2018 war ein starkes Jahr am deutschen IPO-Markt, auf dem europäischen Markt ging die Zahl der Börsengänge jedoch zurück, zeigt eine Analyse von EY.

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28.12.18
Finanzierungen

Ein starkes Jahr am deutschen IPO-Markt

Entgegen dem europäischen Trend war 2018 in Deutschland ein überaus aktives Börsenjahr – das stärkste seit 2000. Der Auftakt im kommenden Jahr könnte allerdings holprig werden.

2018 war ein starkes Jahr am deutschen IPO-Markt. 18 Unternehmen wagten den Schritt aufs Parkett, im Vorjahr waren es nur 14. Mit 13,5 Milliarden US-Dollar verzeichnete der hiesige Markt das höchste Emissionsvolumen seit dem Jahr 2000, wie eine Analyse der Beratungsgesellschaft EY zeigt. Im vergangenen Jahr hatten Börsenkandidaten lediglich 3,1 Milliarden Dollar eingesammelt.

Auf dem europäischen Markt insgesamt zeigt sich dagegen ein anderes Bild: Das IPO-Emissionsvolumen ist laut EY von 46,4 Milliarden Dollar (2017) auf 38,6 Milliarden Dollar in diesem Jahr gesunken. Auch die Zahl der Börsengänge ging von 272 auf 228 zurück.

Zwei deutsche IPOs unter den Top 5

Deutschland profitiert in Sachen Emissionsvolumen vor allem von zwei Börsengängen in diesem Jahr, die es sogar in die Top 5 der größten IPOs weltweit schafften: Siemens Healthineers liegt mit einem Emissionsvolumen von knapp 5,2 Milliarden Dollar (rund 4,2 Milliarden Euro) auf Platz 4. Direkt dahinter folgt das Traditionsunternehmen Knorr-Bremse mit einem Volumen von 4,4 Milliarden Dollar (3,8 Milliarden Euro). 

Zwei deutsche Börsengänge schaffen es unter die Top 5 der größten IPOs weltweit.

Auf den vorderen Plätzen liegen mit Xiaomi (5,4 Milliarden Dollar) und China Tower (7,5 Milliarden Dollar) zwei chinesische Unternehmen. Mit Blick aufs Volumen spielt der größte Börsengang in diesem Jahr allerdings in einer völlig anderen Liga: Beim IPO des japanischen Telekommunikationskonzern Softbank im Dezember lag das Volumen bei rund 21,1 Milliarden Dollar.

Drei Milliarden-IPOs in Deutschland

In Deutschland fielen die weiteren Aktivitäten am IPO-Markt deutlich beschaulicher aus. Mit der Asset-Management-Sparte der Deutschen Bank, die im Vorfeld des Börsengangs vor allem wegen der Rechtsform KgaA für Diskussionen sorgte, gab es lediglich einen weiteren IPO der die Milliardenmarke knackte: Das Emissionsvolumen der DWS lag bei 1,6 Milliarden Dollar (rund 1,3 Milliarden Euro).

Mit deutlichem Abstand folgten als nächstgrößte Börsengänge in Deutschland gleich zwei aus dem Immobiliensektor: Instone Real Estate mit 390 Millionen Euro und Godewind Immobilien mit 375 Millionen Euro. 

Volatilität sorgt für schwaches viertes Quartal

Zum Jahresende hin wurde das Umfeld für Börsengänge deutlich ungemütlicher: Eine hohe Volatilität sorgte weltweit an allen Märkten für eine sinkende Zahl an Börsengängen. Auch an Deutschland ging die Entwicklung nicht spurlos vorbei: Der dänische Medikamentenhändler Abacus, der in Frankfurt aufs Parkett wollte, und der deutsche Tech-Investor Primepulse etwa haben beide ihre Börsenpläne Ende Oktober wegen des Marktumfelds verschoben.

Wenige Tage später folgte der E-Scooter-Hersteller Govecs ihrem Beispiel und legte die Börsenpläne vorerst auf Eis. Mitten in dem volatilen Umfeld schaffte es dagegen die Deutsche Familienversicherung DFV an die Börse – allerdings im zweiten Anlauf und mit deutlichen Abstrichen

Konjunktureller Gegenwind im kommenden Jahr

So schwierig wie 2018 aufhörte, könnte es auch 2019 weitergehen.

So schwierig wie 2018 aufhörte, könnte es auch 2019 weitergehen. Nach Einschätzung von Martin Steinbach, Leiter des Bereichs IPO und Listing Services bei EY, könnten einige Unternehmen zunächst abwarten, wie sich das Thema Brexit entwickelt und ob sich die Handelskonflikte zwischen USA und Europa sowie USA und China beruhigen.

Was das Gesamtjahr angeht, ist der IPO-Experte aber dennoch optimistisch: „Trotz konjunkturellen Gegenwinds hat 2019 durchaus das Potenzial, ähnlich stark zu werden. Die Pipeline aus verschiedenen Bereichen ist zumindest gut gefüllt.“ Steinbach hält 15 bis 18 Börsengänge in Deutschland für realistisch.

Zu den möglichen Börsenkandidaten für das kommende Jahr zählen unter anderem die VW-Nutzwagensparte Traton und die Antriebssparte des Automobilzulieferers Continental. Auch die Unternehmen, die ihre Börsengänge 2018 absagen mussten, könnten im kommenden Jahr einen neuen Anlauf wagen.

antonia.koegler[at]finance-magazin.de