeiten.“

Ralf Dahmer, CEO der Norres Gruppe

Darüber hinaus sei es essentiell, dass Finanzinvestor und Portfoliounternehmen das gemeinsame Ziel nicht aus den Augen verlieren: „Natürlich gibt es auch mal Uneinigkeit oder Diskussionen zwischen Finanzinvestor und Unternehmen. Aber dann führt man einen konstruktiven, auf Fakten und Zahlen basierten Dialog, der die Beteiligten wieder zusammenbringt“, findet Triton-Manager Klein. Auch CEO Dahmer zieht bislang eine positives Bilanz der Kooperation: „Neben der finanziellen Unterstützung haben wir vor allem von der fachlichen Expertise unseres Gesellschafters profitiert, sei es bei M&A, aber auch bei Themen wie Steuern oder Recht.“

olivia.harder[at]finance-magazin.de

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Olivia Harder ist Redakteurin bei FINANCE und verfolgt schwerpunktmäßig die aktuellen Entwicklungen im M&A-Geschäft. Sie hat Philosophie, Politikwissenschaften, Soziologie und Geographie an der Justus-Liebig-Universität in Gießen studiert, wo sie auch einen Lehrauftrag innehatte. Vor FINANCE arbeitete Olivia Harder in den Redaktionen mehrerer Wochen- und Tageszeitungen, unter anderem beim Gießener Anzeiger.

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