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Schalke-CFO Rühl-Hamers gibt Entwarnung

Wie geht es bei Schalke weiter? CFO Rühl-Hamers ist optimistisch.Foto: uslatar - stock.adobe.com
Wie geht es bei Schalke weiter? CFO Rühl-Hamers ist optimistisch.Foto: uslatar - stock.adobe.com

Entwarnung für Schalke 04? Schalke-CFO Christina Rühl-Hamers gibt jedenfalls vor, optimistisch in die Zukunft zu blicken. „Wir sind auf dem richtigen Weg“, sagte sie am gestrigen Dienstag auf einer Pressekonferenz zur Finanzlage des Fußball-Zweitligisten. Immerhin konnte der Verein im Geschäftsjahr 2021 trotz des Bundesligaabstiegs den Verlust von 52,6 auf 17,8 Millionen Euro reduzieren. Vor allem konnten die Verbindlichkeiten trotz des erheblichen Jahresverlusts von 217 auf 183,5 Millionen Euro gesenkt werden.

Wie haben Finanzvorständin Rühl-Hamers und ihre neuen Managerkollegen im sportlichen Bereich diese Schadensbegrenzung geschafft? Immerhin gingen nicht wenige Beobachter davon aus, dass der Bundesligaabstieg nach über einem Jahr Coronakrise Schalke 04 finanziell ins Entgleisen bringen könnte.   

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Schalke arbeitet „maßgeblich liquiditätsorientiert“

Doch verantwortlich für die Verbesserung der Finanzposition sind zwei einschneidende Maßnahmen, die die neue Schalke-Führung vor einem Jahr in höchster Not angestoßen hatte: der Verkauf der E-Sport-Sparte, der Medienberichten zufolge über 25 Millionen Euro gebracht haben dürfte, sowie der Stopp des 100-Millionen-Euro-Ausbauprojekts „Berger Feld“. Zudem kürzte Schalke nach dem Abstieg den Profi-Etat von über 80 auf nur noch 20 Millionen Euro in dieser Saison.

Gleichzeitig scheint die Finanzchefin einen großen Einfluss auf den Managementstil des Klubs zu haben: „Wir arbeiten seit zwei Jahren maßgeblich liquiditätsorientiert. Das hat zur Folge, dass sich einige Kennzahlen wie zum Beispiel das Eigenkapital noch nicht oder nur langsam positiv entwickeln“, erklärte Rühl-Hamers. Dies bewahrte Schalke davor, in Finanznöte zu geraten – ein dauerhafter Liquiditätsnachweis ist aber auch eine Auflage der Deutschen Fußball-Liga für den Erhalt der Spiellizenz. Und der nicht durch Eigenkapital gedeckte Fehlbetrag in der Bilanz stieg zum Stichtag Ende 2021 auf 88 Millionen Euro – im Vorjahr waren es noch 71 Millionen Euro gewesen.

„Wir arbeiten seit zwei Jahren maßgeblich liquiditätsorientiert.“

Schalke-CFO Christina Rühl-Hamers

Ein Problem, das von den guten Nachrichten zur finanziellen Stabilisierung überlagert wird, ist das erhebliche Abschmelzen der stillen Reserven: Die Spielerwerte im Kader sind durch den Abstieg und zahlreiche Abgänge schwer eingebrochen, und die E-Sport-Sparte ist verkauft. Auch das Stadion dürfte mit zunehmendem Alter an Wert verlieren. All das zusammen könnte dazu führen, dass die angespannte Bilanzsituation nach dem Abschluss der finanziellen Konsolidierungsphase wieder größere Beachtung finden dürfte. 

Noch prägen aber Liquiditätsthemen die Debatten rund um Schalke. Vor wenigen Tage bestätigte Vorstandschef Bernd Schröder, dass Schalke Überbrückungshilfen vom Bund bekomme. Gegenüber der „WAZ“ bezifferte Schröder deren Volumen auf einen mittleren siebenstelligen Betrag.

Hinzu kam die Trennung von dem langjährigen Sponsor Gazprom. Der russische Energiekonzern zahlte dem Verein jährlich 8 Millionen Euro. Dieses Geld fehlt nun, der neue Sponsor Vivavest zahlt angeblich jährlich nur 4,5 Millionen Euro. Rühl-Hamers hofft, mit Hilfe weiterer bevorstehender Sponsoring-Abschlüsse die Gazprom-Lücke schließen zu können.

Schalke will „zeitnah“ weitere Anleihe platzieren

Der Liquiditätssicherung dient auch Rühl-Hamers‘ nächstes großes Projekt: „Zeitnah“ will Schalke eine weitere Anleihe platzieren, um die im Sommer nächsten Jahres fällige Anleihe 2016/2023 zu refinanzieren. Die sogenannte „Anleihe 2022“ werde ein freiwilliges Umtauschangebot für die bisherigen Bondholder beinhalten.

Doch ein Erfolg zeichnet sich nicht ab. Aus Schalke-Kreisen ist zu hören, dass das Management schon zufrieden wäre, wenn am Ende Zeichnungsaufträge über 10 bis 15 Millionen Euro hereinkämen. Das ausstehende Papier hat jedoch ein Volumen von rund 34 Millionen Euro.

Im vergangenen Jahr hatte Schalke für eine Anleihe mit Zielvolumen 15,9 Millionen Euro letztendlich nur 8,9 Millionen Euro bekommen.

eva.brendel[at]finance-magazin.de

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Eva Brendel ist Redakteurin bei FINANCE und DerTreasurer. Sie hat Kommunikationswissenschaft, VWL und Politik in Bamberg und Jena studiert. Neben dem Studium arbeitete Eva Brendel als freie Nachrichtenmoderatorin bei einem Lokalsender und moderierte eine eigene Podcast-Reihe.

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