Der Flugtaxi-Hersteller Lilium sammelt 240 Millionen US-Dollar ein. Der Finanzierungstopf wächst damit auf 340 Millionen US-Dollar.

Lilium

24.03.20
Finanzierungen

Start-up Lilium sichert sich 240 Millionen Dollar

Das Flugtaxi-Unternehmen Lilium sammelt in einer Finanzierungsrunde über 240 Millionen Dollar frisches Geld ein. Damit legt der seit September 2019 amtierende CFO Christopher Delbrück seinen ersten großen Aufschlag hin.

Das Flugtaxiunternehmen Lilium hat über eine Finanzierungsrunde 240 Millionen US-Dollar (umgerechnet rund 224 Millionen Euro) eingesammelt. Führender Investor war dabei der chinesische Internet-Konzern Tencent, gab das Münchener Start-up bekannt. Auch die bisherigen Investoren Atomico, Freigeist und LGT beteiligten sich an der internen Finanzierungsrunde. Wie hoch die jeweiligen Beteiligungen sind, nannte das Unternehmen nicht.

Die Finanzierungsrunde ist das erste große Projekt, das der frühere Uniper-CFO Christopher Delbrück für seinen neuen Arbeitgeber koordiniert hat. Delbrück war vor seiner Station bei den Münchenern seit 2016 CFO des E.on-Spin-Offs Uniper und wagte mit dem Wechsel den Schritt vom Dax-Konzern – den er 2016 an die Börse führte – zum Start-up. Im September 2019 trat er seinen Posten bei Lilium an.

Das junge Unternehmen will das frische Kapital in die abschließende Entwicklung der Lilium-Jets stecken mit dem Ziel, 2025 mit der Serienproduktion und dem Betrieb regionaler Flugdienste zu starten. Die emissionsfreien Jets sollen in einer Stunde bis zu 300 Kilometer zurücklegen können. Eine App zeigt den Fluggästen, wo sich der nächste Landeplatz befindet. Wenn das Netz an Landeplätzen dicht genug ist, könnte Lilium zum Flugtaxi-Transport werden.

Lilium sammelte insgesamt 340 Millionen Dollar ein

Seit der Gründung 2015 haben die Münchener insgesamt bereits 340 Millionen US-Dollar (315 Millionen Euro) eingesammelt. In der letzten Finanzierungsrunde im Herbst 2017 wuchs der Geldtopf noch um 90 Millionen US-Dollar. Beteiligte Investoren waren auch da bereits Tencent sowie der Freigeist-Investor Frank Thelen, Skype-Mitgründer Niklas Zennström, Twitter-Mitgründer Ev Williams und eine Privatbank aus Liechtenstein. Das bis dahin investierte Kapital lag bei 100 Millionen Dollar. Bereits damals war klar, dass dieses Geld nicht für die 2025 geplante Serienproduktion reichen würde.

Das Flugtaxi-Konzept ist nicht unumstritten, erst kürzlich sah sich Lilium heftiger Kritik ausgesetzt. Luftfahrt-Experten hatten Ende 2019 eigene Berechnungen angestellt und auf deren Basis Zweifel an dem Lilium-Konzept angemeldet. Mit der jetzigen Technologie seien die anvisierte Reichweite und Geschwindigkeit nicht zu erreichen, lautete der Vorwurf. Lilium-Gründer Daniel Wiegand wehrte sich in einem Interview mit dem „Handelsblatt“ dagegen: „Die Annahmen hinter den Berechnungen sind nicht richtig“, sagte er.

Christopher Delbrück, Lilium GmbH

Christopher Delbrück beginnt seine Karriere 1995 als Berater und Projektleiter bei der Boston Consulting Group in Hamburg. Nach einer Zeit als Managing Director bei Decision Warehouse Softwareunternehmen wechselt er 2002 zu E.on nach Düsseldorf. Dort ist er zunächst als Vice President Corporate Development für Zentraleuropa und European Gas tätig.

Von 2005 bis 2010 ist Delbrück als Managing Director, CFO und stellvertretender CEO bei E.on Sverige in Malmö tätig. 2010 kommt er als CFO von E.on Energy Trading zurück nach Deutschland. 2011 wird er in Personalunion auch CFO von E.on Ruhrgas und begleitet die Fusion der E.on Energy Trading mit E.on Ruhrgas zur E.on Global Commodities, wo er bis Oktober 2013 als CFO fungiert und 2013 zum CEO befördert wird.

Seit Anfang  2016 ist Delbrück CFO von Uniper. In dieser von E.on abgespaltenen Gesellschaft hat E.on die konventionelle Stromerzeugung und den Energiehandel gebündelt. Uniper ist seit September 2016 als unabhängiges Energie-Unternehmen an der Börse gelistet. Im Sommer 2018 übernimmt Delbrück wegen einer Krebserkrankung von Uniper-CEO Klaus Schäfer übergangsweise auch die Ressorts Kommunikation und Politik. Im Februar 2019 wird bekannt, dass er das Unternehmen zum August verlässt. Im September 2019 heuert er als Finanzchef bei dem Start-up Lilium an, das Flugtaxis entwickelt.

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Auch Konkurrent Volocopter erweiterte Finanzierung

Auch der Wettbewerber Volocopter, der basierend auf einer anderen Technologie ebenfalls Flugtaxis entwickelt, hat kürzlich seine bisher größte Finanzierungsrunde hingelegt. Insgesamt flossen in das Unternehmen aus Baden-Württemberg bei der jüngsten Runde im Februar etwa 87 Millionen Euro. Geldgeber waren DB Schenker, die Mitsui Sumitomo Insurance Group, die Venture-Capital-Firma MS&AD Ventures und Translink Capital. In der B-Finanzierungsrunde davor sammelte Volocopter bereits 50 Millionen Euro ein. Insgesamt hält das Unternehmen nach eigenen Angaben derzeit 122 Millionen Euro investiertes Geld und liegt damit deutlich unter den Beträgen bei Lilium.

 

sarah.backhaus[at]finance-magazin.de

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