Newsletter

Abonnements

Bilanzskandal von Penell endet in der Pleite

Die nächste Pleite am Mini-Bond-Markt: Auch den Kupferkabelhändler Penell hat es erwischt. Der Mittelständler könnte für einen der größten Skandale gesorgt haben, die es am Markt für Mittelstandsanleihen bislang gegeben hat.
Shime02/iStock/Thinkstock/Getty Images

Was sich in den vergangenen Wochen bereits angedeutet hatte, ist nun offiziell: Der Kupferkabelhändler Penell, der erst vor einem halben Jahr mit einer Mittelstandsanleihe am Kapitalmarkt debütiert hat, ist zahlungsunfähig. Zu diesem Schluss kommt die Sanierungsberatungsfirma MSW, die im Auftrag der Gläubiger die Situation bei Penell überprüft hat.

Eine positive Fortführungsprognose bestehe nicht, zitiert das Beratungshaus One Square Advisory, der gemeinsame Vertreter der Anleihegläubiger, das Urteil der MSW: „Weder seitens der Gesellschafterfamilie Penell noch von den beteiligten Banken sind geeignete Maßnahmen zur Abwendung dieser Umstände zu erwarten.“

Penell: „Rechtslage hinsichtlich der Sicherheiten unklar“

Und es gibt noch eine bittere Botschaft für die Anleihegläubiger: „Die Rechtslage hinsichtlich der für die Anleihe zum Zeitpunkt der Emission bestellten Sicherheiten ist unklar“, heißt es in der Mitteilung von One Square Advisory. Nun steht eine „juristische Aufarbeitung“ an.

Penell hatten den Anleihegläubigern den Lagerbestand an Kupferkabeln als Sicherheit versprochen. Doch nur wenige Monate nach der Kapitalaufnahme meldete das von Inhaber Kurt Penell geführte Management, dass der Lagerbestand deutlich geringer sei als bei der Emission angegeben: Statt 9 Millionen Euro liege der tatsächliche Wert wohl eher bei 5,5 Millionen Euro, hieß es damals. Was genau der Grund für das Verschwinden oder die Fehlbilanzierung des Lagerbestands ist, dazu gibt es bis heute nur Vermutungen.

Penell-Skandal ein schwerer Schlag für den Mini-Bondmarkt

Eigentlich hätte selbst die reduzierte Schätzung zum Lagerbestand ausreichend sein müssen, um die Forderungen der Gläubiger zu befrieden – das Anleihevolumen beträgt 5 Millionen Euro. Dass nun offenbar auch die Rechtslage unklar ist, könnte aber auch bedeuten, dass die Gläubiger möglicherweise überhaupt keinen rechtssicheren Zugriff auf die Sicherheiten haben.

Dies wäre ein weiterer schwerer Schlag für den Markt für Mittelstandsanleihen. Auch bei anderen insolventen Emittenten wie dem Kreuzfahrtschiff MS Deutschland gibt es Zweifel, ob den Gläubigern tatsächlich wie versprochen die Sicherheiten zur Verfügung stehen.

Kritische Situation für die Emissionsbegleiter von Penell

Die katastrophale Entwicklung der Penell-Emission wirft auch Fragen nach der Arbeit jener Häuser auf, die bei der Bondemission eine wichtige Rolle gespielt haben. An den Markt begleitet wurde Penell von dem Corporate-Finance-Haus Dicama, das Rating von Penell stammt aus dem Hause Feri.

Ein wenig hoffen können die Penell-Gläubiger allerdings noch. Eigenen Angaben zufolge ist es One Square Advisors gelungen, die erst vor einer Woche mit dem Unternehmer Kurt Penell vereinbarte Übertragung zusätzlicher Sicherheiten abzuschließen. Welchen Wert diese zusätzlichen Sicherheiten aber haben, ist nicht bekannt. Die geplante Versammlung, auf die Anleihegläubiger über das Nachbesicherungskonzept abstimmen sollten, wird abgesagt.

 

Info

Welche Skandale und Pleiten bislang noch den Mini-Bondmarkt erschüttert haben, erfahren Sie auf unserer Themenseite zu Mittelstandsanleihen.

Info

Prozesse, Pleiten, Pannen: Verfolgen Sie die jüngsten Bilanzskandale auf unserer FINANCE-Themenseite.

+ posts
Augenöffner für Finanzentscheider
Inside Corporate Banking: Die Serie zum Banken-Survey 2022
Jetzt Insights sichern »
Jetzt lesen »
Inside Corporate Banking: Die Serie zum Banken-Survey 2022