Platziert erstmalig ein Schuldscheindarlehen: Automobilzulieferer Schaeffler

Schaeffler

09.04.20
Finanzierungen

Schaeffler begibt erstmals (grünen) Schuldschein

Bei seinem Doppeldebüt auf dem Schuldscheinmarkt kann sich Schaeffler 350 Millionen Euro sichern. Der Autozulieferer hat sich für seine Premiere einen durch Corona stark geprägten Markt ausgesucht.

Premiere auf dem Schuldscheinmarkt und dann auch noch im „grünen Gewand“: Der Automobil- und Industriezulieferer Schaeffler hat trotz des Coronavirus erstmalig am Kapitalmarkt einen Schuldschein platziert und damit insgesamt rund 350 Millionen Euro eingenommen. Aus der Summe sollen 300 Millionen Euro ausschließlich in die „Refinanzierung eines Portfolios von nachhaltigen Projekten“ fließen, teilte das Unternehmen mit, wodurch sich der Schuldschein als grün klassifiziert.

Schaeffler erweitert Finanzierungsmix

Der Schuldschein trage zur Investorendiversifizierung bei, erweitere den aktuellen Mix an Finanzierungsinstrumenten und stärke die Liquiditätsposition der Schaeffler Gruppe zusätzlich, so Schaeffler-Finanzvorstand Dietmar Heinrich

Neben den operativen Mittelzuflüssen setzte Schaeffler bislang bei der mittel- und langfristigen Finanzierung auf Bankkredite und Anleihen. So hat der Konzern aus Herzogenaurach beispielsweise derzeit Anleihen im Gesamtvolumen 2,8 Milliarden Euro am Markt platziert.

Zu den nachhaltigen Projekten, die Schaeffler nun mit dem frischen Geld finanzieren will, gehört ein Projektportfolio rund um eine „emissionsfreie Mobilität wie zum Beispiel Elektromotoren und E-Achsen sowie Produkte für die klimaschonende Gewinnung von Energie durch Windkraft“, hieß es in der Unternehmensmitteilung. Zudem refinanziere der Erlös bereits getätigte Investitionen im Bereich der Abfall- und Abwasservermeidung und Energieeinsparungen zum Ziel einer nachhaltigeren globalen Produktion.

FINANCE-Köpfe

Dietmar Heinrich, Schaeffler AG

Nach seinem Studium an der Karlsruher Universität für Technologie beginnt Dietmar Heinrich seine Karriere 1990 im Controlling des Familienunternehmens Alfred Kärcher, einem Hersteller von Reinigungssystemen. Fünf Jahre später wechselt Heinrich zu FAG Kugelfischer. 2001 wird dieses Unternehmen von dem Autozulieferer Schaeffler übernommen.

Zwischen 2001 und 2005 ist Dietmar Heinrich Finanzchef des Schaeffler-Außenstandorts in Korea. Dort ist er neben dem Finanzbereich auch für Einkauf, Personalwesen und Informationssysteme zuständig. 2006 übernimmt er die Position des Finanzleiters für die Region Asien/Pazifik. Danach kehrt er als Leiter des Geschäftsbereichs Lineartechnik der Homburger Niederlassung nach Deutschland zurück. Zwei Jahre später wird Heinrich zum CFO der Region Europa (exklusive Deutschland) berufen. 2014 steigt er zum regionalen CEO Europa und somit Mitglied des Executive Boards der Schaeffler-Gruppe auf.

Seit August 2017 ist Dietmar Heinrich Finanzvorstand des Schaeffler-Konzerns. Nur gut zwei Jahre später, im November 2019, kündigt er an, seinen im Juli des Folgejahres auslaufenden Vertrag aus persönlichen Gründen nicht verlängern zu wollen. Im Dezember 2019 wird bekannt, dass er im August 2020 zum Maschinenbauer Dürr wechseln wird. 

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Corona belastet Schuldscheinmarkt massiv

„Dieses erfolgreiche Debüt am Schuldscheinmarkt im aktuell sehr schwierigen Umfeld ist ein wichtiger Baustein unserer Finanzstrategie“, sagte CFO Heinrich, der im August  zum Maschinenbauer Dürr wechselt. Tatsächlich gibt es wegen der Corona-Pandemie derzeit kaum Emissionen am Schuldscheinmarkt und wenn, dann zu höheren Preisen. Viele Transaktionen werden verschoben, manche Unternehmen entscheiden sich doch lieber für Anleihen, die sich aktuell wieder etwas erholt haben.

Auf FINANCE-Nachfrage wollte sich das Unternehmen nicht zu den einzelnen Zinssätzen der Schuldscheintranchen mit Laufzeiten von drei, fünf und acht Jahren äußern, nannte diese aber „aus heutiger Sicht sehr attraktiv“. „Aufgrund des angespannten Marktumfelds und der immer schwieriger werdenden Bedingungen während der Vermarktungsphase mussten wir ans obere Ende der Vermarktungsspanne gehen“, sagte ein Unternehmenssprecher. Der Investorenkreis, der zu ungefähr gleichen Anteilen aus deutschen, europäischen und asiatischen Banken bestand, hätte mit Voranschreiten der Krise deutlich stärker die mittlere und kurze Laufzeit präferiert.

ING als grüner Berater dabei

Für die digital vermarktete Transaktion hat Schaeffler die Finanzierungsplattform VC Trade mandatiert. Als Arrangeure fungierten die BayernLB, die Helaba, UniCredit und die ING. Letztere war zudem als „Green Advisor“ an Bord.

Mit dem nun platzierten grünen Schuldschein reiht sich Schaeffler in eine Riege deutscher Unternehmen wie EnBW, Porsche oder E.on ein, die bereits auf Green Finance setzen. Gerade erst hat der Essener Energiekonzern erneut einen Green Bond aufgelegt.

martin.barwitzki[at]finance-magazin.de

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Alles zur Karriere des Schaeffler-CFO, der im August zum Maschinenbauer Dürr wechselt, lesen Sie auf dem FINANCE-Köpfe-Profil von Dietmar Heinrich.