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Tui braucht wieder frisches Geld

Mit einer Wandelanleihe will der Reisekonzern Tui seine Liquidität in der andauernden Krise sichern.
TUI

Umsatzeinbrüche von mehr als 98 Prozent, die stockende Impfkampagne und ein unsicherer Blick in die Zukunft – wie bei allen Reiseanbietern gehen die Auswirkungen der Corona-Krise auch bei Tui an die Substanz. Obwohl der angeschlagene Urlaubsriese erst vor Kurzem erneut Staatshilfen in Milliardenhöhe erhalten hat, blickt er sich wieder nach frischem Geld um: Nun will Tui mit der Platzierung einer Wandelanleihe weiteres Kapital einsammeln, um die Liquidität in der anhaltenden Krise zu sichern. Außerdem will der Konzern die Mittel nutzen, um später Verbindlichkeiten zurückzuzahlen.

Das Unternehmen hat die Platzierung einer nachrangigen und unbesicherten Wandelanleihe in Höhe von 350 Millionen Euro angekündigt, eine Erhöhung des Volumens um weitere 50 auf 400 Millionen Euro ist möglich. Die Wandelanleihe läuft bis April 2028 und kann in neue und/oder bestehende Namensaktien von Tui umgewandelt werden. Ausgegeben werden die Anleihen mit einer Stückelung von 100.000 Euro. Der Zins soll zwischen 4,5 und 5 Prozent liegen. Genauere Konditionen sind noch nicht bekannt.

Tui-Aktionäre fürchten Verwässerung

Der anfängliche Wandlungspreis werde laut Tui mit einer Wandlungsprämie zwischen 25 und 30 Prozent über dem heutigen Referenzaktienkurs festgesetzt. Letzterer brach nach der ersten Mitteilung zum Handelsbeginn am Freitag Vormittag zeitweise um rund 8 Prozent auf 4,24 Euro ein, da die Aktionäre durch die Wandelanleihe eine Verwässerung ihrer Anteile befürchten. Ein Bezugsrecht haben die bestehenden Aktionäre nicht. Die Aktionäre mussten bereits nach einer großen Kapitalerhöhung Anfang des Jahres eine Verwässerung hinnehmen.

Analystin Rebecca Lane von Jefferies hält die Platzierung der Wandelanleihe für sehr kurzfristig und unzureichend. Die Wandelanleihe sichere dem Unternehmen zusätzliche Zahlungsfähigkeit für nur gut einen zusätzlichen Monat, meint sie. Insgesamt dürfte das Geld des Konzerns damit noch etwa sechs Monate reichen, wenn man Rückerstattungsansprüche von Kunden ausklammert, so ihre Schätzung.

Zum 22. März verfügte Tui nach eigenen Angaben über Barmittel und abrufbare Fazilitäten von 1,6 Milliarden Euro. Damit sei die eigene Liquidität bis Sommer gesichert, so der Konzern damals. Allerdings dürften zuletzt zusätzliche Stornierungen von Osterurlaubern zu weiteren Einnahmeausfällen geführt haben.

Tui hofft auf schnelle Impfungen

Neben der erhofften Finanzspritze aus der Wandelanleihe bleibt Tui wohl zunächst nur die Hoffnung darauf, dass die nur schleppend angelaufene Impfung nun endlich Fahrt aufnimmt. Zuletzt hatte Tui auch stark auf das Osterreisegeschäft gehofft, doch die Reisen nach Mallorca standen massiv in der Kritik.

Der Urlaubsriese hat bereits drei Rettungspakete hinter sich. Ende März 2020 erhielt er als erster deutscher Großkonzern die Zusage für einen KfW-Kredit in Höhe von 1,8 Milliarden Euro. Aufgrund der hohen Ausfälle musste der Konzern bereits im Sommer über weitere 1,05 Milliarden Euro an Staatshilfen verhandeln. Diesen hatten die Anleihe-Gläubiger des Reisekonzern aber nur unter hohen Auflagen zugestimmt. Anfang des Jahres erhielt der Konzern dann zum dritten Mal Staatshilfe, inklusive stiller Einlage seitens des WSF in Höhe von 1,8 Milliarden Euro.

thomas.holzamer[at]finance-magazin.de

Info

Weitere Informationen rund um den angeschlagenen Reisekonzern lesen Sie auf unserer FINANCE-Themenseite zu Tui.

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Thomas Holzamer ist Redakteur bei FINANCE und verfolgt schwerpunktmäßig die aktuellen Entwicklungen im Banken-Sektor, speziell das Firmenkundengeschäft. Er hat Politikwissenschaften an der Technischen Universität Darmstadt studiert. Vor FINANCE arbeitete Thomas Holzamer mehr als 12 Jahre in den Redaktionen der Mediengruppe Offenbach-Post, zunächst als verantwortlicher Redakteur für Sonderpublikationen, später im Lokalen.

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