Atemberaubendes Permira-Investment: Teamviewer

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20.10.20
Finanzierungen

Permira macht erneut Kasse mit Teamviewer

Der Finanzinvestor Permira hat sich zum dritten Mal von einem größeren Teamviewer-Anteil getrennt. Inzwischen hat die britische PE-Gesellschaft fast 5 Milliarden Euro durch den Spitzendeal eingenommen.

Bei Permira klingeln wieder die Kassen: Die Londoner Private-Equity-Gesellschaft hat erneut Aktien ihrer Beteiligung Teamviewer veräußert. Insgesamt wurden 22 Millionen Papiere zu je 42,25 Euro institutionellen Investoren angedient, teilte der Finanzinvestor mit. Insgesamt flossen den Briten so 930 Millionen Euro zu. Durch die Transaktion sinkt der Anteil von Permira, die vor sechs Jahren die Göppinger für einen Unternehmenswert von 870 Millionen Euro gekauft hatten, von 39 auf 28 Prozent. Damit bleibt das Investmenthaus immer noch größter Aktionär und hält Titel im Wert von fast 2,4 Milliarden Euro. An der Börse wird das MDax-Unternehmen mit knapp 9,2 Milliarden Euro bewertet.

Es ist bereits der dritte Abverkauf seit dem Börsengang im September 2019. Insgesamt hat Permira mit dem IPO und den drei Aktienplatzierungen knapp 5 Milliarden Euro erlöst. Beim Börsengang im Herbst 2019 realisierte Permira zunächst 2,2 Milliarden Euro. Mitte März, kurz vor dem Coronavirus-Crash, verkaufte Permira 22 Millionen Teamviewer-Papiere für rund 700 Millionen Euro. Mitte Mai folgte dann der zweite Streich, bei dem der Finanzinvestor 12,5 Prozent gesamten Aktienkapitals abgab und mehr als 1 Milliarde Euro einsammelte.

Teamviewer-CFO verbessert Finanzierung

Wie bereits bei der vorherigen Platzierung musste Permira auch dieses Mal einen Abschlag hinnehmen, dieser lag bei mehr als 8 Prozent auf den Xetra-Schlusskurs vom Montag. Teamviewer, die unter anderem Fernwartungs-Software anbietet, gehört zu den klaren Corona-Gewinnern. Mitte März waren die Aktien noch rund 25 Euro wert, zeitweise stiegen sie auf 54,86 Euro, aktuell hat sich der Wert bei knapp 43 Euro eingependelt.

Währenddessen bereit Teamviewer-CFO Stefan Gaiser sein Unternehmen auf die Zeit nach Private-Equity vor und hat vor Kurzem die Finanzierung des IT-Unternehmens neu aufgestellt. So wurde die erst im September 2024 fälligen revolvierenden Kredite und Darlehen dank der „signifikanten Entschuldung“ und dem verbesserten Kreditprofil angepasst. Während beispielsweise ein US-Dollar-Kredit von 450 auf 350 Millionen Euro reduziert wurde, konnte die Zinsmarge für alle vorhandenen Darlehen um 25 Basispunkte nach unten gedrückt werden, und für den sogenannten Revolver sogar um 50 Basispunkte. 

Teamviewer mit erster Übernahme

Auf der M&A-Seite konnte Teamviewer zuletzt mit Ubimax seine allererste Akquisition nach dem Börsengang präsentieren. Das Bremer Unternehmen entwickelt Software für Augmented-Reality-Lösungen für Facharbeiter in der Industrie. Ein Arbeiter bekommt damit beispielsweise auf einer Datenbrille einen Workflow für die nächsten Arbeitsschritte angezeigt.
Mit der 137 Millionen teuren Übernahme will Teamviewer das Angebot für große Unternehmenskunden erweitern und künftig Services rund um die Digitalisierung und Vernetzung von Produktionsbereichen und Prozessen bieten. Ubimax zählt bereits unter anderem Siemens und BMW zu seinen Kunden.

martin.barwitzki[at]finance-magazin.de

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Mehr über die bisherige Karriere von Teamviewer-Finanzchef Stefan Gaiser erfahren Sie auf seinem Profil bei FINANCE-Köpfe.