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Celonis holt sich Staatsfonds von Katar als Investor

Der Staatsfond von Katar steigt beim Softwareunternehmen Celonis, das seine Bewertung auf knapp 13 Milliarden Dollar steigert. Foto: Celonis
Der Staatsfond von Katar steigt beim Softwareunternehmen Celonis, das seine Bewertung auf knapp 13 Milliarden Dollar steigert. Foto: Celonis

Celonis steigert seine Bewertung auf knapp 13 Milliarden US-Dollar. Das Start-up aus München hat seine Finanzierungsrunde D erweitert und insgesamt 400 Millionen Dollar eingesammelt. Darüber hinaus hat das 2011 gegründete Unternehmen mit einem Konsortium internationaler Banken eine freie Kreditlinie in Höhe von bis zu 600 Millionen Dollar arrangiert. Damit erhält das Unternehmen Zugriff auf insgesamt 1 Milliarde Dollar.

Die Finanzierungsrunde wurde angeführt vom Staatsfonds aus Katar. Auch gelang es Celonis, neue Investoren zu überzeugen, unter anderem Activant Capital und Neuberger Berman. Bestehende Kapitalgeber wie Arena Holdings oder auch Kunden des Software-Unternehmens, beispielsweise Durable Capital Partners, beteiligten sich ebenso.

Wird Celonis zukaufen?

Wie das Unternehmen mitteilte, ist die freie Kreditlinie ein auf fünf Jahre angelegtes Finanzierungselement und kann beispielsweise für die Finanzierung von M&A-Deals genutzt werden. Ob damit konkrete Übernahmepläne gemeint sind, ließ Celonis unbeantwortet. Nach eigenen Angaben ist es auch die „marktweit größte syndizierte revolvierende Kreditfazilität dieser Art“.

Bei der Kreditfazilität fungierten Goldman Sachs, HSBC Ventures, J.P. Morgan, Morgan Stanley Senior Funding, Inc., die Citibank und die Deutsche Bank als Joint Lead Arranger. Außerdem sind RBC Capital Markets, die Silicon Valley Bank, SMBC, Citizens, MUFG sowie die Bank of America Teil des Konsortiums.

Bastian Nominacher ist wieder Celonis-CFO

Die magische Marke von einer Bewertung höher als 10 Milliarden Dollar überschritt Celonis erstmals im Juni vergangenen Jahres. Das Unternehmen nutze die Publicity und gab damals außerdem die Berufung eines neuen CFOs bekannt: Der im September 2019 zu Celonis gestoßene Finanzchef Guido Torrini wurde mit Carlos Kirjner ausgetauscht.

Kirjner war zuvor Vice President of Finance beim Suchmaschinenanbieter Google aus dem Silicon Valley. Nach rund einem Jahr ist die Leitung der Finanzabteilung allerdings wieder an Co-Gründer sowie Co-CEO Bastian Nominacher übergegangen, wie das Unternehmen auf FINANCE-Anfrage bestätigt hat. Nominacher war vor dem Antritt von Guido Torrini bereits für die Finanzen zuständig.

Die erste Finanzierungsrunde des Unternehmens endete im Juni 2016 mit insgesamt 27,5 Millionen Dollar, bei Serie B wurden 50 Millionen Dollar bis Juni 2018 eingesammelt und in der dritten Finanzierungsrunde konnten im November 2019 290 Millionen Dollar eingesammelt werden.

Mitgründer Bastian Nominacher hat erneut die CFO-Rolle bei Celonis übernommen. Foto: Celonis

Mit den neuen finanziellen Mitteln will Celonis nun den Wachstumskurs fortsetzten und in „die Entwicklung von Produkten, strategische Portfolioerweiterungen und die globale Marktabdeckung über Industrien hinweg investieren“.

Steht der Börsengang von Celonis bevor?

Seit einiger Zeit gab es auch immer wieder Vermutungen darüber, wann es das Unternehmen an die Börse ziehen könnte. Celonis stehe derzeit unter keinem Druck, den Schritt an den Kapitalmarkt zu gehen, so ein Sprecher gegenüber FINANCE. „Wir können uns durchaus vorstellen, eines Tages an die Börse zu gehen. Unsere Investoren und unsere Finanzsituation geben uns die Flexibilität, den richtigen Zeitpunkt dafür zu wählen.“

Das Unternehmen entwickelt Software im Bereich des Process Minings – eine Möglichkeit, Geschäftsprozesse digital zu rekonstruieren und anhand dessen nach Optimierungsbündnissen auszuwerten. Nach eigenen Angaben ist Celonis in diesem Bereich, der auch Execution Management Software genannt wird, globaler Marktführer. Das Unternehmen beschäftigt an mehr als 20 Niederlassungen mehr als 3.000 Mitarbeiter und hat seinen Hauptsitz in München und mittlerweile auch in New York.

Celonis hat insgesamt 1,37 Milliarden Dollar eingesammelt

Mit dem eingesammelten Geld verteidigt Celonis die Spitzenpositionen der bestbewerteten Start-ups in Deutschland. Mit einer Bewertung von knapp 13 Milliarden Dollar gehört es zu den sogenannten Decacorns – zu Deutsch „Zehnmaleinhorn“.

Auf Platz zwei und drei im Start-up-Ranking folgen das mit 9 Milliarden Dollar bewertete Fintech N26, das allerdings im vergangenen Jahr mit einer Sonderprüfung durch die Bafin Schlagzeilen machte, sowie die HR-Softwareschmiede Personio mit einer Bewertung von 8,5 Milliarden Euro. Das wertvollste Start-up Europas wurde übrigens nicht in Berlin, Amsterdam oder Stockholm gegründet: Der aus Rumänien stammende Automatisierungsspezialisten UiPath, der im April 2021 in New York an die Börse ging, wurde zweitweise mit 35 Milliarden Dollar bewertet.

jan.schuermann@faz-bm.de | + posts

Jan Schuermann ist Redakteur bei FINANCE und beschäftigt sich schwerpunktmäßig mit dem Thema Gehalt in der Corporate-Finance-Welt. Er hat in Köln Geschichte, Deutsch und North American Studies studiert. Während eines Auslandsaufenthalt an der UC Berkeley hat er zeitweise für den Daily Californian gearbeitet. Bevor Jan Schuermann zum Fachverlag F.A.Z Business Media gestoßen ist, war er für die Nachrichtenagentur Thomson Reuters im polnischen Danzig tätig.

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