Der Sensorspezialist AMS bekommt eine Kapitalerhöhung von 1,65 Milliarden Euro – aber die  Banken bleiben auf 30 Prozent der Aktien sitzen.

AMS

01.04.20
Finanzierungen

Banken bleiben auf neuen AMS-Aktien sitzen

Das Underwriting für AMS wird für die engagierten Banken zum Problem: Rund ein Drittel der 1,65 Milliarden Euro schweren Kapitalerhöhung für die Osram-Übernahme landet in ihren Büchern.

Kurzes Aufatmen bei AMS: Dank eines gut ausgehandelten Abkommens mit den Banken ist es dem österreichischen Sensorspezialisten gelungen, eine Kapitalerhöhung über 1,65 Milliarden Euro abzuschließen. Das Geld braucht AMS für die Übernahme von Osram

Doch die beteiligten Investmentbanken, unter anderem UBS und HSBC, müssen noch zittern: 30 Prozent der Aktien konnten nicht am Markt platziert werden, diese landen jetzt erst einmal in den Büchern der Banken. Dies entspricht alles in allem 72,4 Millionen AMS-Aktien.

Damit haben die Investmentbanken jetzt das Problem, dass sie 630 Millionen Euro in einer nicht strategischen Aktienposition gebunden haben. UBS und HSBC haben auch schon zum größten Teil die Brückenfinanzierung von 4,4 Milliarden Euro gestemmt, die AMS für die Osram-Übernahme arrangiert hatte.

Coronakrise gefährdete AMS-Kapitalerhöhung

Die Banken müssen jetzt hoffen, dass sich die Coronapanik an den Börsen langsam legt, damit sie die übrig gebliebenen Aktien in naher Zukunft im Markt nachplatzieren können. Dafür braucht es aber eine Kurserholung bei AMS: Deren Aktie notiert bei 8,70 Franken, während der Bezugspreis der neuen Aktien 9,20 Franken beträgt.

Doch das Potential dafür ist da, schließlich notieren AMS-Aktien nur noch zu einem Zehntel ihres Höchststands aus dem März 2018 von 78 Franken. Allein seit Jahresbeginn hat die AMS-Aktie zwei Drittel eingebüßt.

Dieser Kurssturz hat auch Sorgen geweckt, ob AMS Osram tatsächlich wie geplant übernehmen kann, war die Finanzierungsstruktur doch schon vor dem Ausbruch des Coronavirus aggressiv. Durch die platzierte Kapitalerhöhung sind die Chancen dafür nun wieder gestiegen. Trotzdem notiert aber auch die Osram-Aktie mit 30 Euro deutlich unter dem Preis des AMS-Übernahmeangebots von 41 Euro.

FINANCE-Köpfe

Ingo Bank, Osram Licht AG

Ingo Bank beginnt seine Karriere 1995 bei Philips in der Hamburger Niederlassung im Bereich Audit. Schnell zieht es den Manager in die niederländische Zentrale, wo er in der M&A-Abteilung arbeitet. Später folgen Stationen als CFO einzelner Geschäftsbereiche im japanischen Kobe und in Hongkong, wo er das Geschäft mit Flüssigkristallanzeigen (LCD) in der Region für den Konzern aufbaut.

Von 2005 bis 2009 ist Bank als Finanzchef zweier Geschäftseinheiten beim direkten Osram-Konkurrenten Philips Lighting in Eindhoven aktiv, der Lichttochter des Elektronikkonzerns. Nach einer Zwischenstation im Audit zieht es den Manager 2011 in die Vereinigten Staaten, wo er als Finanzchef für Philips Healthcare arbeitet.

2013 verlässt Bank den niederländischen Philips-Konzern nach fast 20 Jahren und wird CFO des US-amerikanischen Pharmadienstleisters Parexel. Im September 2016 tritt er die Position des Finanzvorstands bei dem Münchener Lichtkonzern Osram an. Im Zuge der Übernahme durch den Sensorspezialisten AMS wechselt Ingo Bank als CFO zu den Österreichern. Ein genaues Eintrittsdatum ist noch nicht bekannt.

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Osram-Übernahme dürfte durchgehen

Das frische Eigenkapital macht etwa ein Drittel des Volumens der Osram-Offerte (4,6 Milliarden Euro) aus. Nach einer langen Übernahmeschlacht hält AMS inzwischen 63 Prozent an Osram. Der M&A-Deal muss nun nur noch von den Wettbewerbsbehörden abgesegnet werden. Das Closing wird im zweiten Quartal erwartet. Die personellen Weichen für die Übernahme sind schon gestellt: Osram-CFO Ingo Bank soll Finanzchef des gesamten Konzerns werden und in den AMS-Vorstand einziehen.

sarah.backhaus[at]finance-magazin.de

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