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Tauziehen um Aareal Bank nähert sich dem Ende

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Das "finale Angebot" für die Aareal Bank liegt auf dem Tisch - wie gehen die Hedgefonds damit um? Foto: Aareal Bank

Der Poker um die Aareal Bank geht in die vermutlich finale Runde: Am heutigen Mittwoch hat das Bieterkonsortium aus Advent und Centerbridge sein Übernahmeangebot leicht erhöht. Die beiden Investoren bieten jetzt 31 Euro je Aktie, zuvor hatte ihr Gebot bei 29 Euro gelegen. Die Prämie auf den 3-Monats-Durchschnittskurs der Aktie steigt damit von 35 auf 44 Prozent. Nach Aussage der Bieter ist das „die höchste Angebotsprämie für eine deutsche Bank seit 20 Jahren“.

Advent und Centerbridge ließen Petrus und Teleios abblitzen

Der neue Schachzug der beiden Private-Equity-Fonds kommt im Lichte der Entwicklungen aus der vergangenen Woche überraschend: Dort hatten Advent und Centerbridge die beiden Hedgefonds Petrus Advisers und Teleios Capital noch abblitzen lassen. Das erste Angebot für das Wiesbadener Bankhaus  aus dem vergangenen November von 29 Euro pro Aktie hatten die aktivistischen Investoren Petrus Advisers und Teleios Capital als deutlich zu niedrig abgelehnt. Sie forderten vergangene Woche von den Bietern mindestens 40 Euro pro Aktie und warfen dem Aareal-Bank-Management vor, nicht sorgfältig genug nach potenziellen Konkurrenzangeboten Ausschau zu halten.

Doch die beiden Hedgefonds, die gemeinsam 21 Prozent an der Bank halten, monierten noch etwas anderes: Das Angebot werde dem Wert von Aaereon, der IT-Tochter und dem Kronjuwel der Aareal Bank, nicht gerecht. Pikant wird der Konflikt dadurch, dass unklar ist, auf welcher Seite der dritte Großaktionär steht, der tschechische Investor Daniel Kretinsky, der knapp 8 Prozent an dem Geldinstitut hält.

Doch Advent und Centerbridge reagierten anders als von den Hedgefonds erhofft: Zwei Tage danach gaben sie bekannt, das Angebot nicht erhöhen zu wollen. Stattdessen senkten sie die Mindestannahmeschwelle von 70 auf 60 Prozent und schwächten damit die Position der opponierenden Großaktionäre.

Aareal-Bank-Aktie notiert weit unter Angebotspreis

Nun gibt es also doch zumindest ein kleines Entgegenkommen. Ob Advent und Centerbridge damit ihr Ziel erreichen, wird sich Ende nächster Woche zeigen – die Angebotsfrist läuft noch bis kommenden Mittwoch, dann wird ausgezählt.

Immerhin wächst nun der Anreiz für alle Aareal-Bank-Aktionäre, das „finale“ Angebot anzunehmen, denn der Kapitalmarkt präsentiert sich sehr skeptisch bezüglich einer möglichen Bieterschlacht: Mit weniger als 28 Euro notiert der Aktienkurs weit unter dem aufgestockten Gebot, was große Skepsis signalisiert, dass der Deal durchgehen wird – aber auch, dass die Aareal Bank tatsächlich so viel wert ist.

Zudem versuchen die Bieter auch die strategischen Argumente der Hedgefonds zu entkräften: Die Bank habe „bestätigt“, dass weder ein konkurrierendes Angebot vorliege noch dass eine Abspaltung von Aareon durchführbar sei. Der Hedgefonds Teleios bezeichnet in einer schnellen Reaktion das neue Angebot als „lausig“ und hofft, dass neben ihm selbst auch andere Aktionäre das Angebot ablehnen werden.  

paul.siethoff[at]faz-bm.de

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Paul Siethoff ist Redakteur bei Finance und schreibt über verschiedene CFO- und Corporate-Finance-Themen. Er hat Kommunikationswissenschaften und Journalismus in Erfurt und in Mainz studiert. Vor seiner Zeit bei FINANCE schrieb Paul Siethoff frei für die Frankfurter Rundschau über Wirtschafts- und Politikthemen.

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Michael Hedtstück ist Chefredakteur von FINANCE-Online und FINANCE-TV und verantwortet die Online-Aktivitäten des FINANCE-Magazins. Er ist zweifacher Träger des Deutschen Journalistenpreises.

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