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Tui plant erneute Kapitalerhöhung

Tui plant eine erneute Kapitalerhöhung und will damit die Coronakrise hinter sich lassen. Foto: Tui

Tui will mit einer Kapitalerhöhung insgesamt 1,1 Milliarden Euro einsammeln und damit vornehmlich Schulden aus der Coronakrise zurückzahlen. Derzeit schiebt der Konzern einen etwa 8,7 Milliarden Euro schweren Schuldenberg vor sich her, den es nun abzutragen gilt.

Die Unterstützung des Hauptaktionärs Unifirm Limited, hinter dem Alexej Mordaschow steht, hat Tui sicher: Mordaschow, der 32 Prozent hält, will sich an der Kapitalerhöhung beteiligen und seinen Anteil so konstant halten. Den Rest der Aktien wollen Barclays, BofA Securities Europe, Citigroup, Deutsche Bank und HSBC als Joint Global Coordinators und Joint Bookrunners sowie Commerzbank, LBBW und Natixis als Joint Bookrunners übernehmen. Barclays und Merrill Lynch fungieren als gemeinsame Sponsoren der Gesellschaft.

Tui will Coronahilfen teilweise zurückzahlen

Mit dem frischen Geld will Tui einerseits eine KfW-Kreditlinie, die ursprünglich eine Höhe von 3 Milliarden Euro hatte und per 4. Oktober bereits auf 375 Millionen Euro reduziert werden konnte, vollständig zurückführen. Mit dem restlichen Erlös soll außerdem die Inanspruchnahme einer derzeit mit mehr als 1,4 Milliarden Euro belasteten Barfazilität (RCF) auf 762 Millionen Euro verringert werden. Insgesamt hat der RCF ein Volumen von bis zu 4,6 Milliarden Euro.

Vorstandschef Friedrich Joussen bezeichnet die Kapitalerhöhung als „bedeutenden Schritt“. Das Management um CFO Sebastian Ebel, der erst seit Jahresbeginn die Finanzen des angeschlagenen Unternehmens leitet, wolle mit dem eingesammelten Geld zu einer verbesserten Kapitalstruktur und einem soliden finanziellen Fundament zurückkehren, auch um die Erholung der Branche zu nutzen.

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Insbesondere aufgrund der Coronakrise wuchs der Schuldenberg zu dem an, was er heute ist. Infolge der damit verbunden Reisebeschränkungen und gesetzlichen Restriktionen zur Eindämmung von Covid-19, musste Tui enorme Umsatzeinbußen hinnehmen. Auch war der Cashburn signifikant, stellenweise verbrannte Tui bis zu 800 Millionen Euro im Quartal.

Um dem angeschlagenen Reisekonzern unter die Arme zu greifen, half die Bundesregierung mehrfach aus. Seit Beginn der Viruspandemie hat die Bundesregierung Tui finanzielle Mittel in Höhe von insgesamt 4,3 Milliarden Euro zur Verfügung gestellt, hauptsächlich in Form von Krediten der staatlichen Förderbank KfW, die der Konzern nun abtragen will.

Tui führte im Januar bereits erste Kapitalerhöhung durch

Allerdings reichten die Hilfsgelder des Staates nicht, nur ein geringer Teil der Hilfen bestand aus Eigenkapitak: So musste Tui im Januar eine erste Kapitalerhöhung durchführen, mit der 568 Millionen Euro eingesammelt wurden. Dieser Maßnahme folgte dann im April eine Wandelanleihe in Höhe von 400 Millionen Euro, welche Ende Juni um 190 Millionen Euro erhöht wurde. All das reichte aber nicht, denn das Unternehmen brauchte noch mehr flüssige Mittel. So wurden im Mai für 540 Millionen Euro mehr als 20 Immobilien im Hotelportfolio von Tui an die spanische Hotelgruppe Riu verkauft, an dem Tui beteiligt ist.

Damit sammelte Tui alleine in den ersten zehn Monaten dieses Jahres bereits fast 2 Milliarden Euro ein. Nach eigenen Angaben verfügt Tui nun über finanzielle Mittel in Höhe von 3,4 Milliarden Euro, nach der Kapitalerhöhung werden es 4,5 Milliarden Euro sein. Mit der neuen Kapitalmaßnahme will der weltweit größte Touristikkonzern mit Sitz in Hannover seine Pro-forma-Bruttoverschuldung um 2,2 Milliarden Euro auf 6,5 Milliarden Euro verringern. Dies seien wichtige Schritte für die Rückkehr zu einer Bruttoverschuldungsquote von etwa 3x, betont der Konzern. Dies ist die selbst gesteckte Höchstgrenze, die nach Bewältigung der Coronakrise auch wieder eingehalten werden soll.

Kann Tui seine Ziele wirklich erreichen?

Die Analysten der UBS sind allerdings skeptisch, ob der Konzern seine selbstgesteckten Ziele erreichen kann: „Die Kapitalerhöhung ist ein Schritt in die richtige Richtung bei der Rekapitalisierung der Bilanz, aber wir glauben, dass weitere Schritte erforderlich sind, um die internen Bruttoverschuldungsziele zu erreichen“, heißt es in einem Report. „Wir gehen von einem Cash-Burn von rund 1,5 Milliarden Euro im 1. Halbjahr aus, was eine Proforma-Verschuldung von 8 Milliarden Euro bedeuten würde. Unter der Annahme einer vollständigen Erholung des Ebitda auf das Niveau vor Covid berechnen wir eine Bruttoverschuldung relativ zum Ebitda von 3,8x.“

Auch in den Vergangenheit zeigten sich Marktbeobachter skeptisch darüber, ob eine Kapitalerhöhung angesichts der hohen Verschuldung zum große Befreiungsschlag für Tui werden könnte. Vor gut einem Monat äußerten sich Restrukturierungsexperten im Gespräch mit FINANCE kritisch zu einer möglichen Kapitalerhöhung: Zunächst müsse das operative Ergebnis deutlich ansteigen und der Verschuldungsgrad wieder in Richtung des Vor-Covid-Niveaus laufen, bevor eine solche Anteilsverwässerung sinnvoll sei.

„Da Tui aber größere Teile seines Geschäfts wie Hotelimmobilien verkauft hat, dürfte schon das Erreichen des Vorkrisen-Ebitda schwierig werden, geschweige denn das Erreichen eines höheren Niveaus, insbesondere, wenn man die gestiegene Zinslast bedenkt“, sagte ein Restrukturierer damals.

Tui sieht Erholung der Tourismusbranche

Doch Tui verbreitet heute auch deutlichen Optimismus: So teilte der Touristikkonzern mit, dass sich die Buchungen in der Sommersaison verbessert hätten. Für die Sommerprogramme nahm der Reisekonzern 5,2 Millionen Buchungen entgegen, das sind etwa 1,1 Millionen mehr Buchungen als bei der letzten Aktualisierung im August. Im Vergleich zur Vorjahresperiode, dem Höhepunkt der Coronakrise, war dies gar eine Verbesserung um 1,3 Millionen Buchungen.

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Dennoch gab Tui zu, seien die Kapazitäten für die Hauptsommersaison, die von Juli bis Oktober geht, lediglich zu 50 bis 60 Prozent auslasten zu können. Auch habe die Nachfrage von Kunden aus Großbritannien erst kürzlich angezogen, nachdem das Vereinigte Königreich am 17. September die zentralen Reise- sowie Coronabeschränkungen aufgehoben hatte.

Tui-Aktionäre sind optimistisch

Dafür hat Tui aber bereits 1,6 Millionen Buchungen für die nächste Sommersaison entgegengenommen. Und der Konzern prognostiziert sogar, dass sich die Sommersaison 2022 „wieder annähernd auf das normalisierte Niveau des Sommers 2019 einpendeln wird“.

Diese Aussicht könnte auch die Aktionäre positiv gestimmt haben: Obwohl ihre Anteile durch die geplante Kapitalerhöhung schon zum zweiten Mal massiv verwässert werden, verlor das Papier am heutigen Vormittag nur leicht und notierte zeitweise bei 3,70 Euro. Allerdings vergrößert sich die Aktienanzahl massiv. Die UBS kalkuliert für nach der neuerlichen Kapitalerhöhung mit 2,1 Milliarden Tui-Aktien. Vor Corona waren nur 590 Millionen im Umlauf.

jan.schuermann[at]finance-magazin.de

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