In diesem Jahr läuft es wieder besser am Markt für Green Bonds. Das zeigt ein aktueller Report von Moody’s.

Nastco/iStock/Getty Images Plus

28.05.19
Finanzierungen

Neuer Rekord am Green-Bond-Markt

Das Wachstum ist zurück. Nachdem der Markt für grüne Anleihen 2018 unter den Erwartungen blieb, geht zum Jahresauftakt 2019 wieder mehr. Auch ein deutsches Unternehmen nähert sich dem Markt.

Ein so großes Volumen gab es noch in keinem ersten Quartal: Grüne Anleihen über insgesamt 47,2 Milliarden US-Dollar wurden platziert – das ist ein Anstieg um 40 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Etwa die Hälfte des Volumens geht dabei auf europäische Emittenten zurück. Das geht aus einer aktuellen Analyse der Ratingagentur Moody’s hervor. Betrachtet man nicht nur die ersten Quartale, sondern alle, dann gibt es nur zwei, in denen noch ein höheres Volumen erzielt wurde.

Das noch junge Finanzierunginstrument kann zum Jahresauftakt auch im Vergleich zu klassischen Bonds etwas Boden gut machen, denn bei klassischen Anleihen ging das Emissionsvolumen weltweit etwas zurück. Green Bonds machen nun 2,5 Prozent aller Bondemissionen aus. Zum Jahresauftakt 2018 waren es noch 1,7 Prozent. Moody’s geht davon aus, dass sich dieser Trend auch in Zukunft fortsetzen wird.

Corporate-Emittenten dominieren Green-Bond-Markt

Unter den Emittenten von Green Bonds sind weltweit Unternehmen (Non-Financial Corporates) am aktivsten. Auf sie entfällt fast 34 Prozent des Volumens, zu den Emittenten zählen Konzerne wie die Mid American Energy Company, Telefónica oder Verizon. Im Mai platzierte auch der niederländische Energiekonzern Tennet einen neuen Green Bond über 1,25 Milliarden Euro.

In Deutschland gibt es bislang wenig Transaktionen, doch der Markt steht nicht still: Erst vor wenigen Tagen gab beispielsweise der Agrarhändler Baywa bekannt, die Emission eines Green Bonds im dreistelligen Millionenbereich zu planen. Ob es zur Emission kommt, hängt derzeit noch von den Investorenfeedbacks auf der Roadshow ab. Zudem nutzten deutsche Corporates auch andere grüne Finanzierungsinstrumente. So erreichten beispielsweise ESG-Linked Loans durch Unternehmen wie Henkel oder Voith in den vergangenen Monaten den deutschen Markt. VW Immobilien setzte dagegen auf einen grünen Schuldschein

Und das Potential für weitere neue Emittenten ist da. Eine aktuelle Umfrage, die die FINANCE-Schwesterpublikation DerTreasurer in Kooperation mit der Deutschen Bank durchgeführt hat, zeigt, dass mehr als die Hälfte aller Finanzverantwortlichen an Green Finance interessiert sind. Allerdings hält viele der Mangel von finanziellen Vorteilen gegenüber klassischen Instrumenten derzeit davon ab, den Markt anzuzapfen. 

Finanzinstitute tun sich mit Green Bonds schwer

Den Corporate-Emittenten folgen als zweitaktivste Gruppe mit etwa 17 Prozent die Finanzinstitute. Auch in Deutschland haben einige Emittenten den Markt für sich entdeckt. Dazu zählt die LBBW, die gleich mit zwei Debüttransaktionen an den Markt ging: Die Landesbank platziert einen Green Bond über 750 Millionen Euro und einen Grünen Pfandbrief mit einem Volumen von ebenfalls 750 Millionen Euro.

Die Anzahl von Banken unter den Emittenten dürfte im deutschsprachigen Raum weiterhin wachsen: Eine Umfrage von Bearingpoint unter Experten aus Finanzinstituten im deutschsprachigen Raum hat kürzlich ergeben, dass 89 Prozent von ihnen überzeugt sind, dass Green Bonds in Zukunft eine wesentliche Rolle bei der Refinanzierung von Finanzinstituten spielen werden. Allerdings ist es noch ein weiter Weg, bis alle den Markt für sich nutzen können. Lediglich 39 Prozent sehen sich in der Lage, geeignete Assets und Projekte für Green-Bond-Transaktionen identifizieren zu können.

EU könnte Green Bonds neuen Schwung geben

Mehr Hilfe bei der Identifizierung geeigneter Projekte für Green-Bond-Finanzierungen könnte von Seiten der EU kommen. Sie arbeitet nicht nur an der Entwicklung eines einheitlichen Green-Bond-Standards, sondern entwickelt derzeit auch eine Taxonomie darüber, was als nachhaltig anzusehen ist. Moody’s sieht allerdings die Gefahr, dass dieses Rahmenwerk zu restriktiv ausfallen und somit mögliche Emittenten künftig von einer Green-Bond-Emission abhalten könnte. Ob der Effekt des EU-Vorstoßes letztlich positiv oder negativ ausfallen wird, werde von der finalen Fassung der Taxonomie abhängen.

Für das Gesamtjahr 2019 geht Moody’s davon aus, dass der Green Bond Markt im Vergleich zum Vorjahr um 20 Prozent wachsen und auf ein Emissionsvolumen von 200 Milliarden US-Dollar kommen wird. 2018 war das Wachstum in dem Nischensegment unter den Erwartungen geblieben.

antonia.koegler[at]finance-magazin.de

Die jüngsten Trends und Transaktionen aus dem Segment der nachhaltigen Finanzierung finden Sie auf unserer Themenseite Green Finance.