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Start-up Personio knackt Milliarden-Bewertung

Das Start-up Personio um Co-Gründer Hanno Renner schließt bisher größte Finanzierungsrunde ab und gehört nun zu den deutschen Einhörnern.
Personio

Früher als erwartet hat die HR-Plattform Personio ihre Series D-Finanzierungsrunde abgeschlossen und 125 Millionen Dollar (103,6 Millionen Euro) erhalten. Somit ist die Unternehmensbewertung nach eigenen Angaben auf 1,7 Milliarden Dollar (1,3 Milliarden Euro) gestiegen.

Das vor fünf Jahren gegründete Start-up wird damit zum Einhorn, also zu einem nicht börsennotierten Unternehmen mit einer Bewertung von über einer Milliarde Dollar. Inklusive Personio und der digitalen Spedition Sennder aus Berlin, die vergangene Woche ebenfalls in einer Series D-Finanzierungsrunde 132,6 Millionen Euro einsammelte und so zum Einhorn wurde, gibt es in Deutschland nun 15 Einhörner – darunter Flixbus, Celonis, N26 und Auto1. Letzterer plant sogar noch im ersten Quartal dieses Jahres an die Frankfurter Börse zu gehen.

Personio hat 207 Millionen Euro an Kapital erhalten

Die Finanzspritze wurde von Bestandsinvestor Index Ventures angeführt und vorgezogen, um „für mehrere Jahre sehr solide finanziert zu sein“, wie die Münchner selbst mitteilten. Auch die Bestandsinvestoren Northzone, Accel, Lightspeed Venture Partners, Global Founders Capital und Picus zogen mit. Neu unter den Financiers ist die US-amerikanische Private-Equity-Firma Meritech.

Vor fast auf den Tag genau einem Jahr gab es bereits 62,1 Millionen Euro und eine Bewertung von 450 Millionen Euro in der Series C-Runde – ein Großteil des Kapitals sei davon noch vorhanden. Insgesamt habe Personio damit seit Gründung rund 207 Millionen Euro (250 Millionen Dollar) an Kapital erhalten.

Trotz frischem Kapital seien derzeit keine zusätzlichen M&A-Aktivitäten geplant, stellt Personio klar. Dem letzten M&A-Deal im Jahr 2019 – dem Kauf von Rollbox – lag eine Unternehmensbewertung in achtstelliger Höhe zu Grunde.

Corona hat Personio-Geschäft angetrieben

Personio bietet Personal-Software an, anders als SAP ist der Zielmarkt allerdings kleine und mittelständische Unternehmen mit bis zu 2.000 Mitarbeitern. Vor allem die Coronavirus-Pandemie pushte das Geschäft: 2020 habe gezeigt, „welche entscheidende Rolle HR-Teams spielen – gerade auch deshalb, da so viele von uns auch künftig vermehrt von Zuhause aus arbeiten werden“, so Personio-Gründer Hanno Renner.

Neben dem Ausbau der Kernfunktionen des Produkts plant Personio für dieses Jahr die Expansion in weitere europäische Märkte wie Frankreich und Italien. Damit einhergehend wird eine Verdopplung der bisher 500 Mitarbeiter angestrebt. Nach eigenen Angaben hat das „SAP für Personaler“ inzwischen 3.000 Kunden in Deutschland und anderen europäischen Ländern. Das Ziel für 2020 hinsichtlich der Mitarbeiterzahl konnte allerdings nicht ganz eingehalten werden: Im FINANCE-Interview kündigte Renner eine Aufstockung auf 700 Mitarbeiter im Jahr 2020 an – Stand Januar 2021 arbeiten an den Standorten München, Madrid, London und Dublin 600 Mitarbeiter bei dem Start-up.

Wann folgt der Personio-IPO?

Bei dieser rasanten Entwicklung erhoffen sich manche einen baldigen Börsengang. Im Mai holte sich Personio erstmals eine CFO an Bord – mit IPO-Erfahrung: Die Ex-Investmentbankerin Birgit Haderer kam vom Online-Modehändler Zalando, bei dem sie den Börsengang verantwortete.

Doch CEO Renner zeigt sich wie bereits im FINANCE-Interview aus dem vergangenen April noch eher zurückhaltend zum Thema IPO: „Personio will ein unabhängiges Unternehmen bleiben. Und da ist ein Börsengang etwas, was irgendwann passieren wird“, sagt er gegenüber dem „Handelsblatt“. Damit sei allerdings eher nicht in den nächsten zwei Jahren zu rechnen.

gesine.wagner[at]finance-magazin.de