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Georgsmarienhütte bekommt Staatshilfe vom WSF

Der Bund unterstützt die Georgsmarienhütte mit einer stillen Beteiligung des WSF in Höhe von 58 Millionen Euro. Reicht das, um den Stahlkonzern wieder zurück in die Spur zu bringen?
GMH Gruppe

Die Bundesregierung hilft dem Stahlproduzenten Georgsmarienhütte (GMH) aus Niedersachsen mit einer stillen Einlage in Höhe von 58 Millionen Euro aus. Das Geld kommt aus dem Wirtschaftsstabilisierungsfonds WSF, den die Bundesregierung im Zuge der Coronakrise aufgelegt hatte, um speziell großen Unternehmen mit Eigenkapital unter die Arme greifen zu können. Zu den bisherigen Empfängern zählen die Großkonzerne Lufthansa und Tui, aber auch Mittelständler wie Schlote oder FTI Touristik.  

GMH-Chef Thomas Löhr, gleichzeitig auch CFO des Industriekonzerns, ist der Bundesregierung „dankbar“ für diese Hilfe, wie er der „Neuen Osnabrücker Zeitung“ sagte:  „Hier geht es um Hilfe zur Selbsthilfe. Mit den Stabilisierungshilfen werden die coronabedingten Verluste im Eigenkapital weitgehend ausgeglichen und die zukünftige Finanzierung der Gruppe über die Kreditmärkte sichergestellt.“

Auch Großmann stützt Georgsmarienhütte

Wie FINANCE aus Unternehmenskreisen erfahren hat, kam GMH in den ersten Corona-Monaten schwer unter die Räder. Infolge des Absatzeinbruchs ab März schrumpfte das Ergebnis derart stark, dass sich Georgsmarienhütte im Gesamtjahr 2020 operativ gerade noch so in den schwarzen Zahlen halten konnte. Nach Zinsen, Steuern und Sonderaufwendungen soll aber ein deutlicher Fehlbetrag entstanden sein, der voll auf die Eigenkapitalposition durchschlug.

Die stille Beteiligung des WSF schließt das entstandene Eigenkapitalloch jetzt wieder. FINANCE-Informationen zufolge hat sich auch die Eigentümerfamilie Großmann an dem Wiederauffüllen des Eigenkapitals beteiligt.

Details zur WSF-Finanzierung sind nicht bekannt. Die Tatsache, dass GMH die stille Beteiligung jedoch als Eigenkapital bilanzieren darf, lässt darauf schließen, dass die Laufzeit des Finanzierungsinstruments mindestens fünf Jahre beträgt.

Hilft die WSF-Finanzierung GMH über den Berg?

Das WSF-Instrument dürfte für GMH alles andere als günstig sein. Aus mehreren Verlautbarungen ihres Spitzenpersonals lässt sich herauslesen, dass Tui und Lufthansa für ihre WSF-Mittel zwischen 7 und 10 Prozent Zinsen bezahlen, obwohl beide Konzerne die WSF-Hilfen nur teilweise als Eigenkapital bilanzieren dürfen. 

Doch die Chancen, dass CFO Löhr das nicht gerade günstige Instrument in nicht allzu ferner Zukunft wieder zurückführen kann, stehen heute wesentlich besser als noch im Herbst, als die Verhandlungen zwischen GMH und dem WSF schon liefen. So haben die Stahlpreise in den vergangenen Monaten deutlich angezogen. Wie unternehmensnahe Kreise FINANCE gegenüber bestätigten, gelang auch Georgsmarienhütte im Herbst der Turnaround. Seit Ende des dritten Quartals schreibt GMH wieder Überschüsse, der Eigenkapitalverzehr ist gestoppt. 

Aktuell dürfte sich vor allem das Geschäft mit Kunden aus der Autobranche schwungvoll entwickeln. Aber für eine umfassende Verbesserung der Geschäftslage fehlt GMH noch das Wiederanspringen anderer wichtiger Absatzbranchen wie Öl & Gas oder Maschinenbau. Die Erholung ist also nach wie vor brüchig. 

Wie schnell sich die Lage zuspitzen kann, hat sich auch bei GMH schon gezeigt. Das Tochterunternehmen GMH Guss – mit einem Umsatz von 200 Millionen Euro Umsatz kein ganz kleines – musste Insolvenz im Schutzschirmverfahren anmelden. Zuvor war der Umsatz der GMH-Tochter, die Eisen- und Stahlgusslegierungen für die Autoindustrie fertigt, um 30 Prozent eingebrochen. Aktuell laufen M&A-Prozesse zur Veräußerungen von einzelnen Teilbereichen der GMH Guss.

eva.brendel[at]finance-magazin.de

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