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Bringt Axel Springer Stepstone an die Börse?

Axel Springer plant offenbar den Börsengang seiner Jobbörse Stepstone. Foto: Axel Springer SE

Ob Indeed, Monster oder Stepstone, der zunehmende Fachkräftemangel hat in den vergangenen Jahren das Wachstum der Stellenportale befeuert und soll es nach Ansicht von Branchenexperten auch künftig noch tun. Das derzeit günstige Marktumfeld will nun offenbar auch der Medienriese Axel Springer nutzen und sein Jobportal Stepstone an die Frankfurter Börse bringen. Das berichtet die Nachrichtenagentur „Reuters“ unter Berufung auf einen Insider. Zuvor hatte die „Financial Times“ darüber berichtet.

Demnach erhoffe sich Springer von dem potenziellen IPO eine Bewertung von rund 7 Milliarden Euro. Mit den Vorbereitungen für einen Börsengang, der bereits in der ersten Hälfte des kommenden Jahres stattfinden soll, habe der Medienkonzern die französische Investmentbank Rothschild beauftragt, heißt es weiter. Damit dürfte der IPO nach Einschätzung aus Finanzkreisen der wohl größte Börsengang in Europa im ersten Halbjahr 2022 werden.

Stepstone-IPO dürfte sich für Investor KKR lohnen

Mit einer möglichen Emission, die ein Volumen von mehr als einer Milliarde Euro erreichen könnte, dürfte sich auch Springers größter Aktionär KKR erstmals seit seinem Einstieg bei den Berlinern über eine Wertsteigerung seines Investments freuen. Der US-Finanzinvestor war 2019 bei Axel Springer eingestiegen und hält aktuell mit 35,6 Prozent das größte Aktienpaket vor der Verlegerwitwe Friede Springer (22,5), CEO Matthias Döpfner (21,9) und dem kanadischen Investor CPPIB (12,9). Den Springer-Deal hatten sich die Amerikaner seinerzeit knapp 2,9 Milliarden Euro kosten lassen.

Bei der deutschen Tochter des ehemals norwegischen Unternehmens Stepstone ist der Springer-Konzern bereits 2004 eingestiegen und hatte Stepstone bis 2009 nach und nach übernommen. Zum Zeitpunkt des Einstiegs war das Jobportal mit 137 Millionen Euro bewertet worden. Mit dem Kauf wollte Springer damals gezielt in digitale Plattformen investieren, um der fortschreitenden Erosion im klassischen Kleinanzeigen-Geschäft der Zeitungen etwas entgegenzusetzen.

Bereits kurz nach dem Closing des Deals hatte Springer im Frühjahr 2010 die Führungsspitze von Stepstone ausgetauscht und in einem Carve-out den Software-Bereich Solutions des Stellenportals an den britischen Private-Equity-Investor HGCapital verkauft – für 110 Millionen Euro.

Stepstone wächst jährlich um 20 Prozent

Aktuell laufen die Geschäfte für Stepstone gut, das Unternehmen ist in den vergangenen zehn Jahren um 20 Prozent jährlich gewachsen, wie aus informierten Kreisen zu hören ist. Nach eigenen Angaben beschäftigt das Jobportal aktuell 3.600 Mitarbeiter und besitzt neben dem Hauptsitz in Düsseldorf weitere Dependancen in Berlin, Köln, München, Paderborn. Und auch die Aussichten für die kommenden Jahre dürften gut sein: So beziffern Experten den globalen Recruiting-Markt mit einem Jahresumsatz von 170 Milliarden Euro, von denen bisher nur ein kleiner Teil digital umgesetzt wird.

Bei Axel Springer äußert sich man sich zu den Spekulationen bislang nicht und teilt lediglich mit, „dass wir Marktgerüchte grundsätzlich nicht kommentieren.“ Ein klares Dementi, wie es der Springer-Konzern kurz nach dem Einstieg von KKR im Jahr 2019 zu Verkaufsgerüchten rund um Stepstone abgegeben hatte, ist dies jedoch auch nicht. Damals hatte der Medienkonzern betont, dass Stepstone ein zentraler Bestandteil der Classifieds-Strategie von Springer sei. Die würde ein möglicher Börsengang von Stepstone nun untermauern.

Auch bei Stepstone hält man sich noch bedeckt: „Um unseren nachhaltigen Wachstumskurs zu unterstützen, prüfen wir fortlaufend alle möglichen Optionen“, kommentiert ein Sprecher des Unternehmens auf FINANCE-Anfrage.

thomas.holzamer[at]finance-magazin.de

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Thomas Holzamer ist Redakteur bei FINANCE und verfolgt schwerpunktmäßig die aktuellen Entwicklungen im Banken-Sektor, speziell das Firmenkundengeschäft. Er hat Politikwissenschaften an der Technischen Universität Darmstadt studiert. Vor FINANCE arbeitete Thomas Holzamer mehr als 12 Jahre in den Redaktionen der Mediengruppe Offenbach-Post, zunächst als verantwortlicher Redakteur für Sonderpublikationen, später im Lokalen.